Wenn ihr „Travel Blog“ oder „Reiseblogger“ bei Google eingebt, erhaltet ihr sagenhafte 260.000.000 Ergebnisse. Das Thema Reisen ist wirklich überall präsent. Von Influencern auf Instagram bis zu Youtube-Vloggern, die ihre Abenteuer verfilmen, ist das Konzept des Reisens zum wesentlichen Teil unseres digitalen Lebens geworden. Aber auch Reiseblogs mussten irgendwo anfangen. Habt ihr euch jemals gefragt, wer der erste Reiseblogger war und wie das alles eigentlich angefangen hat?

Um diesen beiden spannenden Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich die Geschichtsbücher durchforstet, um mehr über den ersten Reiseblog der Welt herauszufinden. Meine intensive Suche führte mich zu einem Mann namens Jeff Greenwald, aus der Bronx in New York. Heute erfahrener Schriftsteller und Journalist, durchlief er bereits eine unglaublich umfangreiche und sich über verschiedene Medien erstreckende Karriere – sowohl schriftlich als auch digital.

So beeindruckend sein literarischer Hintergrund auch sein mag, seine einzigartige Verbindung zum Reisen und Bloggen ist es, was meine Vorstellungskraft wirklich beflügelte. Jeff Greenwald ist sozusagen der Großvater des Reiseblogs, wie wir ihn heute kennen. Er reiste um die ganze Welt, schickte Lesern News und Berichte zu einer Zeit, als wir uns noch mit einer unzuverlässigen Internetverbindung rumquälten, die im Wesentlichen noch in den Kinderschuhen steckte. Ein echter Pionier – und dazu noch ein fantastischer Geschichtenerzähler.

Ich hatte das Glück, mich mit Jeff Greenwald auszutauschen und spannende Geschichten und Fakten zu seiner Karriere und dem Thema Reisen kennenzulernen.

Schilder zeigen Wegweiser von Ländern auf der ganzen Welt

Interview mit Jeff Greenwald

Der erste Reiseblog | Ethisch Reisen | Zukunftspläne | Interview

Der erste Reiseblogger der Welt – Wie alles begann

Es gibt einen Mann, dem wir den modernen Reiseblog, wie wir ihn kennen, zu verdanken haben: Jeff Greenwald. Witzigerweise kommt er jedoch nicht aus einer viel-reisenden Familie.

Es waren Bücher wie der Sierra Club’s Reiseführer über die Landschaften Arizonas und epische Filme wie Lawrence von Arabien und 2001: Odyssee im Weltraum, die seinen Durst darauf, die Welt zu entdecken, auslösten. Und ich kann das natürlich vollkommen verstehen – ich erinnere mich selbst daran, als ich Lawrence von Arabien zum ersten Mal gesehen habe und wie erstaunt ich darüber war, wie es gelungen ist, den Sinn für Abenteuer so genial einzufangen. Ich wollte am liebsten direkt in die nächste Maschine steigen und ganz im Indiana Jones-Stil um die Welt fliegen!

Costa Ricas schöne Natur
Jeff Greenwald auf Reisen

Es war letztlich ein schicksalhafter Urlaub in Thailand, der den Beginn einer lebenslangen Reise- und Schreibkarriere für Jeff markieren sollte:

Als Jeff mit einem Freund durchs Land reiste, brach im benachbarten Kambodscha ein Bürgerkrieg aus. Nachdem er sich in einem der Flüchtlingslager freiwillig gemeldet hatte, kehrte er schließlich in die USA zurück und schrieb einen Bericht über seine Erfahrungen als Freiwilliger. Seine Erzählungen wurden von einer lokalen Nachrichtenagentur Kaliforniens aufgenommen. Das positive Feedback, dass er dafür bekam, verschaffte Jeff einen Job als Feature-Editor. Alles Weitere ergab sich wie von selbst.

Jeff Greenwald im Jahr 1994
Jeff Greenwald im Jahr 1994

Aber wie um alles in der Welt kam es eigentlich zum Übergang von Print zu Digital – vor allem zu einer Zeit, als das Internet quasi neu war? Die Antwort liegt in Jeffs genialer Idee, den Globus zu umrunden… ohne ein Flugzeug zu betreten. Er ließ sich vom sogenannten Kora inspirieren, einer religiösen Praxis in Asien, bei der Pilger buchstäblich eine heilige Stätte oder einen Schrein umrunden. Jeff sah seine Umrundung des Globus als eine Art übergroße Kora. Sein Ehrgeiz brachte ihm schließlich einen Buchvertrag ein und ihn, Jeff, in Kontakt mit O’Reilly, die Firma die für den weltweit ersten Web-Browser Mosaic verantwortlich ist. Während seiner Reisen schickte Jeff Berichte an O’Reilly, im Gegenzug luden sie seine Texte hoch und stellten sie auf eine interaktive Karte: im Grunde den ersten Reise-Blog der Welt.

Es dauerte drei Tage den ersten Bericht online zu stellen

Heutzutage stellen wir binnen Minuten eine interaktive Karte mit individuellen Wegpunkten zusammen. Deshalb ist es schier unglaublich, dass dies zu der Zeit von Jeffs Anfängen eine große technische und logistische Herausforderung war. Es dauerte drei Tage, um den ersten Bericht aus Oaxaca, Mexiko, zu senden und es dauerte eine Stunde, um das zweiseitige Dokument einfach auf die Website hochzuladen. Es ist wirklich unfassbar, dass Jeff den Wandel und die Entwicklungen der digitalen Welt gesehen und live miterlebt hat, besonders im Kontext des Schreibens und Bloggens über seine Reisen.

