Nach dem Dschungel in die Pampas – das hat sich Mara in Bolivien vorgenommen. Sie will mit rosa Flussdelfinen schwimmen, Kaimanen beim Sonnenbaden zuschauen und die wilde Natur des Amazonas kennenlernen.

Nach drei fantastischen Tagen im Dschungel ging es für mich direkt weiter in die Pampas, die subtropische Grassteppe am Río de la Plata, drei Stunden außerhalb von Rurrenabaque. Um dorthin zu gelangen, mussten wir zunächst eine gut dreistündige Fahrt mit dem Auto zurücklegen. Die Straße, wenn man diese überhaupt als solche bezeichnen konnte, bestand wohl aus mehr Schlaglöchern als aus ebenem Untergrund. Dazu kam noch, dass diese sich durch die Regenzeit in die reinste Matschpiste verwandelt hatte. Für unseren Fahrer war das allerdings noch lange kein Grund etwas langsamer zu fahren – ganz im Gegenteil – er hatte einen Heidenspaß daran, bei seinen mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen, den Schlaglöchern auszuweichen, über die Matschbahn zu driften.

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Bootstour durch die Pampas

Als wir endlich am Tourstartpunkt ankamen, stiegen wir gleich in ein kleines motorbetriebenes Holzboot und begannen unsere erste Erkundungstour mitten durch die Pampas entlang des Río de la Plata. Von der ersten Minute an war ich wie verzaubert von der Schönheit dieses, für mich bis dahin noch völlig unbekannten, Teils des Amazonasgebietes. Unser Boot glitt gemächlich durch das Wasser, vorbei an tief hängenden Ästen, auf denen ganze Vogelschwärme saßen, die sich sonnten oder gemütlich ihr Gefieder putzten. Stellenweise kam mir die gesamte Szenerie vor, als würde ich mich mitten in einem Film befinden: Direkt vor unserem Boot erhob sich ein schneeweißer Kranich in die Lüfte, um mit wenigen mühelosen Flügelschlägen den Fluss zu überqueren. Oder auch als wir mit unserem Boot dichtes Gestrüpp durchbrachen und sehen konnten, wie sich an dessen mit tausenden Regentropfen benetzten Ästen die Sonnenstrahlen brachen. Einfach unfassbar schön!

Was die Vielzahl der Tiere anging, die wir sahen, hatten wir einen absoluten Glückstag, wie unser Guide Luis uns am Ende bestätigte. Nach wenigen Minuten erblickten wir bereits das erste Krokodil, welches dazu noch ein fast ausgewachsener stattlicher schwarzer Kaiman war. Auf dessen Speiseplan stehen Tapire, Rehe, Capybara und manchmal sogar Anakondas. Es war gerade Mal knapp drei Monate her, dass ich in Miami in den Everglades zum ersten Mal erlebt hatte, wie einer dieser riesigen Kolosse nur wenige Zentimeter an meinem Boot vorbeiglitt, was mich auch dieses Mal nicht minder faszinierte. Damals hatte ich auch erfahren, auf welch makabere Art und Weise sie ihre Beute erlegten: Sie schnappen einmal fest zu und lassen dann nicht mehr los, während sie das erlegte Tier durch das Wasser ziehen bis dieses ertrinkt, um es dann in wenigen Happen zu verschlingen.

Besonders begeistert haben mich auch die Capybaras, bei uns als Wasserschweine bekannt, die letzten größten lebenden Nagetiere auf der Erde. Wir sahen einige dieser mir bis dato unbekannten Spezies, die in kleineren Herden stets gemütlich am Flussufer lümmelten. Die ulkigen Tiere erinnerten mich an eine Kombination aus überdimensional großen Meerschweinchen, Bibern und Wildschweinen. Wasserschweine können ausgewachsen eine beeindruckende Größe von über 1,30 m erreichen und bis zu 75 kg schwer werden. Außerdem sind sie fantastische Schwimmer und können bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben.

Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß bestimmt noch aus meinem Malediven-Bericht, dass ich ein absolutes Faible für Schildkröten habe. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Jeffrey. ;) Während wir gemächlich durch den Fluss glitten, entdeckten wir zahlreiche Flussschildkröten, die auf aus dem Wasser ragenden Steinen saßen und sich sonnten. Diese waren zwar um einiges kleiner als die Meeresschildkröten, die mir beim Schnorcheln auf den Malediven oder Tauchen in Mexiko begegnet waren, dafür aber mindestens genauso schön anzusehen.

Ein Höhepunkt war auch, als wir einen Baum voller Totenkopfäffchen erspähten, Luis daraufhin den Motor abstellte und wir uns langsam auf die tiefer hängenden Äste des Baums zubewegten. Binnen weniger Sekunden sprangen bestimmt zwanzig der putzigen Tierchen, die jedem sicherlich noch als „Herr Nilsson“ aus Pippi Langstrumpf bekannt sind, in die dicht über dem Wasser hängenden Zweige und kamen uns so ganz nahe. Angelockt von zwei riesigen Bananenstauden, die wir – natürlich rein zufällig – im vorderen Teil des Bootes transportierten, wagten es vier besonders freche Äffchen sogar, auf unser Boot zu springen, blieben aber dennoch erfolglos auf ihrer Bananenjagd. Besonders eine Mutter mit ihrem winzigen Affenbaby auf dem Rücken hatte es mir angetan, mit ihrem niedlichen Versuch, eine der neben ihr riesig wirkenden Kochbananen von der Staude abzubrechen, indem sie mit ihren kleinen Händen vergeblich an dieser rüttelte.

