Dass Reisen nicht Sonnen und Entspannen bedeutet, zeige ich euch heute. Ich habe ein Interview mit Annika Dietrich geführt, die sich auf besondere Art für Kinder in Armut einsetzt. Annika hat mir von ihrer Zeit in Uganda, in der sie an ihrem ersten Muskathlon teilgenommen hat, erzählt und lässt uns an ihren einmaligen Erlebnissen teilhaben.

Annika ist 24 Jahre alt und arbeitet zurzeit als Erzieherin in einer Krippe. Letztes Jahr hat sie Uganda besucht und dabei ihre Liebe zu Kindern und die Liebe für das Reisen kombiniert. „Ich liebe Kinder, weil ich fasziniert davon bin, wie Menschen funktionieren. Die Kindheit ist ein wichtiges und ausschlaggebendes Zeitfenster im Leben. Hier kann so viel Gutes passieren!“

Und genau deshalb setzt sie sich im Besonderen für ein leider immer noch sehr aktuelles Thema ein – Kinderarmut. Überall auf der Welt gibt es Kinder, die auf der Straße leben, Hunger leiden und keine Chance auf schulische Bildung haben. Annika hat diese Armut, im Zuge des Muskathlons, hautnah bei einem Besuch im Slum in Kampala miterlebt: „Diese unmittelbare Konfrontation war für mich schwierig auszuhalten und ehrlich gesagt brauche ich da auch ein Ventil. Ich habe viel geweint über das, was ich gesehen und erlebt habe. Zu realisieren, dass man irgendwie auch selbst verantwortlich für das Leid dieser Menschen ist, einfach durch die Art, wie wir in Europa ganz selbstverständlich leben, hat mir wirklich physischen Herzschmerz verursacht.“

Um selbst etwas gegen diese Armut zu tun und aktiv gegen die Ungerechtigkeiten der Welt vorzugehen, hat sich Annika erneut dazu entschieden, an einem Muskathlon teilzunehmen. Was genau das ist und wie ihr das schöne und wichtige Projekt unterstützen könnt, erfahrt ihr jetzt.

Der Muskathlon in Uganda – Mehr als nur Sport

Der Muskathlon | Uganda entdecken | Patenschaften

Eure Hilfe ist wichtig!

Muskathlon Uganda

Der Muskathlon – mehr als nur ein Sportevent

Der Muskathlon ist ein Sportevent, bei dem man sich bei einer Teilnahme für die Menschen einsetzt, die es am dringendsten nötig haben – in Annikas Fall sind es die Kinder in Uganda. Aber was genau passiert denn jetzt beim Muskathlon? Ihr habt die Möglichkeit zu joggen, zu wandern oder auf eurem Fahrrad in einer außergewöhnlichen Umgebung, wie zum Beispiel in Uganda, für den guten Zweck sportlich aktiv zu werden. Dabei gibt es unterschiedlich lange Strecken, die von 21 km joggen bis 400 km Fahrradfahren reichen.

Viele von euch werden sich jetzt denken: „Selbst die kürzeste Strecke ist für mich mit 21 km eine zu große sportliche Herausforderung, vor allem bei dem ungewohnt warmen und schwülen Wetter.“ Aber Annika kann alle Nicht-Profisportler unter euch beruhigen, denn auch sie selbst ist noch nicht in Topform, geht das Lauftraining aber gelassen an. „[…] auch, wenn der Halbmarathon mein Ziel ist, geht es beim Muskathlon vor allem auch um die Begegnungen am Rand der Laufstrecke: die Kinder, die winken und ein Stück an der Hand mitlaufen, die Erwachsenen, die „Thank you“ oder „God bless you“ rufen und die sich freuen, wenn man kurz stehen bleibt.“ Diese Momente und das Adrenalin, das einem beim Start durch die Adern schießt, sind genug, um den Lauf gut durchzustehen.

