Ganz im Norden Frankreichs gelegen, an der Grenze zu Belgien, befindet sich die relativ unbekannte französische Großstadt Lille. Doch was hat die Stadt, die bei vielen von uns vielleicht gerade mal aus der berühmten Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ bekannt ist, eigentlich zu bieten? Ich verrate es euch!

Lille ist eine rund 230.000 Einwohner große Stadt in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais, etwa 220 Kilometer nördlich von Paris gelegen. Besonders bekannt ist die Stadt Lille, die 2004 zur europäischen Kulturhauptstadt des Jahres ernannt worden ist, für ihr reiches kulturelles und architektonisches Erbe. Besucht diese beliebte Studentenstadt im Norden Frankreichs, flaniert durch die Straßen Lilles und lasst euch von der lebendigen Atmosphäre und den beeindruckenden Bauten verzaubern.

Entzückendes Lille

Die „Stadt der Kunst und Geschichte“ | Tipps für euren Besuch | Lille & die Sch‘tis

Lille, Frankreich, Nord-Pas-de-Calais
Foto: Lena Serditova / Shutterstock.com

Lille – die „Stadt der Kunst und Geschichte“

Bevor ihr euch in die sogenannte „Stadt der Kunst und Geschichte“ begebt, solltet ihr euch einen groben Plan über die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten verschaffen. In Lille erwartet euch nämlich eine Vielzahl an interessanten Bauten und herrlichen Boulevards, die es unbedingt zu besichtigen gilt. Allein die traditionellen flämischen Häuser aus dem 17. Jahrhundert, die die berühmte Rue du Palais Rihour säumen, sind einen Besuch wert. Spaziert man von dieser Straße aus etwas weiter in Richtung Nordosten, so erreicht man den wohl bekanntesten Platz der Stadt – den Grand Place im Herzen von Lille. Auf diesem Platz befindet sich auch die Vieille Bourse, die Alte Börse, eines der schönsten Bauwerke der Stadt. Dieses wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut und ist ein wahres Meisterwerk flämischer Architektur. Das Wahrzeichen der Börse von Lille ist dabei die direkt vor dem Gebäude stehende Merkurstatue. Bei vielen Einheimischen und Touristen gilt dieser Ort als beliebtester Treffpunkt.

La Vieille Bourse – Die Alte Börse in Lille
La Vieille Bourse – Die Alte Börse in Lille

Da Lille der Geburtsort des ehemaligen französischen Staatspräsidenten ist, befindet sich hier auch das Geburtshaus von Charles de Gaulle, das sogenannte „Maison Natale Charles de Gaulle“. Dieses wurde seit 1983 in ein Museum umfunktioniert und bringt den Besuchern das Werk des Genereals und die Geschichte des 20. Jahrhunderts näher. Etwa 30 Gehminuten südlich des Museums entfernt befindet sich schon die nächste Attraktion – der imposante Palais des Beaux Arts, ein Palast, der heute als Museum dient und auf insgesamt rund 22.000 m² wertvolle Kunstsammlungen aus verschiedensten Epochen beherbergt. Ebenfalls einen Besuch wert ist Zitadelle von Lille, die im 17. Jahrhundert auf Anweisung von Ludwig XIV. erbaut worden ist und einst als eigene kleine Stadt angesehen werden sollte, umgeben ist sie von fünf Festungen.

Mein Tipp:
Besorgt euch am besten den Lille City Pass, der euch freien Eintritt für 26 Attraktionen und kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gewährt. Dieser ist je nach Kategorie 1-3 Tage gültig und kostet je nach Tarif 25€, 35€ bzw. 45€.

Weitere beliebte Sehenswürdigkeiten sind das im klassisch französischen Stil erbaute Théatre du Nord, der Palais Rihour, der eine Mischung aus Gotik und Renaissance aufweist, die Kathedrale Saint-Maurice und das moderne Viertel Euralille, das erst 1994 eingeweiht wurde und besonders mit seinen futuristischen Türmen beeindruckt. Gern besuchte Museen sind zudem das Kunstmuseum Musée d’Art Moderne, das Musée Hospice Comtesse und das Naturkundemuseum Musée d’histoire naturelle.

Generell lohnt es sich, einfach einen Spaziergang durch die geschichtsträchtige Altstadt von Lille zu unternehmen und all die faszinierenden Bauwerke, die schöne Beispiele für die Architektur des 17. bis zum 20. Jahrhundert sind, zu bestaunen.

Lille erleben – Tipps für euren Besuch

Schlendert man durch die Straßen und verwinkelten Gassen von Lille, so sind es, wie bereits erwähnt, vor allem die traditionell flämischen Häuser und größeren Bauwerke aus dem 17. Jahrhundert, die einem direkt ins Auge stechen. Doch es sind keineswegs „nur“ die berühmten Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch dieser hübschen Stadt im Norden Frankreichs so lohnenswert machen. Wer echtes flämisches Flair schnuppern möchte, sollte unbedingt den trubeligen Marché de Wazemmes besuchen, der jeden Sonntagvormittag stattfindet und auf dem es sehr bunt zugeht. Wer mit der Familie unterwegs ist und vielleicht den kleinen Mitreisenden eine Freude machen möchte, dem empfehle ich auch einen Besuch des schönen Zoos von Lille. Eine ganz besondere Art und Weise, die Stadt zu erkunden, ist übrigens eine Fahrradtour. Radelt entlang der prächtigen Boulevards, bestimmt euer eigenes Tempo und macht bei den Attraktionen Halt, die euch ansprechen. Vergesst jedoch nicht, zwischendurch auch mal eine Pause einzulegen, um die köstliche Küche von Nord-Pas-de-Calais zu probieren – Moules-Frites (Pommes mit Muscheln) und Welsh (Brot mit Käse überbacken) gehören hier zu den Lieblingsgerichten der Einwohner.