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Heutzutage ist die digitale Welt nicht mehr wegzudenken

Ethisch Reisen – das Ethical Traveler Projekt

„Der erste Travel Blogger der Welt“ ist nicht das einzige Vermächtnis hinter Jeff Greenwalds Namen. Er steht auch für den Aktivismus dank seines Projekts Ethical Traveler. Als Non-Profit-Organisation dient der Ethical Traveler dazu eine Gemeinschaft der Weltreisenden zusammenzubringen und sie für den Wandel zu vereinen. Ob Umweltprobleme, wie Entwaldung und Überentwicklung, oder humanitäre Probleme, wie Flüchtlinge oder Menschenhandel, die Ethical Traveler hat im Blick was in unserer Welt vor sich geht – und schafft das Gefühl, Teil einer globalen Gemeinschaft zu sein.
Ein Beispiel war der illegale Haiflossenhandel in Costa Rica: Hier wurden die Flossen von lebenden Haien abgeschnitten und nach China geschickt, wo man die Flossen zu Haifischflossensuppen verarbeitete und die Haie einfach wieder ins Meer zurückbrachte – dem Tode ausgesetzt. Nach der Zusammenarbeit mit PRETOMA, einer gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Costa Rica, die sich für Meeresschutz und -forschung einsetzt, sorgte Ethical Traveler für massive Veränderungen im Land. Ein privater Hafen wurde geschlossen, die Zollkontrollen verstärkt und man richtete sogar ein neues Meeresschutzgebiet rund um die Ufer des Cocos Island National Park ein. Eine Leistung, die zeigt, dass sich die Welt wirklich mit den Themen und Problemen auseinandersetzen muss, die etwas verändern können

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Auch Costa Ricas Natur und Lebewesen müssen geschützt werden

Die ethischsten Reiseziele der Welt im Jahr 2018:

Eine Sache, die ich persönlich an Ethical Traveler liebe, ist die Liste der ethischsten Reiseziele der Welt, die jedes Jahr aufs Neue veröffentlicht wird. Jede Menge Forschung fließt in die Erstellung dieser Liste und strenge Kriterien, die in eine der drei Kategorien fallen: Umweltschutz, soziale Wohlfahrt und Menschenrechte. Probleme wie das Finning von Haifischen können dazu führen, dass ein Land seine Auszeichnung verliert, aber es gibt immer die Möglichkeit es besser zu machen. Costa Rica hat sich mit der Einführung von großartigen Sozial-, Menschenrechts- und Umweltrechtsreformen von den Problemen des illegalen Hai-Finnings gelöst und ist damit auf der diesjährigen Liste vertreten. Wenn ihr euch auch politisch engagieren wollt, euch das Thema ethisches Reisen interessiert oder ihr einfach nur eine wirklich gute Lektüre lesen wollt, dann empfehle ich euch in die ethischsten Reiseziele der Welt reinzuschauen.

Belize ist auf Platz 1 der ethischten Reiseziele 2018
Auf Platz 1 der ethischsten Reiseziele 2018: Belize

Guru-Tipp: Hört euch auch mal den Ethical Traveler Podcast an! Es wird alle 3 – 4 Wochen eine neue Episode veröffentlicht und jede ist voll mit Interviews und Geschichten, die einem die Augen öffnen und sogar mit Musik-Showcases aus der ganzen Welt.

Zukunftspläne – Jeffs Bucketlist

Bei jemandem, der schon so weit gereist ist und schon fast die ganze Welt gesehen hat, vergisst man schnell, dass sogar Jeff selbst noch einiges auf seiner Bucketlist stehen hat!

Irland, zum Beispiel, ist ein Land, das seiner Meinung nach auf jeden Fall zu den Ländern gehört, die man unbedingt gesehen haben muss. Auch Afrika ist für Jeff ein Must-See: Südafrika, Tansania und Kenia hat er besonders betont und das zurecht. Alle drei Länder zeigen die Schönheit und Erhabenheit, die Afrika auszeichnet. Die riesigen, scheinbar endlosen Naturschutzgebiete zu erkunden und die Big 5 hautnah zu erleben, ist eines der coolsten Reiseerlebnisse, die man sich vorstellen kann.

Interessanterweise war auch die Antarktis auf Jeffs Bucketlist, was ich sehr spannend finde. Mit Jeffs Fokus auf ethisches Reisen und dem drängenden Problem des Klimawandels, der stets für Schlagzeilen sorgt, kann ich verstehen, warum er sich zu diesem eisigen Kontinent hineingezogen fühlt. Hier können wir noch viel von den einzigartigen Ökosystemen lernen. Heute ist es mehr denn je notwendig, das Bewusstsein zu schärfen, um den sehr empfindlichen und fragilen Teil der Welt zu schützen und uns zu bewahren.

Beim Reisen dürfen wir den Schutz der Umwelt nicht vergessen
Beim Reisen dürfen wir den Schutz der Umwelt nicht vergessen

Hört euch das Original Interview im Gurucast an!

Jeff Greenwald ist eine wirklich faszinierende und inspirierende Person mit so vielen spannenden Geschichten. Wollt ihr euch das Interview selbst anhören? Dann schaut doch mal im Gurucast vorbei. Dort findet ihr die spannenden Geschichten von Jeff, aber auch viele andere coole Interviews mit faszinierenden Persönlichkeiten.

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