Keine Australienreise ohne Koala-Foto und Känguru-Kuscheln. Ja, irgendwie haben wir hier in good old Germany ja auch nicht so wahnsinnig viel zu bieten, nur ein paar geheimnisvolle Ratten, einige Bambis und manch miefigen Dachs, den man eh nicht zu Gesicht bekommt. Das war’s auch schon an heimischen Tierarten. Ganz anders sieht das aber auf diesem geilen roten Kontinent aus, da auf der anderen Seite der Erde. Australien ist berühmt für seine einzigartige Tierwelt. Ja, Ladies, auch Spinnen und Schlangen sind exotisch, aber ich will hier lieber über diese kuscheligen „oh, ist der süß“ reden, über diese „boah, der ist so flauschig“, also ich meine diese „der hat aber einen ganz schön langen Schwanz“. Die Rede ist von samtig zarten Koalas und muskelbepackten, doch handzahmen Kängurus. Jeder will sie anfassen, jeder mal in den Arm nehmen, aber vielleicht solltet ihr vorher noch ein paar Fakten kennenlernen, die euch den Umgang mit den australischen Bewohnern um einiges vereinfachen. Ein paar Infos über Kampfstellung, Sex und Jagd. Nicht alles ist nur zuckersüß und rosarot, manches zum Teil lebenswichtig, anderes ein bisschen traurig. Aber nachher wisst ihr, ohne diese Infos hättet ihr niemals weiterleben können :-) Viel Spaß!

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Foto: Torsten Blackwood/AFP

1. „Check the kangoroo“ – Das lernen die Australier schon im Kindergarten

Ich sitze mit meinem australischen Kumpel im Auto. Es ist nachts, sehen kann man nicht besonders viel. Außer plötzlich diesen runden Knubbel mitten auf der Straße. „That’s a kangoroo. Well it was one.“ Wir halten an. Neben uns das, was von dem flauschigen Ding übrig geblieben ist. „Well that looks pretty dead, but I still go and check it quickly.“ Danny steigt aus dem Auto aus, ich direkt hinterher. Er erklärt mir, dass den Australiern schon in jungen Jahren beigebracht wird, wie man ein Känguru nach einem Crash ordentlich checkt. Das ist aber süß, denke ich, dass man wirklich sichergeht, dass das Tier auch tatsächlich tot ist und nicht noch leiden muss. Wir stehen jetzt vor dem Tatort. Ich bin ja nicht so ein Fan von toten Tieren, also weiche ich direkt einen Meter zurück. Danny tippt das Känguru vorsichtig an. Das Tier ist übrigens ziemlich groß, „probably around 60 kilos“, schätzt Danny. Keine Reaktion. Danny beugt sich über das Tier, schubst es etwas zur Seite, sodass der Bauch frei liegt. Mit seinen Fingern fühlt er langsam am Bauch entlang. Wtf? „Ähm, what exactly are you doing there?“ frage ich Danny. „Well, I’m checking the kangoroo.“

Noch nicht gecheckt? Bei dem Check geht es tatsächlich nicht darum, zu überprüfen, ob das Känguru noch lebt, sondern ob es ein Baby mit sich trägt. „We check the bag to see if there is a baby inside that is still alive.“ In dem toten Känguru vor uns ist zum Glück kein Baby vorzufinden, für den Fall aber, dass eins drin ist, haben die Australier klare Anweisungen, wie vorzugehen ist. „If we find a baby, we put it into a big blanket to keep it warm. We call the wildlife national park number and they send out a ranger who’s going to pick up the baby.“ Schon in jungen Jahren wird den Australiern beigebracht, was zu tun ist, wenn man ein Känguru überrollt. Das passiert nämlich tatsächlich wahnsinnig oft – lest dafür Fakt Nummer 3.