Marché de Mezemmes in Lille
Marché de Wazemmes. Foto: Meiqianbao / Shutterstock.com

Solltet ihr übrigens flexibel sein was die Reisezeit angeht, so empfiehlt sich für euren Trip vor allem der September. Jedes erste Wochenende dieses Monats findet hier nämlich die berühmte Braderie von Lille statt, der größte Trödelmarkt in ganz Europa und zweifelsohne der bekannteste in ganz Frankreich. Nicht ohne Grund werden hier jedes Jahr bis zu zwei Millionen Besucher aus aller Welt erwartet. Und wenn ihr schon mal am Wochenende vor Ort seid, so dürft ihr euch auch das pulsierende Nachtleben nicht entgehen lassen. Da es sich bei Lille um eine der beliebtesten Studentenstädte Frankreichs handelt, ist hier einfach immer etwas los. Wollt ihr das Wochenende schließlich herrlich ausklingen lassen, so eignet sich kein Ort besser als die französische Gemeinde Le Touquet-Paris-Plage, ein entzückendes Seebad, etwa zwei Stunden Autofahrt von Lille entfernt. Wieso ihr hier definitiv hin solltet? Schaut euch den atemberaubenden, etwa zwei Kilometer langen und naturbelassenen Sandstrand an und stellt euch vor, ihr könnt es euch hier gemütlich machen und einfach mal die Seele baumeln lassen. Noch Fragen? ;)

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Le Touquet-Paris-Plage

EM 2016 – Das Stade Pierre-Mauroy in Lille

Das Stade Pierre-Mauroy wurde erst im Jahr 2012 fertig erbaut und erstrahlt somit in einem sehr neuen und modernen Design. Das Fußballstadion, das sich in unmittelbarer Nähe des Universitätsgeländes befindet, bietet Platz für mehr als 50.000 Zuschauer. Erreichen kann man dieses Stadion mit einer bequemen Direktverbindung: Mit der Metrolinie 1 fahrt ihr vom Bahnhof Gare de Lille Flandres, der nur eine Station vom Gare de Lille Europe entfernt ist, einfach bis zur Endhaltestelle „4 Cantons Stade Pierre Mauroy„, sobald ihr ausgestiegen seid, müsst ihr nur noch der Ausschilderung folgen, links über die Straße und über das Universitätsgelände laufen. Nach einem knapp 10-minütigen Spaziergang habt ihr das Stadion bereits erreicht. Stattfinden soll hier übrigens das 2. Achtel- und auch das 2. Viertelfinale, beide Spiele beginnen laut Plan um 21 Uhr. Na, wer findet diesmal vielleicht den Guru-Aufkleber? Ich bin gespannt! ;)

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…und was war nun mit den Sch’tis?

Mit mehr als 20 Millionen Zuschauern ist die unterhaltsame Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“, französischer Originaltitel „Bienvenue chez le Ch’tis“, aus dem Jahr 2008 der bisher erfolgreichste Film der gesamten französischen Filmgeschichte. Im Film geht es um Philippe, einen Filialleiter der Post in Südfrankreich, der zunächst einen Posten an der Côte d’Azur anstrebt, dann allerdings gegen seinen Willen in die nördliche Region Nord-Pas-de-Calais versetzt wird. Wie die meisten Einwohner Südfrankreichs hat er auch schon einige Geschichten aus dem tiefsten Norden gehört und folglich einige Vorurteile gegenüber den Einwohnern dieser Region. Einmal vor Ort, möchte er am liebsten sofort wieder zurück zu seiner Familie. Es scheint, als würden sich all seine Vorurteile bestätigen – die Kälte, der schreckliche Dialekt und noch einiges mehr… Aber ist all das wirklich so schlimm? Nach und nach wird Antoine eines Besseren belehrt, lernt wunderbare Menschen kennen und beginnt, an dieser Region Gefallen zu finden.

Auch wenn Lille in dem Film nur ein einziges Mal als Kulisse dient, und zwar als Antoine mit seinen Kollegen im Restaurant Chez Morel zu Abend isst, so macht dieser Ort, aber vor allem natürlich auch die gesamte Region Nord-Pas-de-Calais, dank der Komödie auf sich aufmerksam. Und genau das war auch die Absicht des Regisseurs und Schauspielers Dany Boon, der selbst aus der Region stammt und im Film den Postboten Antoine spielt. Es war nicht zu übersehen, dass die nordfranzösische Region nach dem großen Kinoerfolg einen echten Besucherboom verzeichnen konnte. Ich würde sagen: Mission gelungen, Monsieur Boon!

Wer kommt mit und erkundet mit mir Lille samt Umgebung? Also ich halte jedenfalls schon mal Ausschau nach günstigen Flügen und Hotels!