Während ihres Praktikums ist Mara an den schönsten Orten dieser Welt unterwegs. Doch zwischendurch muss auch mal ein wenig Zeit für die wundervolle Heimat sein. Und so kam es, dass sie einen kleinen Zwischenstopp in Deutschland einlegte, um hautnah beim Karneval in Köln dabei zu sein…

Diejenigen, die meinen Blog aufmerksam verfolgen, haben vermutlich im letzten Bericht über die Malediven meine Ankündigung zum nächsten großen Trip bereits gelesen. Um das Ganze aber weiterhin schön spannend zu gestalten, müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Ich verrate euch immer noch nicht, wo es hingehen wird, und berichte erstmal noch von einem kleinen Zwischenstopp, den ich in Köln gemacht habe.

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Karneval in Köln – Kölle Alaaf!

Als ich die Ansage von meinem Urlaubsguru-Team bekam, am Rosenmontag nach Köln zu fahren, um über den Karneval zu berichten, musste ich innerlich laut loslachen. Ausgerechnet ich, die wohl am wenigsten Karneval-affine Person, sollte über dieses Spektakel berichten! Aber dementsprechend sah ich das Ganze auch als eine kleine Herausforderung an – Kölle Alaaf – warum eigentlich nicht? Nun musste ich auf die Schnelle nur noch ein Kostüm auftreiben, was sich gar nicht so einfach gestaltete, da ich die Karnevalszeit bisher stets recht teilnahmslos an mir vorüberziehen ließ.

Kurzerhand schnappte ich mir einfach einen etwas altertümlichen Mantel und einen Blumenkranz (beides aus meinem Fundus vom Afrika Burn Festival in Südafrika) und bin früh morgens in den Zug nach Köln gestiegen. Mein Kostüm, wenn man es überhaupt als solches bezeichnen kann, war definitiv nicht besonders kreativ, aber auf die Schnelle hatte ich eben nichts anderes. Den halb ernst gemeinten Vorschlag eines Kumpels, als Heidi von der Alm zu gehen, lehnte ich schon aus kältetechnischen Gründen ab, da ich im Gegensatz zu vielen anderen doch nicht faschingsverrückt genug war, um es auf mich zu nehmen, den ganzen Tag in einem knappen Kostüm mit den Zähnen zu klappern.

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Eine Zugfahrt die ist lustig…

Spätestens als der Zug noch ca. eine Stunde von Köln entfernt war, konnte sich wirklich niemand mehr dem Karnevalsspektakel entziehen. Zahlreiche Grüppchen Feierwütiger sorgten dafür, dass auch wirklich jeder im Zug mitbekam, dass Rosenmontag war. Dröhnende Musik, fröhlich schallende Sprechchöre und die ersten wackligen Tanzversuche einiger dezent angeschwipster lila Kühe in Plüsch, die den gesamten Essenswagen eingenommen hatten, unterhielten die anderen Fahrgäste und mich bis wir Köln erreichten.

Am Bahnhof angekommen blieb ich zunächst auf dem Vorplatz vor dem Kölner Dom stehen, um mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Ich stand noch keine fünf Minuten dort, da wurde ich bereits fröhlich von einer bunt gemischten Gruppe junger Leute aus aller Herren Länder, unter anderem aus Kanada, Schweden, Norwegen und England angesprochen. Verwundert, was ich denn so ganz alleine auf dem Kölner Karneval mache, boten sie mir spontan an, mich ihnen anzuschließen. Gesagt getan – und wir stapften alle zusammen los, um uns den Umzug anzuschauen.

Aufgrund der Unwetterwarnung fand der Rosenmontagsumzug nicht wie gewohnt in vollem Umfang statt. Pferdekutschen und einige der großen Planwagen konnten nicht am Spektakel teilnehmen – aber dennoch war ich völlig baff über die Mühe und den Aufwand, der hinter vielen der Kostüme und Festzugswagen steckte. Besonders begeistert haben mich einige der politischen Wagen: „Bunte Funken gegen Braun“ – klare und wichtige Ansagen in der heutigen Zeit. Für johlende Begeisterung bei den Passanten sorgte zu meiner Freude auch ein Wagen mit einer lustigen Konstruktion aus Pappmaschee, mit der die AFD herrlich durch den Kakao gezogen wurde. An dieser Stelle wäre somit das Vorurteil widerlegt, Karneval bestünde nur aus Alkohol, Konfetti und Humba Tätärä – Politik beziehungsweise die Kritik an dieser spielt durchaus eine beachtliche Rolle, was ich als Karneval-Neuling bisher in diesem Ausmaß natürlich noch nicht so hautnah miterleben konnte.

