Bianca ist 24 Jahre alt und studiert Soziale Arbeit. Steffi ist 25 Jahre alt und hat ihren Bachelorabschluss (Soziale Arbeit) bereits in der Tasche. Andere Mädels in ihrem Alter verbringen die Wochentage am Campus und lernen, um dann am Abend und am Wochenende mit den Freunden auszugehen und die Freiheit des Studentenlebens zu genießen. Bei Bianca und ihrer Freundin Stefanie läuft das ein bisschen anders. Beide leben derzeit in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Der östlich gelegene afrikanische Staat ist vielen nicht wirklich ein Begriff, doch die beiden Studentinnen zog es genau hier her, in die hektische und unübersichtliche Großstadt in Uganda.

Grund für ihren Aufenthalt ist ein Praktikum beim deutschen Projekt „Hoffnung spenden e.V.“. Vor 9 Jahren gründete die Deutsche Bernadette Kowolik nach einem mehrmonatigen und wiederholten Aufenthalt in Uganda das Hilfsprojekt für Straßenkinder. Heute leben hier 16 Jugendliche im Alter von 5 bis 21 Jahren gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Betreut werden sie unter anderem von Sozialarbeitern und derzeit eben auch von Bianca und Stefanie. Mir haben die beiden Studentinnen von ihrem Leben in Kampala und ihrem Engagement berichtet.

Afrika, Uganda, Hoffnung spenden
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„Hoffnung Spenden“ gegen Gewalt und Hilflosigkeit

In einem Heim betreuen wir derzeit 16 Jungen im Alter von 5 – 21 Jahren, welche zuvor auf der Straße gelebt haben. Ihr Alltag war vorher von Gewalt und Hilflosigkeit geprägt. Im Heim bieten wir ihnen die Chance in ein „normales“ Leben zurück zu kehren. Sie erfahren, was es bedeutet Teil eines Ganzen, eines Systems Familie zu sein. Sie lernen Verantwortung zu tragen und Regeln zu befolgen. Durch unser Sponsorenprogramm wird es allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht die Schule zu besuchen. Neben dem Heim betreuen wir Kinder, Familien und alte Menschen in einem Slum (Katwe) in Kampala.

Der Alltag der beiden Studentinnen unterscheidet sich ganz eindeutig von unserem hier in Europa. Strom und Internet funktionieren teilweise nur sporadisch, das erschwert den regelmäßigen Kontakt zu den Daheimgebliebenen in Deutschland  sehr. Aber auch alle alltäglichen Aufgaben gestalten sich oft schwieriger als in hierzulande.

Wir haben eigentlich keinen wirklichen Alltag hier, weil wir viele organisatorische Aufgaben mit übernehmen. Die Arbeit ist jeden Tag anders und daher sammle ich jeden Tag neue Erfahrungen. Beispielsweise gehen wir, wenn das Semester der Kinder beginnt, von Schule zu Schule und bezahlen die Gebühren.

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Zwei Tage in der Woche gehören den Familien in Katwe, erst vor kurzem haben wir vor Ort ein „Office“, sowie einen zweiten Raum angemietet um die Menschen dort ebenfalls zu unterstützen. Dienstags haben wir unseren „Office“-Day, an diesem können die Familien zu uns kommen und wir versuchen ihnen bei Fragen, organisatorischen Angelegenheiten, Aufklärung, Klinik Besuchen etc. zur Hand zu gehen. Der Donnerstag gehört den Kindern in Katwe, wir bieten Workshops an, spielen mit den Kindern, helfen bei Hausaufgaben und stehen auch ihnen zur Seite, falls irgendwelche Fragen oder Probleme aufkommen.

Montags, Mittwochs und Sonntags sind wir immer bei unseren Jungs im Heim von Mutundwe. Da die großen Jungs während der Woche bis 17/18 Uhr in der Schule sind bzw. erst dann wieder nach Hause kommen, kümmern wir uns in der Zeit um die Jüngeren. Mittwochs bieten wir „creative learning“ an, dabei lernen sie spielerisch Englisch. (Jede Woche überlegen wir uns ein Thema z. B. das Wetter und basteln mit den Kindern dazu passende Symbole wie Wolken, Sonne, Regentropfen, Blitze und dabei lernen sie die Sprache).

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Jeder Tag in der chaotischen Stadt bietet neue Überraschungen

Obwohl Kampala als Hauptstadt von Uganda viel zu bieten hat, muss man sich im Klaren darüber sein, dass hier nicht die westlichen Standards gegeben sind, die wir von zu Hause kennen. Das Leben ist um einiges lauter und chaotischer. Außerdem muss man viel Zeit und Geduld mitbringen, da die Uganda es nicht wirklich mit der Pünktlichkeit haben. Ich habe früh gelernt, dass Uganda sehr kontrastreich ist: Arm und Reich, Stadt und Land, Schwarz und Weiß. Als Weiße wird einem häufig „Mzungu!“ hinterher gerufen. (Mzungu- Weiser/Weise) Dabei spürt man ohne die Sprache zu verstehen, dass es manchmal sowohl freundlich und neutral als auch abwertend oder sogar in einer Beschimpfung verwendet wird. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist hier viel größer als in Deutschland. Das Leben hier hält mir vor Augen, was für einen Wohlstand wir in Deutschland genießen, im Vergleich zu anderen Ländern. Und dennoch sind die meisten Menschen, obwohl sie so wenig besitzen oder vielleicht genau deshalb, unglaublich herzlich und lebensfroh und vermitteln ein ganz anderes Lebensgefühl. Sie machen aus dem was sie haben das Beste und unterstützen sich gegenseitig. Es besteht ein unglaubliches Zusammenhörigkeitsgefühl.