 Der Muskathlon ist mehr als nur ein bloßes Sportevent

Schließlich spricht Annika aus Erfahrung: 2016 hat sie beim Muskathlon in Uganda 60 km in 13 Stunden zurückgelegt. Der Lauf ist aber noch mehr als nur ein bloßes Sportevent. Er wird in unterschiedlichen Ländern angeboten und versucht, direkt vor Ort, die dort herrschenden Probleme in großem Maße zu lösen. Für den Muskathlon in Uganda ist die christliche Organisation Compassion ein wichtiger Partner. „Compassion arbeitet vor Ort mit Kirchengemeinden zusammen. Das heißt, Menschen vor Ort, die dort aufgewachsen sind, arbeiten teilweise als Angestellte von Compassion oder als Freiwillige mit. Sie wollen den Kindern eine Chance ermöglichen, die sie selbst nicht hatten.“

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Geschafft! Annika ist in Uganda 60 km in 13 Stunden gewandert. Foto: Annika Dietrich

Nachhaltige und großflächige Hilfe ist teuer

Aber um wirklich nachhaltig und großflächig zu helfen, bedarf es einer Menge Geld. Als ich selbst ein wenig zum Thema Muskathlon recherchiert habe, bin ich über die 10.000€, die sich jeder Athlet verpflichtet zu sammeln, gestolpert. Im ersten Augenblick erscheint es unmöglich, so viel Geld zu sammeln, aber Annika mildert den ersten Schrecken ab: „Wenn man sich ein bisschen reinhängt, dann kann man das ganz gut schaffen. Von dem Leitungsteam kann man auch Tipps und Unterstützung bekommen.“ Auf die Frage, wie sie selbst das Geld zusammen bekommt, erklärt sie Folgendes:

Für eine Patenschaft investiert man 30€ im Monat in ein Kind, das ist mittlerweile sogar weniger als für einen Kaffee to go am Tag.

„Ich kann sowohl Geldspenden sammeln, als auch Kinderpatenschaften vermitteln. Eine abgeschlossene Patenschaft für ein Kind in einem der 26 Länder, in denen Compassion Kinderzentren hat, wird mir mit 1000€ als Gegenwert angerechnet.“ Um noch zusätzlich Geld zu sammeln, plant sie mit ihrem Mann zusammen eine Benefizveranstaltung, organisiert einen Kuchenverkauf und verkauft selbstgehäkelte Sachen. Bekommt ihr die 10.000€ trotz aller Mühe nicht zusammen, dürft ihr aber trotzdem am Muskathlon teilnehmen. Meist gibt es „großartige Menschen, die etwas mehr gesammelt haben, oder sogar das Doppelte. So gleicht es sich dann wieder aus.“, so Annika

Den Teufelskreis durchbrechen

Aber was passiert mit dem gesammelten Geld? Compassion baut Kinderzentren in den ärmsten Gegenden der Welt und versucht Kinder aus dem Teufelskreis der Armut zu befreien. Denn mit Armut geht bei Kindern auch immer das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeit einher.

Compassion setzt da an und vermittelt den Kindern altersgerecht, dass Jesus sie lieb hat und dass sie wertvoll sind. Sie haben im Kinderzentrum Platz und Zeit zum Spielen und einfach Kind zu sein, werden aber auch in ihren Begabungen gefördert, zum Beispiel musikalisch, kreativ oder sportlich.“

Annika hat bei ihrer Reise nach Uganda mehrere Kinderzentren besucht und dabei sind ihr besonders die Unterschiede zwischen den Kindern aus den Kinderzentren und denen, die noch keinen Platz bekommen haben, aufgefallen. „Der offensichtlichste Unterschied ist natürlich, dass die Kinder bessere Kleidung und sogar Schuhe haben. Das sieht man auf den ersten Blick. Aber man spürt auch, dass die Kinder ein ganz anderes Selbstwertgefühl haben und dass sie Träume und Ziele für ihr Leben haben.“

Uganda, Projektzentrum, Muskathlon
Projektzentrum in Uganda Foto: Annika Dietrich