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Foto: Radek Mica/AFP

2. Koalas – Auf Kuscheln stehen die gar nicht

„Och ist der süß!“ Diese Koalas sind ja schon schnuckelig, wie sie da in ihren Bäumen hängen und an Eukalyptusblättern lutschen. Treffen kann man sie tatsächlich nur in Australien, in keinem anderen Land der Erde sind Koalas heimisch. Deswegen muss man bei einem Trip nach Down Under auch mindestens einen Koala zu Gesicht bekommen. Die meisten Reisenden zieht es dafür in einen der vielen australischen Zoos und „Wildlife Sanctuaries“. Für 20 Dollar aufwärts hat man hier auch die Möglichkeit einen Koala auf dem Arm zu halten und ein schön spontanes Foto zu schießen. Ich bin ja kein großer Fan von weitergereichten Koalas für das Fotoalbum zu Hause, ich schau mir die Tiere lieber in freier Natur an, das kann man nämlich ebenfalls überall in Australien.
Ruhig mögen es die Koalas am liebsten. Selbst wenn ein Eukalyptusbaum noch so lecker schmecker aussieht, steht er in der Nähe einer Autobahn oder mitten in der City, zieht es keinen Koala an. Davon abgesehen, kann man aber selbst in Wohnsiedlungen, in kleinen und großen Wäldern, manchmal sogar mitten auf der Straße auf einen Koala treffen. Wenn ich auf Koala-Suche gehe, halte ich immer erst nach Eukalyptusbäumen Ausschau, dann suche ich auf dem Boden nach kleinen runden Koala-Kötteln. Ja, ich weiß, ist jetzt nicht so cool, aber wer einen Koala in freier Wildbahn sehen will, guckt halt nach Kötteln. Hoch oben in den Bäumen liegen sie dann immer, auf Halbmast eingemummelt in sich selbst. Tagsüber treiben die Flauschpakete nicht viel, 16 Stunden wird erst einmal geschlafen. In der Nacht werden sie dann ziemlich aktiv und laufen teilweise ganz schöne Strecken zu Fuß.

Falls ihr mal auf einen wilden Koala trefft, behaltet im Hinterkopf, dass er keinen Steiff-Knopf im Ohr hat. Nicht hochnehmen und um die Wette kuscheln bitte. Also, ihr könnt es ja mal versuchen, aber Koalas können in gewissen Situationen richtig aggressiv werden. Ihre lange Krallen helfen ihnen zum einen, um auf Bäume zu klettern, aber auch, um sich in gefährlichen Situationen zu verteidigen. Wenn sie sich also belästigt fühlen, nehmt euch in Acht vor den gefährlichen Krallen und den Bissen, mit denen sie ihre Gegner bekämpfen. Kleines Indiz dafür, dass sich ein Koala gestresst fühlt, ist übrigens sein Ohrenwackeln. Ganz im Ernst! Wenn ein Koala im Stress ist, wackelt er mit den Ohren und bekommt teilweise sogar nervösen Schluckauf.

3. Australier und Kängurus – Die mögen sich einfach nicht

Australier hassen Kängurus. Besser, ihr erfahrt es von mir, als von jemand anderen. Nicht alle Australier, aber doch die Mehrzahl. Vor allem in „bush areas“, in ländlichen Gegenden, werden Kängurus als Pest angesehen, weil sie das Futter der Farmtiere auffressen, die Zäune beschädigen und ja, weil sie häufig auf der Straße rumhoppeln und Unfälle hervorrufen. Deswegen gehen die Australier gerne mal auf Jagd und schießen ein paar Kängurus – alles legal.
Ziemlich erschreckend ist jedoch, wie viele tote Kängurus an den Straßenrändern so rumliegen. Vor allem in Queensland und New South Wales, sobald man etwas landeinwärts fährt, sieht man teilweise alle 300 Meter ein totes Känguru. Die Australier finden das natürlich auch nicht supi, sie sehen dabei jedoch eher die Gefahr für den Fahrer selbst. Es gibt auch hierfür eine klare Anweisung: „If there is a roo on the street you should keep up the speed or even accelerate. If you hit it with low speed your car is definitely destroyed and you will be injured as well“, erklärt mir mein australischer Kumpel Danny. „If you’re fast enough your chances are higher to be okay afterwards.“ Kängurus können bis zu 85kg schwer und 2m groß werden. Um für einen Crash mit den riesigen Beuteltieren vorzusorgen, haben viele australische Autos eine „Bull bar“, einen Rammschutz vor dem Kühler, um den Zusammenstoß zu dämpfen. Danny hat selbst schon einige Male ein Känguru getroffen, gerade erst vor ein paar Wochen, seitdem fehlt die Hälfte der seitlichen Front an seinem Auto. Vor allem junge Australier prahlen gerne mit Kängurucrashs. „If you tell your friends that you’ve hit a kangoroo, they gonna be like ‚how many did you crash‘ and possibly find it cool.“

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Foto: Torsten Blackwood/AFP

Wieviele Kängurus jährlich durch Jagd und Unfälle ums Leben kommen, kann ich euch auch nicht sagen. Was den Bestand aber angeht, sollte man sich keine großen Sorgen machen. Die Zahlen der letzten Jahre zeigen ein kontinuierliches Wachstum der Känguru-Population. Wobei der australische Ökologe Ray Mjadwesch vor einem Jahr starke Zweifel an der Korrektheit der Zahlen äußerte. Mjadwesch behauptet, dass die Tiere stark vom Aussterben bedroht sind. Was jetzt also stimmt, keine Ahnung. Versucht einfach bei eurem Trip keine Känguru-Popos unter die Motorhaube zu kriegen.

