Nach aufregenden Tagen in Bolivien geht es für Mara bei ihrer Südamerikatour weiter nach Brasilien, genauer gesagt in die feurige Metropole Rio de Janeiro. Welche Highlights sie euch weiterempfehlen kann und wie es sich anfühlt, die Stadt beim Hang Gliding aus hunderten Metern Höhe zu bestaunen, lest ihr hier.

Nachdem ich wundervolle letzte Tage in Bolivien beim Erkunden des Andina Eduardo Abaroa Nationalparks und des Salzsees verbracht hatte, bahnte ich mir langsam, aber sicher den Weg ins Nachbarland Brasilien. Von Uyuni ging es zunächst mit dem Bus nach Sucre, von wo ich über Santa Cruz und Sao Paulo weiter nach Rio flog. Da ich in Bolivien bisher am meisten Zeit verbracht hatte und in dieser ziemlich viel von dem recht großen Land sehen konnte, stieg ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Flieger. Am liebsten wäre ich noch viel länger in diesem faszinierenden, unglaublich facettenreichen Land geblieben, aber auf der anderen Seite freute ich mich natürlich auch auf Rio de Janeiro, was aber leider auch der letzte Stopp auf meiner großen Südamerikatour sein sollte.

Der Name Rio de Janeiro bedeutet auf Deutsch „Fluss des Januars“. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Bucht Rios am 1. Januar 1502 von ihrem Entdecker, dem Seefahrer Gaspar de Lemos, fälschlicherweise für eine Flussmündung gehalten wurde. Sobald ich aus dem Flugzeug gestiegen war, schlug mir schwüle Tropenluft entgegen. Die 20 Grad plus in Brasilien kamen mir sehr entgegen, da ich von Bolivien, wo ich mich stellenweise auf 5000 Höhenmetern befunden hatte, teilweise wirklich eisige Temperaturen gewohnt war.

Erste Eindrücke von Rio de Janeiro

Dauerregen und überflutete Straßen

Zunächst hatte ich jedoch ausgesprochen Pech mit dem Wetter in Rio. Die ersten zwei Tage regnete es pausenlos in Strömen und ich sah in einer überfluteten Straße sogar ein Auto bis zum Türgriff im Wasser stehen, das nicht abfließen konnte. Dass das Leben sich in Rio überwiegend draußen auf den Straßen abspielt, wurde mir an dieser Stelle ebenfalls bewusst – die meisten Aktivitäten, denen man dort nachgehen kann, finden im Freien statt. Also nutzte ich die Zeit, um zunächst einmal in ein Krankenhaus zu gehen und mein Handgelenk erneut checken zu lassen. Endlich kam der nervende Gips ab und ich bekam eine Art Plastikschiene, die für mich deutlich angenehmer zu tragen war. Die restliche Zeit während des strömenden Regens verbrachte ich ansonsten damit, meine übrigen Artikel für das Reisemagazin zu schreiben.

„Dois Irmãos“ – Zwei Brüder

Sobald der Dauerregen nach gut zwei Tagen aufgehört hatte, nahm ich dies als Anlass, mich früh morgens an die Besteigung des höheren Felsens von Dois Irmãos zu machen. Dois Irmãos, auf Deutsch „Zwei Brüder“, ist eine Felsformation am Ende des Ipanema Strandes. Der Himmel war zwar stellenweise noch recht bewölkt, was mich jedoch nicht an meinem Vorhaben hindern sollte. Mit einem Moto-Taxi gelangte ich, nach einer abenteuerlichen Fahrt quer durch die Favela Vidigal, an den Fuß des Berges, welcher Ausgangspunkt für die Wanderung ist. Hoch motiviert marschierte ich drauf los und während eben noch alles, was ich sah, die kleinen bunten Häuschen der Favela waren, fand ich mich keine drei Minuten später von nichts als dem tropischen Regenwald umgeben.

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Das ist eines der Dinge, die mich im Nachhinein mit am meisten an Rio fasziniert haben: Die Tatsache, dass die Stadt zwischen Strand und Bergen und inmitten des Regenwalds entstanden ist, diesem aber trotzdem genug Raum gelassen hat und dementsprechend grün ist. Mit den Jahren mussten zwar Teile des Regenwaldes im Zuge des Wachstums der Stadt weichen, jedoch findet man überall noch zahlreiche Bäume und Grünflächen, die erhalten geblieben sind. Besonders die Favelas an den Berghängen haben mich fasziniert, da hier das Urbane auf die Natur trifft und die Gegenden, je höher man in die Berghänge kommt, immer grüner werden.

…die Favelas an den Berghängen haben mich fasziniert, da hier das Urbane auf die Natur trifft…

Der Pfad zum Gipfel führte mich durch den dichten Dschungel und trotz der frühen Morgenstunde trieb die schwüle Luft mir den Schweiß auf die Stirn. Auf dem Weg nach oben lichtete sich der Regenwald an manchen Stellen, von denen ich eine fantastische Aussicht über Rio hatte.

