Die Insel der Aussätzigen in New York ist ein vergessener Ort mit einer dramatischen Geschichte. Wo North Brother Island liegt und was sich hier vor Jahren zugetragen hat, lest ihr hier.

North Brother Island in New York – ein Ort, den man so schnell nicht wieder vergisst. Mitten im Stadtgebiet der Weltmetropole findet man sie: Die Insel der Aussätzigen, auf der die Tuberkulose- und Typhus-Patienten untergebracht wurden. Um eine massenhafte Ansteckung im dichtbesiedelten New York zu vermeiden, musste ein Ort her, der die Kranken von den Gesunden separierte. In einer eigens errichteten Quarantäne-Klinik, dem Riverside Hospital, versuchte man, die Seuchen in den Griff zu bekommen – zum Teil ohne Erfolg. Mehr über die Geschichte von North Brother Island, über die Mythen, die sich um die Insel ranken und über die tragische Schiffskatastrophe an dessen Ufern, lest ihr hier.

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Quelle: google maps

North Brother Island – Horrorinsel in New York

Die Weltmetropole New York kennt jeder. Der glitzernde Times Square, die luxuriöse Fifth Avenue, eine imposante Skyline – und eine Insel, die nicht mehr betreten werden darf… genau das ist der krasse Gegensatz! Geschäftiges Treiben in Manhattan, eine unbewohnte Insel mit verlassenen Gebäuden, Ruinen und einer gruseligen Geschichte im East River, keine 20 Minuten vom Zentrum entfernt.

Längst holt sich die Natur ihren Platz wieder zurück – die Ruinen des Tuberkulose-Pavillons sind efeubewachsen, in den Räumen fällt der Putz von den Wänden, im Krankentrakt findet man noch einzelne Überbleibsel aus der Zeit, in der die Krankenpfleger um das Leben der Lungen- und Typhus-Kranken kämpfen. Oft ein Kampf gegen Windmühlen, denn in den überfüllten Krankensälen hatten selbst die routiniertesten Ärzte und Pfleger keine Chance gegen neue Ansteckungen und katastrophale hygienische Zustände. Von 1885 bis 1963 diente die Insel als Quarantäne-Station, nach dem Zweiten Weltkrieg war das Areal eine Suchtklinik.

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Foto: facebook.com/Roddeck.Fotografie

Auf der Suche nach Typhus Mary

Heute ist das Betreten der Insel verboten. Dennoch wagen sich immer wieder Neugierige auf das unbewohnte Areal, schleichen sich in die Ruinen, machen Selfies vor den verfallenen Gebäuden, gehen auf die Suche nach Hinweisen auf Typhus Mary. Diese gilt als eine der wenigen Typhus-Trägerinnen der Welt, die aber selbst nie an Typhus erkrankte. Während ihrer Arbeit als Hausmädchen, Köchin und Haushälterin erkrankten in unterschiedlichen Haushalten immer wieder Bewohner an der tückischen Krankheit. Mary zog weiter, kochte, buk – und wieder erkrankten ihre Arbeitgeber und Mitbewohner. Lange Jahre später, in denen Mary immer mehr Menschen anzustecken schien, fiel endlich der Groschen. Nach einigem Hin und Her verbannte man die Frau im Jahr 1915 auf Lebenszeit nach North Brother Island, wo sie dann 1938 verstarb. Das Haus, in dem sie ihren Lebensabend verbracht haben soll, wurde aus Angst vor weiteren Infizierungen abgerissen. Wer also nach dem Haus von Typhus Mary sucht, wird enttäuscht. Das macht aber gar nichts, denn allein der Anblick der noch bestehenden Ruinen, der verfallenen Leichenhallen, der Krankenbetten und der verlassenen Säle lassen einem einen Schauer über den Rücken laufen.

Beeindruckend und gruselig zugleich – North Brother Island

Tragische Schiffskatastrophe vor North Brother Island

Als wäre die traurige Geschichte der Erkrankten von North Brother Island nicht genug, ereignete sich an den Ufern der Insel auch noch eine der größten Schiffskatastrophen der Geschichte von New York. Mehr als 1000 Passagiere, viele davon Deutsche, starben bei einem Brand und dem anschließenden Untergang des Ausflugsdampfers „General Slocum“ am 15. Juni 1904. Es hatte ein fröhlicher Ausflug der deutsch-amerikanischen Gemeinde werden sollen – doch er endete in einer Katastrophe. Ein Brand an Bord, marode Lösch-Schläuche, unbrauchbare Schwimmwesten und einige unglückliche Umstände sorgten letztendlich für den Untergang des großen Schaufelrad-Dampfers im East River. Bilder von Leichen, die ans Ufer der Insel gespült wurden, geisterten wochenlang durch die amerikanischen Medien.

Ihr seht – North Brother Island war Schauplatz einiger dramatischer Ereignisse. Heute nisten hier nur noch Kormorane, Möwen und andere Vögel. Wenn ihr einmal einen Blick auf die verlassene Insel werfen wollt, dann fahrt ab Manhattan von der Grand Central Station mit der Metro 6 Richtung Pelham Bay Park. An der East 149 Street steigt ihr aus und geht einen Kilometer bis zum Wasser. Dort habt ihr dann einen tollen Blick auf die Insel der Aussätzigen.