Übernachtung in Stelzenhütten mitten in den Pampas

Gegen Nachmittag erreichten wir schließlich unsere simple, aber schöne Unterkunft, bestehend aus mehreren auf Stelzen gebauten Holzhütten, die sich auf einer Art kleinen Insel inmitten der Pampas befanden. Dort angekommen, versuchten wir zunächst unsere Moskitostiche zu zählen, nur um festzustellen, dass dies unmöglich war, angesichts des gewaltigen Ausmaßes, in dem wir in den wenigen Stunden Bootsfahrt durch die Pampas bereits gestochen worden waren. Ich war zwar schon von anderen Reisenden vorgewarnt worden, mich diesbezüglich auf das Schlimmste einzustellen, und hatte dementsprechend im Vorfeld regelrecht in Moskitorepellent gebadet, allerdings hatte auch dies die Biester nicht dazu bringen können, von mir abzulassen.

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Schwimmen mit bolivianischen pinkfarbenen Flussdelfinen

Am nächste Morgen ging es früh wieder auf Erkundungstour durch die Pampas, dieses Mal mit der Hoffnung, auf die bolivianischen pinkfarbenen Flussdelfine zu stoßen, für die der Río de la Plata unter anderem so bekannt ist. Und tatsächlich steuerte Luis unser Boot schließlich in eine Bucht, in der sich ca. fünf der erhofften Tümmler befanden, woraufhin wir mit der Erlaubnis von Luis vom Boot in den Fluss hüpften. Wenn ich mir darüber im Nachhinein Gedanken mache, ist es schon ziemlich verrückt, in einem Fluss zu baden, keine 5 Minuten von der Stelle entfernt, an der wir vor wenigen Minuten noch ein ausgewachsenes Krokodil passiert hatten. So schwammen wir im erstaunlich warmen Wasser des Flusses und konnten dabei wunderbar die pinkfarbenen Delfine beobachten, die sich nur wenige Meter vor uns im Wasser tummelten.

Die Möglichkeit zu haben, mit einigen wenigen dieser letzten verbleibenden faszinierenden Kreaturen zu schwimmen, die zu den am meisten gefährdeten Spezies aller Walarten gehören, war wieder mal eines dieser magischen Erlebnisse, an die ich mich wohl noch lange erinnern werde. Flussdelfine können eine Länge von bis zu 3 m und ein stattliches Gewicht von ca. 90 kg erreichen und Wissenschaftler sind sich bis heute nicht über den Grund für ihre pinke Farbe einig. Vermutlich kann man dies auf die winzigen Blutgefäße zurückführen, die sich besonders dicht unter ihrer Hautoberfläche befinden. Es gibt aber auch die Theorie, dass die außergewöhnliche Farbe auf die Wassertemperatur oder bestimmte Chemikalien in den bolivianischen Flüssen zurückzuführen ist.

Drei Stunden und 1273 Schlaglöcher später wieder zurück in der Zivilisation

Nach diesem wunderschönen Erlebnis fuhren wir mit dem Boot zurück, bis wir die subtropische Grassteppe, die Pampas, verlassen und wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Drei Stunden und gefühlte 1273 Schlaglöcher später kamen wir schließlich wieder wohlbehalten in Rurrenabaque an und obwohl ich Moskito-Stich-technisch inzwischen einem Streuselkuchen glich und ordentlich damit zu kämpfen hatte, den fürchterlichen Juckreiz zu ignorieren, war es das den Trip in die Pampas definitiv wert.

Mein Flug zurück nach La Paz sollte eigentlich früh am nächsten Morgen gehen, da aber ganz Rurrenabaque abermals geradezu im Regen zu ertrinken schien – der Fluss war sogar über die Ufer getreten und hatte Teile der Stadt lahmgelegt – waren die Wetterkonditionen für unseren Rückflug wieder so schlecht, dass wir den ganzen Tag über in dem winzigen Flughafen von Rurrenabaque feststeckten und versuchten, zur Abwechslung mal neben den Moskitos auch die Zeit totzuschlagen.

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Zehn Stunden nachdem unser eigentlicher Flug gestartet wäre, bekamen wir endlich die erlösende Nachricht, dass die Maschine bald abheben würde. Was für ein Glück – im Nachhinein habe ich von den anderen Backpackern meiner Tour, die später fliegen wollten, erfahren, dass alle anderen Flüge an diesem und auch an den zwei darauffolgenden Tagen gecancelt werden mussten. Dazu kam noch, dass aufgrund von eingestürzten Brücken sämtliche Landwege von Rurrenabaque nach La Paz unpassierbar waren, und die anderen dadurch noch drei weitere Tage in der Dschungelstadt feststeckten.

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Zurück in La Paz wurde ich zunächst von einer, im Vergleich zu den tropischen Dschungeltemperaturen Rurrenabaques, eisigen Kälte empfangen. Das sollte mich jedoch nicht davon abhalten, die Stadt die nächsten Tage etwas genauer zu erkunden, das ein oder andere Hochhaus herunter zu spazieren und der berühmt-berüchtigten „Death Road“, der wohl gefährlichsten Straße der Welt, einen Besuch abzustatten.

Alle Erfahrungsberichte und Abenteuer von Mara könnt ihr kompakt hier finden: Praktikum deines Lebens 2015