Nach Hause zu kommen, ein Bett vorzufinden, sich ausbreiten zu können und sein eigenes Badezimmer zu haben ist für uns Alltag. Für Menschen in Hongkong ein Traum. In der Metropole leben bis zu 100.000 Käfigmenschen – ein Zustand, den wir uns kaum ausmalen können.

Über 7 Millionen Menschen drängen sich in der Stadt Hongkong dicht aneinander. Sie gilt als die teuerste Stadt der Welt und ist, hat man das nötige Geld, eine aufregender Ort. Aber nur etwa die Hälfte aller Einwohner hat ausreichende Mittel, um sich eine Wohnung zu leisten. Was aber passiert mit den anderen 3,5 Millionen Menschen?

 

Traurige Wahrheit: Ihr Zuhause macht sie zu Käfigmenschen

Was sich hinter den Mauern der Hochhäuser verbirgt, kann man sich als Tourist kaum ausmalen. Selbst checkt man in ein schönes Hotel ein und wandert durch die engen Gassen und Straßen. Blickt man jedoch hinter die glitzernden Fassaden und in die Gesichter der Menschen, entdeckt man die Armut, die diese Stadt zeichnet.

Hong Kong’s Cage Home Residents Struggle With Increasing Cost Of Living
Foto: istockphoto.com/EdStock

Überall sieht man Business Menschen in Anzügen, die umhereilen, und Touristen, die fotografieren. Was heißt es aber, in einer der reichsten Städte der Welt arm zu sein? Wohnplatz scheint hier unbezahlbar, zu groß ist der Platzmangel. Die letzte Chance für manche Menschen ein Dach über dem Kopf zu haben, scheint ein Käfig zu sein. Und selbst dann geht es ihnen immer noch weitaus besser als jenen, die auf der Straße leben.

Denn auch ein Käfig ist nicht billig. Zwischen 150€ und 200€ pro Monat zahlt eine Person für den Verschlag, während man mit bis zu 30 Personen ein Zimmer, eine Toilette und, wenn man Glück hat, eine Küche teilt. Dass dabei die Hygiene auf der Strecke bleibt, ist nicht verwunderlich. Die einzige Privatsphäre, die diese Menschen haben, ist ihr Käfig, welchen sie mit Vorhängen, Tüchern oder Holzplatten abdecken. So baut sich jeder Bewohner seine eigene kleine Welt „hinter Gittern“. Die Luft ist stickig, ein Fenster meist Luxus.

Hong Kong’s Cage Home Residents Struggle With Increasing Cost Of Living
Ein Fenster ist Luxus Foto: istockphoto.com/EdStock

Teilweise leben ganze Familien in Wohnungen, die gerade mal 4 m² groß sind, teilen sich mit sechs anderen Familien ein Klo, waschen dort ihre Wäsche mit der Hand und schlafen übereinander. Im Sommer kann es hier in Hongkong schon mal 40 Grad werden – wie es sein muss, dabei auf engstem Raum zu leben, kann man sich kaum ausmalen.

Trotzdem aber sind diese Menschen zufrieden. Sie leben nicht ohne Dach über dem Kopf und hungern nicht. Bereits darin sehen die Käfigmenschen etwas positives. Trotzdem ist die Scham und Verzweiflung groß, die meisten hätten sich nicht träumen lassen, dass sie einmal unter diesen Umständen hausen müssen. Oftmals sind es Schicksalsschläge, die Menschen in die Armut drängen.

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Foto: Kanok Sulaiman / Shutterstock.com

Macht der Vermieter Kamerateams oder Reporter ausfindig, die über diese Art des Hausens berichten, kann die Stimmung ganz schnell ungemütlich werden. Denn offensichtlich soll es nicht an die Öffentlichkeit gelangen, dass man aus der Armut und dem Leid der Menschen auch noch Profit schlägt. Denn die Preise, wie bereits oben erwähnt, stehen in absolut keiner Relation mit den menschenunwürdigen Lebensbedingungen, unter denen die Käfigmenschen leiden.

Schnell hat man erkannt, dass man 30 m² anstatt an eine ganze Familie zu vermieten, auch in Käfigen aufteilen und von bis zu 30 Menschen Miete kassieren kann. Rechnet man sich die Summe aller Käfig bewohnenden Menschen aus, kommt man beinahe auf den Preis, den man für ein Luxus Apartment bezahlen muss. Eine Blamage für eines der reichsten Länder der Welt, sagt eine Sozialhilfemitarbeiterin.

Hong Kong’s Cage Home Residents Struggle With Increasing Cost Of Living
Foto: istockphoto.com/EdStock

In Hongkong wird das Leben gefeiert, man geht auf einen After-Work Drink in angesagte Roof-Top Bars, schließt Geschäfte ab, bewohnt gigantische Luxuswohnungen und eilt an den Mitmenschen der untersten Schicht nur schnell vorbei, die Augen vom Elend stets abgewandt.

Die Käfigmenschen sind meist Einheimische vom Festland China, auf der Suche nach Arbeit oder einem besseren Leben. Manch andere sind krank oder alt, sitzen im Rollstuhl und haben keine Chance auf eine vernünftige Arbeit. Sie sind angewiesen auf Gelder vom Staat, mit denen sie aber gerade den Käfig und etwas Essen bezahlen können. Und das in einer Stadt, die sich selbst als „Asiens Weltstadt“ feiert.

Für uns sind diese Umstände kaum vorstellbar, während in Hongkong tagtäglich über 100.000 Käfigmenschen ihren Alltag auf engstem Raum überstehen. Hongkong gilt als glitzernde und aufstrebende Metropole – blickt man aber hinter diesen Schein, sieht man das wahre Leben vor Ort.