Am 29.06. verwandelt sich die Weinstadt Haro in der Region La Rioja wieder in ein Schlachtfeld – nämlich dann, wenn sich gut zehntausend Winzer, Weinfreunde und Feierwütige zu einer opulenten Traubenschlacht auf die Straße begeben.

Zwar fließt der Alkohol bei dieser Veranstaltung in Strömen, das bedeutet aber noch lange nicht, dass es hier wüst, rau und hemmungslos zugeht. Ganz im Gegenteil! Es wird zwar ausgelassen gefeiert, doch Respekt und Rücksichtnahme spielen eine große Rolle und zudem landet der viele Alkohol eher „auf“, als „in“ den Köpfen der Teilnehmer. Wie das ganze Spektakel abläuft und warum sich erwachsene Menschen mit Traubensaft begießen, das erkläre ich euch jetzt.

Die Haro Weinschlacht

Die Weinschlacht | Die Tradition | Eure Reise

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Noch liegt alles ruhig und friedlich da. Noch…

In Haro bleibt kein Auge trocken

Wenn die Teilnehmer am Morgen der Haro Weinschlacht gegen 7 Uhr in Richtung der Klippen von Bilbao ziehen, deutet für Außenstehende noch nichts auf das ausschweifende, feucht-fröhliche Gelage hin, das allen Teilnehmern früher oder später bevorsteht.

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Foto: lakov Filimokov/shutterstock.com

Fröhlich plaudernd, wandert das Grüppchen die Straßen entlang; lediglich die Tatsache, dass alle in weiße Shirts gehüllt sind und verschiedene, mit Wein gefüllte Behältnisse unter dem Arm tragen, lässt einen dann doch stutzig werden. Mit dem Bürgermeister an der Spitze, zieht die riesige Prozession voran, um wenig später an den Klippen Bilbios eine Messe zu Ehren des Schutzpatronen San Pedro abzuhalten. Nach der Messe ist dann aber der Zeitpunkt gekommen, auf den wohl alle sehnsüchtig gewartet haben: Wasser, nein, Wein marsch! Lasset die Weinschlacht beginnen!

Unter lautem Gekreische und Gelächter werden die mitgebrachten Weinkaraffen und -eimer über den Köpfen der anderen Teilnehmer entleert und erst, wenn ein jeder von Kopf bis Fuß von Wein durchtränkt ist, wurde die Weinschlacht richtig begangen. Jetzt versteht ihr sicherlich auch die Notwendigkeit der weißen T-Shirts! Sollten zwischen all dem Pink und Rot noch weiße Flecken zu erkennen sein, weiß jeder Teilnehmer ganz genau, dass die Weinschlacht noch kein Ende gefunden hat.

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Foto: lakov Filimonov/shutterstock.com

Ist auch das letzte weiße T-Shirt von oben bis unten eingefärbt, zieht es die Masse wieder zurück in die Stadt und dort zur Plaza de la Paz. Bei einem gemeinsamen Essen werden nun auch die Kehlen mit den edlen Tropfen befeuchtet und der Hunger nach dem anstrengenden Marsch gestillt. Stierkämpfe runden den Abend für die jungen Gäste der Weinschlacht ab, doch, keine Sorge, es handelt sich hierbei nicht um die blutrünstigen Kämpfe, die ihr aus den Arenen Spaniens gewohnt seid.

Die Fehde zweier Städte

Wie sollte es auch anders sein, beginnt auch diese Geschichte mit einer Streitigkeit zwischen zwei benachbarten Städten. Zumindest lautet so eine der zwei Theorien, die sich um den Ursprung der Weinschlacht ranken. Miranda de Ebro ist Haros Nachbargemeinde und war der Kleinstadt vor einigen Jahrhunderten wohl nicht so wohl gesonnen, sodass es zu einem Territorialstreit kam. Was früher wohl noch blutig ausgetragen wurde, wird heute durch die Weinschlacht symbolisiert, wobei der dunkelrote Traubensaft auch gut als Synonym für das vergossene Blut stehen könnte. Die zweite Theorie solltet ihr eher mit einem zwinkernden Auge betrachten, sie besagt nämlich, dass ein scherzhaft gemeintes Trinkgelage am Ende einer Wallfahrt der Auslöser für die heutige Schlacht sein soll. Wann genau sich aber alles zu dieser feucht-fröhlichen Weinschlacht gewandelt hat, vermag niemand so genau sagen zu können.

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Foto: lakov Filimonov/shutterstock.com

Eure Reise zur Weinschlacht

Beeilt euch! Packt euer weißes Shirt in den Koffer und macht euch auf gen Haro. Momentan sieht es außerdem nicht danach aus, als würde das Festival in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden. Dafür war die Schlacht 2015 mit über 10.000 Gästen und etlichen hundert Litern Wein einfach ein zu großer Erfolg. Markiert euch schon einmal die letzte Juniwoche 2017 rot im Kalender, damit ihr die nächste Haro Weinschlacht auf gar keinen Fall verpassen werdet.

Titelbild: lakov Filimonov/shutterstock.com