Zum ersten Mal wurde mir das Ausmaß dieser riesigen Metropole bewusst. Keine 50 Meter vor dem Gipfel lief ich allerdings regelrecht in eine riesige graue Wolke hinein und auf dem Gipfel angekommen, war mir dann die gesamte Sicht durch wabernden Nebel und Wolken verhangen. Ich befand mich also auf 533 Metern Höhe und konnte rein gar nichts von der Stadt sehen – schade! Nichtsdestotrotz hat sich für mich der kleine Ausflug zu Dois Irmãos trotz allem gelohnt, da allein die Wanderung bereits ein Erlebnis für sich war.

Copacabana und der Strand „Princesinha do Mar“

Klar, dass ich in Rio auch dem Viertel Copacabana und seinem halbmondförmigen Strand namens „Princesinha do Mar“, einen der wohl berühmtesten Strände der Welt, einen Besuch abstatten musste. Während wir in Deutschland mit Copacabana fälschlicherweise den Strand selbst assoziieren, versteht man in Brasilien unter dem Namen nur den Stadtteil selbst, an dem der Strand liegt. Und ich muss zugeben – ja, der Sand und das Wasser von ‚Princesinha do Mar‘ sind wirklich traumhaft. Doch ansonsten war ich nicht wirklich angetan von dem Trubel dort. Den gesamten Strand entlang reihen sich Sonnenschirme an Sonnenschirme, Liegen an Liegen. Er ist nicht nur überfüllt von Touristen und Brasilianern, sondern auch von zahlreichen Verkaufsständen, an denen Einheimische versuchen, die für Rio so typischen Mini-Bikinis, bunte Tücher oder Schmuck zu verkaufen. Dazu kommt noch, dass der Strand an eine Straße grenzt, hinter der sich etliche Bettenburgen befinden, sodass in meinen Augen auch die Umgebung nicht gerade prickelnd ist. Natürlich ist das Geschmackssache – mir persönlich gefallen immer die kleinen verlassenen, ruhigeren Strände am besten, aber mir war natürlich klar, dass ich diese so zentral in Rio nicht finden würde. Jedenfalls kann ich den Hype um diesen Strandabschnitt persönlich nicht nachvollziehen.

Corcovado  und „Cristo Redentor“ – die Christusstatue

In der Hoffnung, dass ich einen Tag nach meiner Besteigung des Dois Irmãos etwas mehr Glück mit dem Wetter haben würde, machte ich mich auf den Weg zum Berg Corcovado, auf dem das Wahrzeichen der Stadt, die Christusstatue „Cristo Redentor“ steht. Als ich mein Ticket für die Corcovado-Bergbahn kaufte, die mich auf 710 Meter Höhe an den Fuß der Statue bringen würde, war der Himmel blau und es schien strahlend die Sonne. Da ich aber gut eineinhalb Stunden bis zur Abfahrt warten musste, hatten sich bis dahin bereits wieder ein paar vereinzelte Wolken am Himmel versammelt, die mich zunächst aber noch nicht beunruhigten. Als ich jedoch oben angekommen war, empfing mich wieder ein vertrautes Gemisch aus dichtem Nebel und Wolken, sodass die Statue komplett in grauen Nebelschwaden verschwand.

Obwohl ich mich direkt am Fuße der Statue befand, konnte ich absolut nichts von dieser sehen. Somit verbrachte ich die nächsten zwei Stunden, neben bestimmt 200 anderen mit Selfiestick bewaffneten Touristen, mit nichts als Warten, in der Hoffnung, dass der Himmel noch aufklaren würde. Zwischendurch wehte der Wind den Nebel tatsächlich immer wieder teilweise zur Seite, sodass man für wenige Sekundenbruchteile einen Blick auf die Statue erhaschen konnte, was jedoch immer noch zu kurz war, um ein Foto zu schießen. Sehr ärgerlich – schließlich hatte ich eine Mission: Wenn ich schon einmal in Rio war, musste ich natürlich auch unbedingt ein Foto mit meiner Weltkugel und der Gurupose vor der Christusstatue machen. Als ich schließlich bereits kurz davor war aufzugeben, schoben sich auf einmal wie von Zauberhand einige der Wolken beiseite und gaben endlich die Sicht auf die Statue frei. Aufgrund des unheimlich knappen Zeitfensters, das ich nun hatte, bevor die Statue wieder im Nebel verschwand, sind meine Fotos auch nicht gerade berauschend, aber immerhin taugen sie als Beweis, dass ich dort war. ;)

Kleiner Tipp: Wenn ihr der Wartezeit vorbeugen wollt, bestellt euch eure Tickets für die Bergbahn am besten im Vorfeld online. Ansonsten könnt ihr euch auch, wie ich, die Wartezeit im „Museo Internacional De Arte Naif“  (Internationales Museum für Naive Kunst) verbringen, das nur zwei Minuten von der Bahnstation entfernt liegt.