Hoffnung Spenden e V

Einzigartige Momente, die man nicht mehr vergisst

Ein gutes Beispiel für die Herzlichkeit der Menschen hier in Kampala ist eine Dame namens Helen. Etwa fünf Minuten von unserem Zuhause hat sie ein kleines „Restaurant“ (Holzhütte) und zaubert unglaublich leckeres einheimisches Essen für umgerechnet 1 Euro pro Mahlzeit. Und von Anfang an habe ich sie schon in mein Herz geschlossen, sie sprüht vor purer Lebensfreude und freut sich immer, wenn man vorbei kommt um bei ihr zu essen, umarmt uns, setzt sich zu uns und unterhält sich einfach mit uns. Und wenn sie lacht, dann geht einem das Herz auf, weil sie dabei einfach pure Lebensfreude ausstrahlt. (Irgendwie kann man das nicht in Worte fassen, was ich empfinde, wenn sie lacht, es macht einen aber auch einfach mit glücklich)

Einer der schönsten Momente, auch wenn es sich kitschig anhört, ist es wenn unsere Kinder lachen und glücklich sind und dabei ihre Vergangenheit vergessen und nach vorne blicken. Es berührt einen wirklich, wenn man sieht, wie unsere Kinder Spaß haben und das Leben genießen. Erst vor 2 Wochen haben wir mit den Kindern das Video von Pharell Williams – Happy nachgedreht und es war ein wunderschöner Tag, weil die Kinder ausgelassen getanzt und gelacht haben. Außerdem macht es mich glücklich zu sehen, wie stolz unsere Jungs sind, wenn sie gut in der Schule sind und sehen, dass sich ihre Anstrengungen lohnen.

Das Video gibt es mittlerweile bei auch Youtube. Die Lebensfreude der Kinder und die Fröhlichkeit, die sie im Video ausstrahlen, sind wirklich beeindruckend und gehen als Herz. Im Video sind übrigens auch die beiden deutschen Studentinnen in Aktion zu sehen!

+++UNDBEDINGT SEHENSWERT+++

 

Mit einer eigenen Geschäftsidee gegen die Abhängigkeit

Die gemeinnützige Organisation Hoffnung spenden e. V. finanziert sich nur durch Spenden, die Bernadette, die Gründerin des Projekts vor allem hier in Deutschland auf verschiedene Weise sammelt. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, regelmäßig einmal im Monat einen gewissen Betrag zu spenden – dieser muss noch nicht mal hoch sein. Schon ein Euro kann helfen, davon ist Bianca überzeugt. Wer möchte, kann sich direkt als Praktikant/Praktikantin bewerben und an einem der vielen wertvollen Projekte in Uganda teilhaben und seine Arbeitskraft und frische Energie mit einbringen. Nicht nur „Hoffnung spenden“ kann helfende Hände gebrauchen, auch die anderen Projekte in der Stadt benötigen engagierte Mitarbeiter.

Hoffnung Spenden Uganda

Um nicht nur von den Spenden aus Deutschland anhängig zu sein, haben sich Bianca und Stefanie eine tolle Geschäftsidee überlegt.

Gemeinsam mit meinen ugandischen Kollegen vor Ort haben wir einen Business Plan entwickelt. Unser Plan ist es ein Geschäft zu eröffnen, über welches das Projekt vor Ort eigenes Einkommen erzielen kann. Dadurch möchten wir mit der Zeit sicherstellen, dass wir nicht zu 100% von Spenden abhängig sind und unsere laufenden Kosten, insbesondere die teilweise sehr hohen Schulgebühren, dauerhaft gedeckt sind.

Bei dem Geschäft handelt es sich um einen Festzelt- und Zubehörverleih. Dies ist in Kampala eine aufstrebende Branche, die sehr gefragt ist. Wir möchten einige Partyzelte und Stühle anschaffen, welche wir dann an Personen verleihen. Dazu gehört natürlich auch der Aufbau der Zelte. Außerdem bietet dies die Möglichkeit, einige von unseren älteren Jungs mit einzubeziehen und ihnen dadurch wertvolle Fertigkeiten zu vermitteln.

Hoffnung spenden Uganda

Auch wollen wir, wenn Interesse seitens der Jugendlichen besteht, eine Person zur Dekorateurausbildung schicken, der dann später im Geschäft diesen Part zu übernehmen kann. Wenn wir es schaffen, das Startkapital aufzubringen und das Geschäft zum Laufen zu bringen, können wir dem Projekt und vielen Menschen die damit in Verbindung stehen oder gar davon abhängig sind, ein Stück mehr Sicherheit für die Zukunft bieten.

Ein Zeltverleih soll also helfen, die laufenden Kosten zu decken und kann gleichzeitig einigen der Jugendlichen einen soliden  Ausbildungs- und Arbeitsplatz bieten. Wenn ihr die beiden und das Projekt Hoffnung spenden unterstützen wollt, dann solltet ihr nicht zögern. Folgt einfach diesem Link auf die  Webseite von Hoffnung spenden e.V.

Dort findet ihr alle weiteren Informationen zu diesem tollen Projekt. Im folgenden Video seht ihr übrigens auch nochmal Bernadette, die Gründerin des Heimes im Gespräch mit Frank Elstner.