4. Buschfeuer verletzen tausende Koalas – Australier stricken Handschuhe

Jedes Jahr zerstören die Buschfeuer tausende Hektar Wald in Australien. Vor allem im Süden des Kontinents, rund um Sydney, wüten die Feuer erbarmungslos. Viele Tiere sind der Naturgewalt schutzlos ausgeliefert. Vielen rennen um ihr Leben, die, die es schaffen, bleiben mit schmerzhaften Verbrennungen zurück, mit Dehydration, sind heimatlos. Auch aktuell gibt es wieder viele Buschfeuer in Australien.

 

Vor allem die Bilder der verbrannten Tiere zerreißen mir das Herz. Viele Koalas, zum Beispiel, verbrennen sich ihre Pfoten und können nicht mehr auf Bäume klettern, was den sicheren Tod für sie bedeutet. Deswegen hat die australische International Fund for Animal Welfare einen Aufruf gestartet. Die Australier werden gebeten, Fausthandschuhe aus Baumwolle für die verletzten Koalas zu nähen. Die verbrannten Pfoten müssen mit spezieller Salbe behandelt und mit Verband abgedeckt werden. Die Handschuhe sichern den Verband und unterstützen die Heilung der Pfoten. Bislang wurden bereits tausende Handschuhe genäht und in den Wildlife Hospitals abgegeben.

 

Neben Handschuhen für Koalas werden auch dringend Beutel für verwaiste Känguru-Babys benötigt, deren Mama gestorben oder weggelaufen ist. Im Aufruf der Organisation heißt es: „Wildlife rescuers are in need of pouches for orphaned joeys. They provide warmth and comfort, like being in their mother’s pouch. But they need to be changed regularly. This is where you can help!“ Eine richtig tolle Aktion, finde ich.

5. Sex mit Kängurus – Wofür die Aussies alles Gesetze brauchen

Es gibt ja schon kuriose Gesetze auf der Welt, aber dieses hat mich echt verblüfft, aus der Bahn geworfen, ich weiß auch nicht genau, aber krass! Bis 1984, also bis vor 31 Jahren gab es ein Gesetz in Australien, das explizit verbot, im nüchternen Zustand Sex mit einem Känguru zu haben. Also anders herum, bis 1984 war es erlaubt, betrunken Sex mit Kängurus zu haben. Der genaue Wortlaut der australischen Gesetzesordnung lautete: „Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist Bürgerinnen und Bürgern prinzipiell untersagt. (…) Der Geschlechtsverkehr mit einem Känguru ist nicht unter Strafe gestellt, wenn die Bürgerin oder der Bürger zum Zeitpunkt des geschlechtlichen Aktes nachweislich alkoholisiert war, wobei von einem Blutalkoholgehalt von mindestens 0,8 Promille auszugehen ist.“ Seit den achtziger Jahren nimmt der Bestand an Kängurus übrigens wieder stark zu. Haha :-)

 

6. Lecker Skippy – Kängurufleisch als internationale Delikatesse

Schmeckt so’n bisschen wie Hühnchen, dieses Kängurufleisch. Jetzt guckt mich doch nicht so an. Ja, ich gebe zu, ich habe schon einmal Känguru gegessen, Krokodil habe ich auch schon mal probiert, muss man halt, wenn man schon einmal in Australien ist. Aber jetzt tut bloß nicht so, wusstet ihr, welches Land am meisten von dem Hüpfer-Fleisch importiert? Ja, richtig, unser good old hungry Germany. Von den acht Millionen Kilogramm Kängurufleisch, das Australien jährlich produziert, werden ganze sechs Millionen exportiert. Wie viel genau nach Deutschland geht, weiß man nicht, es wird aber jede Menge sein.

