In der letzten Zeit kommt es immer häufiger vor, dass sich Passagiere wegen der Verstellung der Rückenlehne richtig in die Haare kriegen. Und so unglaublich das schon klingt, kommt es sogar noch heftiger: Denn es wird sich nicht nur gestritten, die Zankereien arten auch noch so heftig aus, dass Crewmitglieder belästigt und die Flugzeuge notgelandet werden müssen. In richtige Handgreiflichkeiten mit Festnahmen durch die Polizei arteten in kurzer Aufeinanderfolge jetzt gleich drei Flüge in den USA aus.

Am Sonntag, dem 24.08.2014 kam es zum ersten Mal zu solch einem unfassbaren Vorfall. Auf einem Flug von United Airlines, der von Newark nach Denver ging, eskalierte ein Streit um die Rückenlehne so heftig, dass das Flugzeug in Chicago notdürftig zwischenlanden musste. Was war passiert? Ein Mann (48) benutzte im Flugzeug die sogenannten „Knee Defender„, die verhindern, dass der Vordermann seine Rückenlehne zurückklappen kann. In diesem Fall traf es eine Vorderfrau (48), die von der Unmöglichkeit, sich nach hinten hin auszubreiten, ganz und gar nicht begeistert war. Der Mann wollte wohl weiter an seinem Laptop arbeiten und sah es nicht ein, ihn zuzuklappen. Er weigerte sich strikt, die Lehne freizugeben, woraufhin die erhitzte Frau ihm ein Glas Wasser entgegenschüttete. Ein Mitglied der Bord-Crew versuchte anfangs noch, die Situation zu beruhigen, doch nach der Wasser-Attacke beschlossen sie, das Flugzeug am besten notlanden zu lassen. In Chicago wurden die beiden Streithähne aus der Maschine geworfen und der Flug ging ohne sie weiter. Eine Verhaftung gab es zwar nicht, jedoch müssen die Beteiligten womöglich mit einer Strafe von bis zu $25.000 rechnen. Ob es das wert war?

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Kein Einzelfall: Überall in den USA streiten sich Passagiere um die Rückenlehne

Nur drei Tage später, am Mittwoch, dem 27.08.2014 kam es zum nächsten Zwischenfall. Wieder ging es um Rückenlehne und dem damit verbundenen Platz. Auf dem Transatlantik-Flug von American Airlines von Miami nach Paris hatte ein französischer Passagier (61) so sehr gepöbelt, dass auch hier die Maschine notgelandet wurde. Zuvor hätte dieser sich sehr heftig gegen das Zurückstellen der Sitzlehne vor ihm gewehrt, wäre zunehmend ausfallend geworden und schließlich sogar handgreiflich. Als die Frau vor ihm ihre Rückenlehne zurückstellen wollte, habe er angefangen zu pöbeln, als eines der Crewmitglieder schlichten wollte, folgte der Passagier ihm und fasste nach dem Arm des Mitglieds. Daraufhin wurde der gebürtige Franzose von mitfliegenden Sky Marshals, also Sicherheitskräften in zivil, überwältigt. Das Flugzeug wurde umgeleitet und landete in Boston, wo der Passagier festgenommen wurde. Er wurde direkt ins Krankenhaus gebracht, da er wohl einen zu hohen Blutdruck hatte…

Der neuste Rückenlehnen-Aufreger ereignete sich im Sunshine State Florida, wo ein Flugzeug aus New York in Jacksonville zwischenlanden musste. Auch hier haben sich zwei Passagiere so sehr gestritten, dass sich die Mitarbeiter der Fluggesellschaft zu dem Schritt entschieden hatten. Eine Frau (32) hatte sich echauffiert, weil die Rückenlehne ihrer Vorderfrau beim Zurückstellen ihren Kopf gestoßen habe. Sie gab an, mit dem Kopf auf dem Tischchen vor sich geschlummert zu haben, als es passierte. Daraufhin brach wohl ein riesiges Gezeter los, das nur noch mehr in Fahrt geriet, als ein Mitglied der Bord-Crew versuchte, die Frau zu beruhigen. Tatsächlich verlangte die Pöblerin am Ende selbst, das Flugzeug müsse umgehend gelandet werden. Sie gab hinterher an, aufgrund des Tods ihrer beiden Hunde kurz zuvor emotional mitgenommen zu sein. Sie wurde am Boden zeitweise festgenommen und konnte später, im Mietwagen, ihre Reise fortsetzen.

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Mit Knee Defendern gegen scheinbar unzumutbare Platzeinschränkungen?

Seit den Zwischenfällen  in den USA sind sie nun in aller Munde: die Knee Defender. Das sind zwei kleine, Manschetten-artige Halter aus Plastik. Sie werden an den beiden Halterbügeln des eigenen Klapptisches geklemmt und können so verhindern, dass der Vordermann die Rückenlehne seines Sitzes nach hinten klappt. Die Knee Defender werden von dem US Hersteller „Gadget Duck“ bereits seit 2003 hergestellt, bisher allerdings ohne große Vorkommnisse. Jegliche Fluggesellschaften, die sich bislang zu den kleinen „Helfern“ äußerten, haben gegen diese ausgesprochen, allem voran die amerikanischen Groß-Airlines. Die Knee Defender seien weder nötig noch erlaubt, so teilten sie mit. Die Verstellvorrichtung der Rückenlehne sei da um genutzt zu werden und die Manschetten schränkten den persönlichen Freiraum der Passagiere ein, so wurde erklärt. Doch mit dem Argument fing das ganz Dilemma wohl auch an…

Währenddessen werden die Knee Defender in Europa kaum verkauft. Hierzulande scheint man sich nicht so sehr über verstellte Rückenlehnen aufzuregen wie in den USA. Ein Glück!