Time to say goodbye – Bevor sich Maras Südamerika Trip, und damit gleichzeitig auch ihr aufregendes Praktikum dem Ende zuneigt, macht sie noch die pulsierende brasilianische Metropole Rio de Janeiro unsicher. Im letzten Bericht erzählte sie von den Wahrzeichen der Stadt, dieses Mal widmet sie sich der kulinarischen Seite Brasiliens und ihrer großartigen Unterkunft, dem Casa 48, einem kleinen Häuschen auf einem Berg in der Favela Pereirão, in Santa Teresa.

Kaum zu glauben, dass sich mein Südamerika-Trip nun so langsam dem Ende nähern sollte…  Gestartet bin ich vor über eineinhalb Monaten in Mittelamerika in Mexiko, von wo es mich weiter in den Süden nach Peru und Bolivien getrieben hatte und ich jetzt schließlich zum Abschluss meiner Reise in Rio de Janeiro angekommen war.
Im letzten Artikel habe ich euch von meinen Erlebnissen berichtet, als ich einige Wahrzeichen der Stadt erkundet habe und zum Abschluss noch beim Hang Gliding die wohl beste Aussicht über ganz Rio genießen konnte.

Rio de Janeiro - Aussicht vom Hügel, Sonnenuntergang, Mara on Tour

Leben im Casa 48, in der Favela Pereirão in Santa Teresa

Nachdem ich unter anderem in Kopenhagen, Los Angeles und New York in Air BnB Unterkünften übernachtet hatte, dachte ich, es wäre mal wieder Zeit eine solche zu testen. Den Tipp für das fantastische „Casa 48“, meine Unterkunft in Rio, habe ich von einem Freund bekommen und muss sagen: Das ist ein echter Geheimtipp! Das Casa 48 ist ein kleines dreistöckiges Häuschen und liegt auf einem Berg in der Favela Pereirão, in Santa Teresa. Favela? – Manche von euch denken nun vielleicht „So eine Favela ist doch total gefährlich…“. Während bei uns in den westlichen Ländern der Name Favela ganz klar negativ belastet ist und der Begriff im portugiesischen direkt mit Slum übersetzt werden kann, heißt das aber inzwischen nicht mehr zwingend, dass eine Favela immer automatisch ein Slum, der zudem auch noch gefährlich ist, sein muss. Die Favela Pereirão, in der ich während meines Aufenthalts in Rio wohnte, ist verhältnismäßig klein, bunt, ruhig und alles andere als gefährlich. Ich konnte dort zu allen Tages- als auch Nachtzeiten bedenkenlos umherspazieren, ohne dass es gefährlich gewesen wäre – ganz im Gegenteil – die Leute dort waren sehr aufgeschlossen und haben mich stets freundlich gegrüßt.

Das Häuschen wurde von Axel, einem vor über sieben Jahren nach Brasilien ausgewanderten Franzosen, gekauft und im Laufe der Zeit mit viel Liebe und Handarbeit in eine kleine Wohlfühloase verwandelt. Das wohl Spektakulärste an der Unterkunft ist die Fensterfront im Wohnzimmer und die grandiose Aussicht über ganz Rio! Mein Frühstück mit diesem unbezahlbaren Panoramablick, das ich dort jeden Morgen auf der Terrasse eingenommen habe, war für mich mit eines der Highlights schlechthin in der Riesen-Metropole.

Favela Tour durch Chapéu Mangeuria und Babilonia

Mir ist es immer sehr wichtig, eine Stadt auch etwas abseits der klassischen Touristenpfade kennenzulernen, und so war ich sofort Feuer und Flamme, als ich erfuhr, dass Axel auch als Tourguide arbeitet und eine besondere Favela-Tour anbietet, an der ich prompt teilgenommen habe. Auf unserer Tour besuchten wir zwei verschiedene Favelas: Chapéu Mangeuria und Babilonia im Viertel Leme, welches sich neben Copacabana befindet. Abgesehen von den spannenden Einblicken in das alltägliche Leben in einer Favela, die ich durch die Tour bekam, erfuhr ich auch einiges über die Stadt Rio und erhielt eine Menge Insiderfacts über Favelas.