Kängurufleisch ist seit 1993 zum menschlichen Verzehr freigegeben. Die Australier sind da geteilter Meinung was den Genuss ihres Nationalsymbols angeht. Einige futtern es schon zum Frühstück, weil es einen sehr niedrigen Fettgehalt und dabei einen ziemlich hohen Eiweißgehalt hat. Andere lehnen den Verzehr von Kängurufleisch aus moralischen Gründen ab. Seit einigen Jahren gibt es bereits die Überlegung, die Fleischproduktion stärker auf Känguru zu konzentrieren, als auf Rinder. Der Verzehr von Rindfleisch belastet die Umwelt in extremen Maße, da die Wiederkäuer bei der Verdauung das Gas Methan produzieren. Der Ausstoß des Treibhausgases Methan ist für das Klima sehr belastend. Eine Umstellung auf Kängurufleisch würde diesen Wert deutlich verringern. Die Beuteltiere haben eine völlig andere Verdauung als Wiederkäuer und produzieren wesentlich weniger Methan. Eine Umstellung von Rind auf Känguru würde Australien an die 16 Megatonnen Treibhausgasemission einsparen. Bislang kam es noch zu keiner klaren Entscheidung, Tierschutzorganisationen weltweit kämpfen gegen diese Überlegung.

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Foto: Joel Saget/AFP

Na, wer hat jetzt Hunger auf ein bisschen Skippy? :-) Hier in Deutschland finden wir das Fleisch nur sehr selten auf den Speisekarten der Restaurants. In manchen deutschen Supermärkten könnt ihr das Fleisch sogar aus der Kühltheke kaufen, doch wenn ihr wirklich mal Känguru probieren wollt, empfehle ich euch das asiatische Restaurant Mongo’s. Hier gibt es zahlreiche exotische Tiere zu kosten, neben Skippy auch Krokodil, Zebra, Papageienfisch und viele andere kuriose Arten.

7. Mullumbimby, Wombat, Känguru – Komische Namen haben die Australier

Ich weiß auch nicht, was da schief gegangen ist. Die Australier haben echt kuriose Namen für ihre Städte, Tiere, Flüsse, irgendwie für ziemlich viele Sachen. Grevenbroich, Mösern, Köln-Porz – das sind doch mal richtige Namen, aber doch nicht Mullumbimby, Kurrajong oder Coolangatta. In Australien eine Landkarte zu lesen und dem Fahrer Anweisungen zu geben, ist echt ’ne lustige Angelegenheit. Die Australier selbst haben natürlich keine Probleme mit ihren Zungenbrechern, lachen tun sie über uns, wenn wir ihre Goondiwindis und Wollongongs nicht richtig aussprechen. Viele Namen, müssen wir den Australiern zugute halten, basieren tatsächlich auf der Sprache ihrer Ureinwohner, den Aborigines. Bevor die Engländer den Kontinent besiedelten, hatten die australischen Ureinwohner natürlich bereits Namen für ihre Welt, einige Bezeichnungen wurden im Laufe der Ansiedlung durch englische Worte ausgetauscht, viele wurden zum Glück aber übernommen und bis heute beibehalten.
Die Aborigines wählten ihre Bezeichnungen immer nach einer markanten Besonderheit des Objekts, also der Stadt, des Flusses oder der Tierart. Der Ort Ozenkadnook bedeutet etwa „sehr fettes Känguru“, Koala bedeutet soviel wie „Der, der nie trinkt“. Koalas trinken tatsächlich ziemlich wenig, aus dem einfachen Grund, weil die Eukalyptusblätter bereits jede Menge Flüssigkeit beinhalten. Doch ab und zu kommt es schon zum Durststurz der kleinen Fellknäuel:

 

Ich hab ja gedacht, dass das Wort Känguru irgendwie so was bedeutet, wie „schnelles flauschiges Ding mit dickem Schwanz“ oder so, aber tatsächlich basiert das Wort Känguru bzw. Kangoroo auf einem ziemlich lustigen Missverständnis. Einer weit verbreiteten Geschichte zufolge soll der britische Seefahrer und offizieller Australien-Entdecker James Cook die Tiere als erster Europäer gesichtet haben. Er wandte sich an die Eingeborenen und fragte: „Welches Tier ist das?“. Die Aborigines konnten natürlich kein Wort Englisch, verstanden die Frage also nicht ansatzweise. Also antworteten sie mit: „Gang-oo-roo“, was nichts anderes bedeutet als „Ich verstehe Dich nicht“. So war unsere heutige Bezeichnung geboren. Danke an die Dummheit der Engländer :-)