Was soll das denn? Glaubt man den Meldungen, dann könnten bald nach der Buchung einer Pauschalreise kurzfristig Extrakosten auf euch zu kommen… Ist das überhaupt rechtens? Ich habe für euch recherchiert.

Diese Nachricht verärgert ganz Deutschland. Wenn es nach dem Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz geht, dann könnte mit dem „Dritten Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften“ der Pauschalurlaub in Zukunft teurer werden als bei der Buchung beschlossen. In dieser vorgesehenen Änderung des Gesetzes geht es konkret um die EU-Pauschalreiserichtlinie.

Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz formuliert die Intention für eine Änderung der Richtlinien wie folgt:

„Ziel der Richtlinie ist es in erster Linie, den rechtlichen Rahmen den Entwicklungen des Reisemarktes anzupassen und Regelungslücken zu schließen. Es sollen insbesondere auch Regelungen für die bisher nur teilweise erfasste Buchung von Reisen über das Internet geschaffen werden.“

Was sich allerdings anhört wie ein bereits verabschiedetes Gesetz, ist derzeit noch ein Entwurf. Noch gilt also keine der Neuerungen als beschlossen.

Was bedeutet der Gesetzesentwurf für uns?

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Preiserhöhung bei Pauschalreisen nach der Buchung

Eigentlich ist es für viele ein ungeschriebenes Gesetz: Ist eine Pauschalreise erst einmal gebucht, darf sich am Preis nichts mehr ändern. Dachten wir und müssen uns vielleicht damit abfinden, dass diese Regelung bald der Vergangenheit angehören könnte.

Denn in Paragraph 651f des Entwurfs steht es klar und deutlich:

„Der Reiseveranstalter kann den Reisepreis einseitig nur erhöhen, wenn:

  1. der Vertrag diese Möglichkeit vorsieht und zudem einen Hinweis auf die Verpflichtung des Reiseveranstalters zur Senkung des Reisepreises nach Absatz 4 Satz 1 sowie die Angabe enthält, wie Änderungen des Reisepreises zu berechnen sind, und
  2. die Erhöhung des Reisepreises sich unmittelbar ergibt aus einer
  • a) Erhöhung des Preises für die Beförderung von Personen aufgrund höherer Kosten für Treibstoff oder andere Energieträger,
  • b) Erhöhung der Abgaben für vereinbarte Reiseleistungen, wie Touristenabgaben, Hafen- oder Flughafengebühren, oder
  • c) Änderung der für die betreffende Pauschalreise geltenden Wechselkurse.“

Zusammengefasst würde das nach der Verabschiedung der Gesetzesänderung bedeuten:

Der Reiseveranstalter kann auch nach der Buchung den Reisepreis erhöhen. Allerdings nur, wenn diese Möglichkeit im Kaufvertrag eindeutig festgeschrieben ist, und im Vertag ebenfalls festgehalten ist, dass es auch zu Preissenkungen kommen kann. Außerdem kann der Reisepreis im Nachhinein nur erhöht werden, wenn sich der Preis für die Beförderung erhöht (z.B. steigende Benzin-/Kerosinpreise), wenn Gebühren am Flughafen oder Touristenabgaben gestiegen sind oder sich der Wechselkurs im jeweiligen Land ändert.

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Wann ist die Preiserhöhung zulässig und wie hoch könnte sie sein?

Eine Preiserhöhung bei Pauschalreisen wäre demnach nur bis zu 20 Tage vor Reisebeginn zulässig. Wer also erst knapp 3 Wochen vor Urlaubsbeginn buchen würde, wäre aus dem Schneider. Das ist eine sehr gute Nachricht für alle Last Minute Schnäppchen-Bucher. Viele von euch nutzen ja schließlich die kurzfristigen Angebote, die ihr in meinen Last Minute Angeboten findet. Insgesamt soll es den Reiseveranstaltern bald möglich sein, den Reisepreis um bis zu 8% zu erhöhen.

Übrigens – auch jetzt schon können Reiseveranstalter bis zu 5% auf den Reisepreis draufschlagen, das wird nur bisher in den allerseltensten Fällen auch gemacht. Ob es deshalb überhaupt Fälle geben wird, in denen diese neue Preiserhöhung vom Veranstalter auch tatsächlich eingefordert wird, bleibt abzuwarten.