Es gibt über 950 Favelas in Rio, in denen ca. 1,4 Millionen Menschen leben, was stolze 22 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Hierbei gibt es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Favelas: Während in manchen nach wie vor die Kriminalitätsrate unheimlich hoch ist und Gewalt- und Drogendelikte an der Tagesordnung stehen, gibt es auch andere Favelas, in denen das absolut Seltenheitswert hat. Chapéu Mangeuria und Babilonia zählen beide zu letzteren, wodurch wir die Möglichkeit hatten, spannende Einblicke in das stellenweise simple, dafür aber sehr gemeinschaftliche Leben in den Favelas zu bekommen. Ich war überrascht, wie offen und freundlich die Einwohner der Favelas waren, und begeistert von dem bunten Treiben auf den meisten der kleinen verwinkelten Straßen und Gassen. Da die meisten Favelahäuser recht klein sind und es deswegen wenig Platz in ihrem Inneren gibt, spielt sich das Leben draußen auf der Straße ab.

FAVELA TOUR (Chap+®u Mangeuria und Babilonia) (10)

Fasziniert hat mich auch die Art und Weise, wie die Häuser gebaut sind. Fast alle Favelas liegen an steilen Berghängen und durch die Hanglage ist beim Häuserbau stets viel Kreativität und Improvisationskunst gefragt, wodurch waghalsige Konstruktionen entstehen. So kommt es durchaus vor, dass ein Haus um einen Baum herumgebaut wird, sodass dieser selbst als Stütze in das Haus integriert wird, anstatt ihn – wie es bei uns üblich wäre – zu fällen. Wider Erwarten findet man in vielen Favelas größtenteils Häuser aus Stein und nicht die klassischen Wellblechhütten, die einige von uns dort wohl eher vermutet hätten.

Nachdem wir einige Stunden kreuz und quer durch die kleinen Gassen gezogen waren, folgten wir unserem Guide Axel schließlich immer höher den steilen Hang der Favela hinauf. Es ging endlose Treppenstufen nach oben, bis wir am Rand der Favela ankamen, die direkt an den Regenwald grenzte. Nach einem weiteren 15-minütigen Hike mitten durch den Wald gelangten wir schließlich auf die Spitze des Bergs, gerade noch rechtzeitig, um einen fantastischen Sonnenuntergang mitzuerleben.

Kulinarisches Brasilien

Diejenigen von euch, die ein bisschen besser über Urlaubsguru informiert sind, wissen bestimmt, dass es Urlaubsguru inzwischen nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern wie Österreich, Schweiz, Italien, England oder sogar Brasilien gibt. Deshalb habe ich das natürlich zum Anlass genommen, mich mit meinem brasilianischen Kollegen Juliano in Rio zu treffen. Wir sind an einem Sonntagmittag zusammen auf den Ipanema Hippie Markt gegangen, wo mich Juliano in die traditionelle brasilianische Küche eingeführt hat. Was gibt es Besseres, als von einem Einheimischen seine Lieblingsgerichte gezeigt zu bekommen? Wir haben uns bestimmt drei Stunden lang durchgeschlemmt bis wir kugelrund waren und ich das Gefühl hatte, dass es kein brasilianisches Gericht mehr gäbe, das ich noch nicht probiert hätte.

Brasilianischer UG Kollege Juliano

Hier kommen meine absoluten Lieblingsgerichte:

  • Açaí – Lila- bis schwarzfarbene Früchte
    Die lilafarbenen bis fast schwarzen Açaí-Früchte wachsen von Brasilien bis Panama an der Kohlpalme. Da die Beeren zu 90 Prozent aus einem Kern bestehen und nur ihre Haut essbar ist, werden sie nach der Ernte entkernt, püriert und dann als dickflüssiges Püree zum Frühstück oder in Desserts verzehrt. Açaí ist in ganz Brasilien verbreitet – man könnte es schon fast als Nationalgericht bezeichnen. Es wird meistens stark gezuckert als Smoothie mit verschiedenen Toppings wie Granola, Tapioka-Flocken oder gemahlenen Nüssen gereicht. (Absolut empfehlenswert! Ich glaube es gab keinen Tag in Rio, an dem ich kein Açaí gegessen habe. ; )
  • Acarajé – Brasilianische Bohnenbällchen mit Garnelen
    Acarajé, klassisches Street-Food aus dem Nordosten Brasiliens, sind gemahlene Bohnen, die zu einem Teig verarbeitet, zu Kugeln geformt und in Öl frittiert werden. Klassischerweise werden die köstlichen Bällchen mit Vatapá, Caruru und Garnelen gereicht.
  • Empadão de Siri – Krabbenkuchen
    Empadão de Siri gehört zu meinen absoluten Lieblingsgerichten in Rio. Diese Köstlichkeit zu beschreiben ist gar nicht mal so einfach, vermutlich wäre die Bezeichnung „Deftige Quiche mit Krabben“ noch am Treffendsten.
  • Bacalhau à Baiana – Stockfisch nach Baiana Art
    Bacalhau à Baiana würde ich als äußerst teiglastige Variante eines deftigen Stockfischauflaufs bezeichnen.
  • Pão de Queijo – Brasilianische Käsebällchen
    Die außen knusprigen und innen fluffigen kleinen Käsebällchen kann man in Rio wirklich an jeder Straßenecke kaufen. Tipp: Früh morgens kaufen, wenn sie noch herrlich warm sind.
  • Tapioca de Caranguejo – Tapioka-Pfannkuchen mit Krabben
    Mit dem in Brasilien weit verbreiteten Tapioka bezeichnet man unterschiedliche Produkte, die aus Maniok hergestellt werden. Sehr geläufig sind Tapioka-Pfannkuchen, die entweder süß oder salzig gegessen werden. Mein Favorit ist die deftige Variante mit leckerer Krabbenfüllung.
  • Tacacá – Scharfe Suppe aus Manioksaft mit Garnelen und Jambu
    Tacacá ist eine sehr spezielle traditionelle Suppe der Ureinwohner aus dem Amazonas-Gebiet, die man unbedingt probieren sollte, wenn man auf ausgefallene Kreationen steht. Hauptbestandteile der Suppe sind Tucupí, eine gelbliche Brühe, die aus der giftigen Maniok-Wurzel gewonnen wird, Knoblauch, Koriander und Tapioka-Stärke, durch deren Hinzufügen eine stellenweise schleimige Konsistenz kreiert wird. Dazu kommen getrocknete Garnelen und Jambu-Blätter, eine an Spinat erinnernde Pflanze, die eine leicht betäubende Wirkung hat. Dementsprechend war mein Mundraum noch fast fünf Minuten lang betäubt, nachdem ich die Suppe gegessen hatte – ein sehr verrücktes, aber empfehlenswertes kulinarisches Erlebnis.
  • Brigadeiro – Brasilianisches Schokoladenkonfekt
    Das wohl bekannteste Dessert Brasiliens, zubereitet aus Kondensmilch, Butter, Kakao und äußerst viel Zucker! Hinweis: die Zuckerkonzentration des Schokokonfekts ist so enorm, dass sie wirklich nur etwas für hartgesottene Naschkatzen ist. ; )
  • Pastel de Nata – Blätterteigtörtchen
    Diese himmlischen mit Pudding gefüllten Blätterteigtörtchen stammen ursprünglich aus Portugal, sind aber in Brasilien weit verbreitet und deshalb definitiv ein „Must-Try“.
  • Pudim de Leite, Cuscuz de Coco, Torta de Brigadeiro, Bolo de Coco, Cocada Baiana – Kuchen
    Ansonsten kann ich euch nur ans Herz legen, in Brasilien sämtliche Kuchensorten auszuprobieren, die euch so in die Quere kommen. Von fluffigen Kokoskuchen bis hin zu saftig-klebrigen Karamell-Varianten oder schokolastigen Sünden – lecker waren sie alle! (Mein Favorit war Cocada Baiana! ;)

Time to say goodybe – See you soon South America

Nach meiner Woche in Rio de Janeiro neigte sich nun mein großer Südamerikatrip und damit leider auch so langsam, aber sicher das Praktikum meines Lebens dem Ende zu, was ich jedoch noch absolut nicht realisieren kann und irgendwo auch nicht wahrhaben will.

…das definitiv verrückteste, intensivste und beste Praktikum der Welt.

Meine Zeit hier in Südamerika war für mich der mehr als perfekte Abschluss für das definitiv verrückteste, intensivste und beste Praktikum der Welt. Das erste Mal auf einem völlig neuen gigantischen Kontinent, der kaum facettenreicher sein könnte. All diese wunderbaren abenteuerlichen, aber auch prägenden Erlebnisse der letzten Wochen haben mich in meinem Vorhaben nur weiter darin bestärkt, eines Tages zurückzukommen und mehrere Monate durch ganz Südamerika zu reisen. Deshalb sage ich auch an dieser Stelle nicht „Goodbye“, sondern viel eher „See you soon South America!“

ÔǪ und vor allem auch eines ÔÇ×DANKE URLAUBSGURU!ÔÇ£  _

…und vor allem auch eines: „DANKE URLAUBSGURU!“
Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, wie dankbar ich für diese letzten sechs Monate bin.

Alles, was ich sagen kann, ist schlicht und ergreifend: „ D A N K E ! “
„ D A N K E,  D A N K E,  D A N K E ! “