Wenn am Samstag Abend die Sonne untergeht, solltet ihr euch unbedingt auf den Weg zur Basilika Sacré Coeur in Paris machen. Was ihr hier erleben werdet, könnt ihr für kein Geld der Welt kaufen!

Paris ist laut, ziemlich voll und an vielen Ecken nicht besonders schön. Wer nur wenige Stunden Zeit für Sightseeing hat, spult das typische Touristenprogramm ab. Rauf auf den Eiffelturm, Fotos machen, weiter zum Louvre, Mona Lisa sehen. Danach noch zur beeindruckenden Notre Dame, vielleicht mit einem Crêpe in der Hand. Kreuz und quer durch die riesige Metropole – Selfiestick und Handy immer parat.

Das muss nichts Schlechtes sein, doch wer sich für Paris keine Zeit nimmt, verpasst die schönsten Erlebnisse garantiert. Einen dieser Momente habe ich bei meinem letzten Paris-Trip erlebt und bin froh, dass ich mich nicht habe anstecken lassen von der Hektik, die die Stadt oft so anstrengend macht.

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Die schönsten Momente kann man nicht planen

Eines der vielen Highlights bei jeder Städtereise nach Paris ist ein Besuch im Künstlerviertel Montmartre. Hier kann man durch die hübschen kopfsteingeplasterte Gassen schlendern, die sich hinaufwinden zu beeindruckenden Basilika Sacré Coeur. Oben angekommen erwartet Besucher ein unglaublicher Blick auf die Stadt, die riesige Metropole liegt einem hier zu Füßen. An einem Samstag nachmittag ist auch für mich die weiße Kathedrale das Ziel. Wie an allen Touristen-Hotspots ist es relativ voll, die Leute drängen sich auf den Stufen zusammen und machen nach dem anstrengenden Aufstieg eine kleine Pause. Es ist herrlich hier, denn die Sonne kommt zwischen den Wolken hervor und taucht das Häusermeer zu meinen Füßen in gold-gleißendes Licht.

Stimmengewirr liegt in der Luft, französisch, deutsch, chinesisch, portugiesisch, spanisch – nenn eine Sprache und du wirst sie hier hören. Besucher aus der ganzen Welt machen es sich zu Füßen der riesigen Kirche auf den imposanten Stufen bequem und entspannen sich nach einem anstrengenden Tag.

crowd of tourists on Sacre Coeur stairs in Paris

Musik liegt in der Luft

Nur wenige Minuten sitze ich da und schau in die Ferne, als neben mir plötzlich geschäftiges Treiben beginnt. Einige Franzosen schleppen Gitarren heran und spielen sich schon mal ein – ein Verstärker wird aufgebaut, das Mikro steht bereit und Cham, ein Lehrer für Autisten aus Paris, summt mir seine Interpretation von Helene Fischers „Atemlos“ vor, um sich warmzusingen für seinen Auftritt.

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Sänger Cham vor dem beeindruckenden Häusermeer von Paris

Nahezu jeden Samstag kommt er gegen Abend zur Sacré Coeur, baut sein Equipment auf und singt mit den Leuten, will mit den Besuchern aus aller Herren Länder einen musikalischen Abend verbringen und sie zum Mitsingen animieren.

Für mich einer der schönsten Momente überhaupt

Er ist nicht für das Geld da, das betont er immer wieder, er will Spaß haben, Musik machen und die unglaubliche Kulisse mit seiner Gitarre untermalen. Er beginnt mit Klassikern wie Bob Marleys „Redemption Song“, singt Red Hot Chili Peppers und viele andere bekannte  Lieder und animiert alle Besucher immer wieder in seiner charmanten Art, doch einfach mitzusingen, sich selbst Lieder zu wünschen und teilzuhaben an seinem kleinen Konzert. Nahezu bei jedem Lied ist ein anderer Tourist vorne am Mikro dabei, Portugiesen, Ukrainer, Polen, Deutsche, Amerikaner, Algerier – sie alle und viele Zuschauer singen zusammen die unterschiedlichsten Lieder, trinken dabei ein Bierchen und lassen den Blick über die goldenen Hausdächer schweifen.

Momente später bricht die Sonne durch die Wolken

Unbeschwert und friedlich

Immer wieder schafft es Cham, die Leute zu sich zu bitten, singt mit zwei Teenagern aus Texas „Someone like you“ von Adele, mit einer Polin Jessie Js „Price Tag“ und mit einer Deutschen Pink Floyds „Wish you where here“. Eine angenehme Stimmung macht sich auf den Stufen breit, friedlich sitzen alle zusammen, lassen die Kulisse auf sich wirken und ich kann es an den Gesichtern sehen – sie alle sind zufrieden und entspannt. Cham macht mit seiner Musik alles richtig.

Unvergessliche Momente hoch über Paris

Paris hat es in den letzten Jahren nicht leicht gehabt – jeder von uns hat die Gewalttaten der vergangenen Monate immer im Hinterkopf, wenn er an die Stadt denkt. Derart krasse Ereignisse gehen auch an einer so riesigen Metropole nicht spurlos vorbei. Gerade deshalb war für mich dieser friedliche, unbeschwerte Moment hier oben, hoch über dem Chaos in den Straßen, ein absolutes Highlight, dass ich in meinem Leben nie wieder vergessen werde!

Paris

Nehmt euch die Zeit und genießt den Augenblick

Fast zwei Stunden hat Cham mit anderen jungen Musikern an diesem Samstag Abend gespielt, hat eine unglaublich positive Stimmung verbreitet und für einige Gänsehaut-Momente gesorgt. Der Pariser Lehrer begeistert an so einem Abend hunderte Menschen und das ganz ohne Hintergedanken. Er ist Musiker aus Leidenschaft, erzählt er nach seinem kleinen Konzert, will mit den vielen vielen Nationen, die hier zusammen kommen, einfach in Kontakt kommen, Musik machen und einen tollen Abend verbringen. Das bringt ihm mehr als jedes Geld, sagt er, und packt gemütlich seine Gitarre wieder ein. Unter der Woche geht er ganz alltäglich seinem Lehrer-Job nach – doch wenn es Samstag Abend wird, dann findet ihr ihn mit ziemlicher Sicherheit hier, vor der beeindruckenden Basilika Sacré Coeur im Herzen von Paris.

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Mir hat diese spontane Begegnung wieder einmal eines gezeigt – es sind meist die ungeplanten Momente, die, mit denen keiner rechnet, die eine Städtereise wie diese zu etwas ganz Besonderem machen. Eigentlich hatte ich für die Sacré Coeur nur ein halbes Stündchen eingeplant, geblieben bin ich dann knapp 3 Stunden, von denen ich jede Minute genossen habe. Ich kann es jedem von euch nur empfehlen – nehmt euch die Zeit und genießt seltene und wertvolle Augenblicke wie diese, lasst euch von der Stimmung anstecken und nehmt dadurch viel mehr mit nach Hause als nur Fotos.

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Paris, mon Amour!