Ipanema Hippie Markt

Ipanema ist nicht nur für seinen Strand berühmt, der ähnlich lang wie der in Copacabana ist, sondern auch für den Ipanema Hippie Markt, der dort jeden Sonntag stattfindet. Hier hätte ich Stunden verbringen können, um an all den Ständen mit dem wunderschönen handgemachtem Schmuck und anderer Handwerkskunst entlang zu schlendern. Darüber hinaus gibt es dort auch Essensstände mit köstlichen brasilianischen, traditionellen Spezialitäten, die man unbedingt probiert haben sollte.

­„Pão de Açúcar“ – der Zuckerhut

Früher galt Pão de Açúcar, der Zuckerhut, ein 395 Meter hoher Berg direkt am Meer auf der Halbinsel Urca gelegen, als geografischer Referenzpunkt für Seemänner. Heutzutage zählt er neben Corcovado zu den Wahrzeichen der Stadt, ist aber – erfreulicherweise – nicht so überlaufen wie dieser. Wenn man wie ich den Sonnenuntergang vom Zuckerhut erleben möchte, sollte man sich spätestens gegen vier Uhr nachmittags am Fuße des Bergs bei der Seilbahnstation einfinden, um sicherzustellen, dass man rechtzeitig hochkommt.

Maras Tipp:

Um den Sonnenuntergang vom Zuckerhut zu erleben, sollte man sich spätestens gegen vier Uhr nachmittags am Fuße des Bergs bei der Seilbahnstation einfinden, damit man auch rechtzeitig hochkommt.

Die Fahrt auf die Spitze ist in zwei Etappen aufgeteilt, sodass man zunächst auf einem kleineren Felsen Halt macht, dem Morro da Urca. Von dort gelangte ich mit der Gondel auf die Spitze des Zuckerhuts und – wer hätte es gedacht – sah wieder einmal verhältnismäßig wenig von Rio, dafür aber viele Wolken. Also fuhr ich kurzerhand wieder eine Station tiefer, um den Sonnenuntergang vom Morro da Urca zu genießen, was sich als goldrichtig erwies. Je näher die Sonne sich dem Horizont zuneigte, desto spektakulärer war der Anblick, der sich mir bot.

Die Bergketten am Horizont schienen nun regelrecht zu brennen, in weiter Ferne die Christusstatue, umspielt von einem Meer aus Wolken. Der Blick auf das Meer, die Bucht, die riesige Stadt und das nach und nach entstehende Lichtermeer – traumhaft! Wenn ihr übrigens nicht älter als 21 oder Studenten seid, solltet ihr unbedingt euren Ausweis mitbringen, da das Zuckerhut-Ticket dann um einiges günstiger ist.

Abenteuer Hang Gliding

Von meinem ersten Tag an in Rio hatte ich mir vorgenommen, unbedingt Hang Gliding auszuprobieren. Wer mein Bewerbungsvideo für das Praktikum kennt, weiß vermutlich, dass ich bereits einmal zuvor Paragliding in Südafrika gemacht habe, was für mich damals einfach nur ein Traum war. Hang Gliding ist im Prinzip fast wie Paragliding, mit dem großen Unterschied, dass man beim Hang Gliding, wie der Name schon sagt, in den Seilen hängt und nicht sitzt. Ich freute ich mich nun also unheimlich darauf, endlich auch das für Rio so berühmte Hang Gliding ausprobieren zu können.

Da mir das Wetter zu unsicher war, hatte ich mein Vorhaben bis ans Ende meines Aufenthalts hinausgezögert, um sicherzustellen, dass mir kein Nebel die Sicht vermiesen würde. An meinem vorletzten Tag in Rio war es endlich soweit. Mein Fluglehrer mit dem lustigen Spitznamen Chico nahm mich im Tijuca Nationalpark, wo sich die Abflugrampe befindet, in Empfang, und begann sofort mit der Einweisung. Im Prinzip musste ich kaum etwas beachten, außer beim Start so schnell wie möglich zu rennen. Das wollte ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und als wir wenige Minuten später schon startklar auf der Rampe standen, rannte ich mit voller Kraft bis meine Beine ins Leere traten und wir uns elegant in die Luft hoben. Es ist fast unmöglich, den Flug in Worte zu fassen: Majestätisch schwebten wir über den Regenwald Rios, zogen unsere Kreise über der Stadt und flogen bis aufs Meer hinaus, von wo wir schließlich wieder Richtung Strand steuerten und erstaunlich sanft im Sand landeten. Als mir Chico auf meine Nachfrage hin versicherte, dass wir acht Minuten geflogen waren, konnte ich es kaum glauben, da mir diese acht Minuten eher wie drei vorkamen. Ich jedenfalls hatte das größte Honigkuchenpferd-Grinsen überhaupt im Gesicht und wäre am liebsten gleich nochmal eine Runde geflogen.

In meinem nächsten Bericht erfahrt ihr nicht nur, in welcher schönen Unterkunft mitten in einer Favela ich in Rio gewohnt habe, sondern auch, welche Köstlichkeiten der brasilianischen Küche ich alle probiert habe.