Uganda – die Perle Afrikas

Winston Churchills berühmtes Zitat hat wohl jeder von euch schon mal gehört. Annika hingegen bezeichnet das Land lieber als den Smaragd Afrikas, denn Uganda ist zu großen Teilen ein grünes und fruchtbares Land. In Uganda entspringt der Nil und auch der zweitgrößte See der Welt, der Viktoriasee, befindet sich in dem kleinen Land und schafft damit beste Voraussetzungen für Obst-, Tee-, oder Kaffeeplantagen. Doch nicht nur die Farbe Grün prägt die Landschaft. „Eine zweite dominierende Farbe ist der lehmige rote Boden und der Staub, der durch die Autos und Boda Bodas aufgewirbelt wird und alles überzieht, selbst die Büsche am Straßenrand und die einfachen Wellblechhütten.“ Auch in Bezug auf die tierische Artenvielfalt hat Uganda einiges zu bieten. Über die typischen afrikanischen Big Five, wie Elefanten und Nashörner, bis hin zu Berggorillas oder einer Vielzahl an Vogelarten, ist alles vertreten. Zusammengefasst beschreibt Annika Uganda so: „Das Land ist unbeschreiblich schön, hügelig und waldig. Irgendwie hat es sofort die Abenteuerlust in mir geweckt.“

Eine ungewöhnliche Reise…

Natürlich ist nicht nur das Land Uganda einzigartig. Auch die Reise an sich hat einiges zu bieten: „Das Außergewöhnliche daran ist, dass man nicht als typischer Tourist, auch nicht als Volontourist, durch das Land geht, sondern enger Kontakt mit Einheimischen herrscht. Wir haben immer wieder die Möglichkeit, den Alltag einer Familie oder eines Kindes zu erleben, mit allem, was dazu gehört. […] Man lernt ein ganz anderes Leben kennen und wird aus seiner Komfortzone herausgekitzelt.“ Aber was ist denn jetzt das Außergewöhnlichste an dieser Reise? Für Annika definitiv die Begegnung mit den Menschen, denen sie hilft, und deren Dankbarkeit. „Die Kinder und Eltern sind so unendlich dankbar für unsere Hilfe. Und das lassen sie sich anmerken. Trotz der Armut scheinen mir viele Menschen großzügiger und gastfreundlicher zu sein, als hier in Mitteleuropa. Sie haben ein gutes Gespür für das, worauf es wirklich ankommt und sind Gott dankbar, dass er ihnen das Leben geschenkt hat und sie am Leben hält.“

Momente, die man nie vergisst

Bei so einer außergewöhnlichen Reise interessiert mich natürlich besonders der schönste, aber auch der schwierigste Moment. In einem Land, das in Großteilen geprägt ist von Armut und Leid, gibt es natürlich mehr als nur einen schwierigen Moment. Einer, der Annika besonders ans Herz ging, entstand bei einem für die Compassion Kinder veranstaltetem Sportfest, das auf einem öffentlichen Sportplatz ausgetragen wurde. „So ein großes Ereignis zieht natürlich Zuschauer an. Die Kinder, die nicht mitmachen konnten, am Rand saßen und um unsere Aufmerksamkeit rangen und um Liebe und auch um Essen bettelten, kriege ich nie wieder aus meinem Herzen raus.“

Aber auf den traurigen folgte im Gegenzug auch ein schöner Moment.

Ich stand einfach eine ganze Weile mit ihr da und hatte sie einfach im Arm.