Ein Rechenbeispiel:

Eine Pauschalreise nach Mallorca kostet rund 700€ für 2 Personen. Sollte der Veranstalter sein Recht voll ausschöpfen und 8% Aufschlag berechnen, könnte die neue Pauschalreiserichtlinie Urlauber nochmal 56€ extra kosten. Das ist besonders ärgerlich, da diese zusätzlichen Ausgaben bei der Buchung noch nicht abzusehen sind.

Sollte der Veranstalter darüber hinaus und innerhalb einer angemessenen Frist noch mehr Geld verlangen, kann der Reisende dann entscheiden, ob er das Angebot der Preiserhöhung annimmt oder doch vom Vertrag zurücktritt.

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Gibt es dann auch Preissenkungen bei Pauschalreisen?

Diese Frage ist mehr als berechtigt: Gibt es nur Preiserhöhungen oder kann es auch sein, dass der Reiseveranstalter den Urlaubern Geld zurück zahlt, wenn die Kosten für Treibstoff, Touristenabgaben und durch Währungsverfall sinken?

Die Neuerungen in der Pauschalreiserichtlinie sehen genau das vor. Wörtlich heißt es:

„Sieht der Vertrag die Möglichkeit einer Erhöhung des Reisepreises vor, kann der Reisende eine Senkung des Reisepreises verlangen, wenn und soweit sich vor Reisebeginn die in Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 genannten Preise, Abgaben oder Wechselkurse ändern und dies zu niedrigeren Kosten für den Reiseveranstalter führt.

Wenn Urlauber also beweisen können, dass ihre Reise durch geringere Treibstoffkosten oder ähnliches günstiger geworden ist, kann eine Differenz vom Veranstalter zurückverlangt werden. Wie sich das aber praktisch umsetzen lässt, wird sich vermutlich erst noch zeigen.

Was sagen die Veranstalter selbst?

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, bei Reiseveranstaltern nachzufragen, wie sie mit dem Gesetzesentwurf umgehen. Stefan Suska, Leiter Unternehmenskommunikation bei alltours sagt mir:

  • „Wie bereits […] vermutet, ist die EU-Richtlinie zur Pauschalreise noch nicht in deutsches Recht umgesetzt.
    Es gibt einen Entwurf des Gesetzes aus dem Ministerium, aber der ist noch nicht verabschiedet. Wir bewegen uns also auf dem Gebiet der Spekulation. Ganz aktuell gilt bei alltours die Katalogpreisbindung. Der angegebene Preis im Katalog wird auch eingehalten. Nachträgliche Veränderungen
    gibt es nur aufgrund gesetzlicher Änderungen – wenn beispielsweise die Mehrwertsteuer nach Katalogerscheinen angehoben wird. Das ist zum Glück seit Jahren nicht der Fall. Wie es konkret in der Zukunft aussieht? Wir warten mal den Entwurf ab. Nach unserem Verständnis von Fairness und Transparenz sollen sich alltours Kunden auch in Zukunft auf die von uns zum Zeitpunkt der Buchung getroffenen Aussagen zum Leistungsumfang und zum Preis verlassen können.“ 

Anja Braun, Leiterin Presse der TUI Deutschland sagt dazu:

  • Zur neuen Pauschalreiserichtlinie kann ich Ihnen folgendes sagen: Wir haben in der Vergangenheit nie von der Möglichkeit einer Preiserhöhung bei bestehenden Verträgen Gebrauch gemacht, auch im Sinne unserer Kunden.  Auch wenn die TUI Deutschland noch nicht endgültig festgelegt hat, wie sie mit der neuen Klausel verfährt, gehen wir aktuell davon aus, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird.“

Die Aussagen der zuständigen Sprecher von alltours und TUI lassen es vermuten: Es ist vermutlich wie bei allem – nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Es kann gut sein, dass sich für euch, die Reisenden, gar nicht viel ändert. Und wenn es in Zukunft doch Probleme geben sollte, dann meldet euch einfach. Wir finden garantiert eine Lösung für euer Problem und ganz nebenbei garantiert eine günstige Pauschalreise.