So verging der Tag wie im Flug – morgens war ich angekommen und als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es bereits drei Uhr mittags. Vergnügt feierte ich mit den Leuten, die ich am Morgen getroffen hatte. Wenn wir nicht gerade mit Tanzen beschäftigt waren, versuchten wir, uns beim Einsacken von Süßigkeiten gegenseitig zu übertrumpfen. Das ist natürlich auch ein nicht minder zu beachtender Aspekt des Karnevals, auch Diabetes-Tag genannt. ;)

Die Stimmung in Köln und beim Umzug ist so ausgelassen und fröhlich – da kann man gar nicht anders als sich davon anstecken zu lassen.

Ich glaube, ich habe meine Jahresration an Zucker an diesem einen Tag bereits ausgeschöpft, dank dem niemals endenden Schwall an Süßkram, der von den Wagen in die Menge geschleudert wurde. Auch, wenn ich es selbst kaum für möglich gehalten hätte: Man kann in Köln tatsächlich auch als „Karnevals-Anti“, zu denen ich mich bisher gezählt hatte, Spaß haben!

Die Stimmung in Köln und beim Umzug ist so ausgelassen und fröhlich – da kann man gar nicht anders als sich davon anstecken zu lassen. Zudem konnte ich auch das Bild über Köln, das in manchen Medien in letzter Zeit verstärkt verbreitet wurde, nicht bestätigen. Ich erlebte die Menschen äußerst respektvoll und freundlich im Umgang miteinander und es gab keine einzige Situation, in der ich mich unwohl gefühlt hätte. Die gefährlichste Situation des Tages war definitiv als ich Schokoladentafeln aus einem der vorbeifahrenden Wagen an den Kopf geschmissen bekommen habe. Autsch!

Fünf der lustigsten Sprüche, die ich auf dem Karneval in Köln aufgeschnappt habe:
1.) „Ups, das ist jetzt aber keine Armlänge Abstand mehr.“
(Eine kichernde Frau im Bierfasskostüm beim angeheiterten Tanzen mit ihrer anscheinend neuen Karnevals-Bekanntschaft)

2.) „Selfie?! Für Instagram oder Facebook? Beides! Ok, aber halt du das Handy, ich schaff’s nicht mehr still zu halten.“
(Ein weiblicher völlig blauer Avatar (Achtung Wortwitz) zu ihrer Lara Croft Freundin, beim Versuch, neben den hübsch geschminkten Gesichtern auch irgendwie die Dekolletés auf dem Foto zur Geltung zu bringen und dabei auszusehen als hätten sie eine Promille weniger im Blut)

3.) „Ey, lass ein Foto machen. Aber du weißt ja, nicht auf Facebook hochladen – mein Chef denkt, ich lieg mit Grippe im Bett.
(Ein junger Knabe, der einen erstaunlich gesunden Eindruck machte)

4.) „Hast du ’nen Edding? Ich muss mir die Telefonnummer von meiner Freundin auf den Arm schreiben. Geh die ganze Zeit verloren.“ (schaut sich um) – „Aaaah, jetzt sind sie schon wieder weg.“ (Eine kleine Geisha beim verzweifelten Versuch, ihre Freunde nicht ständig zu verlieren)

5.) „Rat mal, als was ich verkleidet bin?“ „Mhm… als Mensch?“ „Nein als Harry Potter, mein Unsichtbarkeits-Umhang ist gerade nur in der Wäsche.“
(Ein zum Brüllen komischer Spaßvogel in zivil, der diesen Witz an dem Tag bestimmt schon 30 Mal gerissen hatte)

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Nach diesem kurzen, aber äußerst lustigen Tag in Köln fuhr ich im Rahmen meines Praktikums zum Rucksackpacken für einen Tag zurück nach Dortmund, um mich dann tags darauf wieder auf den Weg zu meinem zweiten Zuhause, dem Flughafen, zu machen. Wenn ihr diese Zeilen lest, dürfte ich mich vermutlich schon an meinem nächsten Ziel befinden, auf einem Kontinent, den ich bisher noch nie betreten habe, der aber schon immer ganz weit oben auf meiner Liste stand! ;)