Nach ihrem schönsten Moment gefragt, kann sich Annika kaum entscheiden. Letztendlich entscheidet sie sich für einen Moment, der am selben Tag stattfand: „Wenn ich wirklich nur einen auswählen darf, dann würde ich sagen, als unser Patenkind Dorcus uns am zweiten Tag wiedererkannt hat, sofort auf uns zulief und uns umarmte und mir dann nicht mehr von der Seite wich. Ich stand eine ganze Weile mit ihr da, während andere Kinder an einem Wettrennen teilnahmen, und hatte sie einfach im Arm. Es fand keine Kommunikation statt, aber wir haben einfach gespürt, dass wir uns lieb haben.“

Patenschaften sind so viel mehr als nur finanzielle Mittel

Annika und ihr Mann haben bereits vier Patenschaften für Kinder aus unterschiedlichen Ländern übernommen und damit ihre Familie um vier weitere Mitglieder erweitert. Derrick lebt in Ghana und war das erste Patenkind, für das Annika und ihr Mann die Patenschaft übernommen haben. Mittlerweile ist er schon vier Jahre lang Teil der Familie und möchte später einmal Sozialarbeiter werden. Darauf folgte Alex, der 11 Jahre alt ist und in Tansania bei seiner Großmutter lebt. Dorcus aus Uganda kam dann 2015 dazu. Neuestes Mitglied ist Jonathan, der in El Salvador lebt und mit seinen 7 Jahren das Nesthäkchen der Familie ist. Mit allen Patenkindern haben sie nach Möglichkeit regelmäßigen Briefkontakt. Die Kinder in diesem Alter schreiben natürlich keine mehrseitigen Briefe, sondern vielmehr geht es um die Zuneigung, die durch den selbst geschrieben oder gemalten Brief ausgedrückt wird. „Viele können gar nicht glauben, dass ihr Pate sich wirklich für sie interessiert oder dass er oder sie wirklich existiert.“ erklärt Annika. „Die Briefe, die die Kinder erhalten, sind ein großer Schatz für sie und bedeuten ihnen oft mehr als die finanzielle Unterstützung. Der emotionale Wert ist sehr hoch und sie werden sicher aufbewahrt und immer wieder hervorgeholt, vorgelesen und herumgezeigt.“

„Der Besuch macht alles irgendwie realer…“

Natürlich will ich von Annika auch wissen, ob sie denn bereits eines ihrer Patenkinder besucht hat. Da der Muskathlon, an dem sie bereits teilgenommen hat, in Uganda stattfand, ergab sich die Möglichkeit ihr Patenkind Dorcus zu besuchen. „Die Familie mit insgesamt sechs Kindern hat uns bei ihrem Besuch sehr freundlich aufgenommen. Dorcus Mama hat uns extra eine Tasche genäht und geschenkt, außerdem noch ein Familienfoto. Wir waren tief bewegt von der Begegnung. Es war, als würden wir alte Freunde treffen“, beschreibt Annika ihr erstes Kennenlernen. „Dorcus saß die ganze Zeit bei uns auf dem Schoß. Wir fühlten uns nicht wie Sponsoren der Familie, sondern vielmehr wie Familienmitglieder oder Freunde.“

Muskathlon Uganda
Foto: Annika Dietrich

Habt ihr Lust zu helfen?

Annika nimmt dieses Jahr wieder an einem Muskathlon teil, dieses Mal in Indonesien. Für ihr Vorhaben fehlen ihr noch Patenschaften und Spenden, „denn auch wenn Compassion Deutschland mittlerweile über 15.000 Patenkinder hat, ist es immer ein Kind zu wenig.“

Möchtet ihr dieses Projekt unterstützen, dann zögert nicht lange! Annika und natürlich besonders die Kinder freuen sich über jede vermittelte Patenschaft. Schaut auf der Seite von Compassion vorbei und sollte eine Patenschaft für euch in Frage kommen, dann achtet darauf, dass ihr den Namen “Annika Dietrich, Muskathlon 2017“ im Kommentarfeld angebt. Ihr könnt selbstverständlich auch selbst spenden – jeder Euro zählt.

Habt ihr noch weitere Fragen oder möchtet Annika bei ihrer Hilfe anderweitig unterstützen, könnt ihr sie jederzeit über ihren Blog erreichen. Möchtet ihr direkten Kontakt mit dem Veranstalter aufnehmen, schaut doch einfach in der dazugehörigen Facebook Gruppe „Muskathlon Deutschland“ vorbei!

Beitragsbild: Annika Dietrich

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