Nachhaltigkeit spielt auch beim Reisen eine wesentliche Rolle. Das erkennen zum Glück auch immer mehr Orte und Länder, die sich auf die Top 100 der nachhaltigen Green Destinations bewerben. Was genau dahinter steckt und wieso das ganze so wichtig ist, erfahrt ihr jetzt.

Während ich quer durch die Welt reise, kommt mir ein Thema immer wieder in den Sinn: Umweltschutz. Ich finde, gerade in unserer heutigen Zeit wird es immer wichtiger über Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu sprechen, auch wenn es um das Erkunden neuer Destinationen geht. Inmitten einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft wird die Frage nach der Zukunft unseres blauen Planeten leider immer lauter. In vielen meiner Reisemagazin Artikel habe ich mich schon mit Themen wie umweltbewussten Reisen und den Folgen von Massentourismus und Tierquälerei beschäftigt, denen wir auch auf sonst so wunderschönen und horizonterweiternden Reisen begegnen. Vielleicht seid ihr bei euren Reisen auch schon auf die Verschmutzung von Stränden aufmerksam geworden oder habt von der Überfischung der Ozeane gehört. Wenn ihr euch beim Entdecken neuer Orte genau wie ich für das Thema Nachhaltigkeit interessiert, dann ist dieser Artikel genau das Richtige für euch! Neulich bin ich bei meiner täglichen Recherche im Netz auf eine Organisation aufmerksam geworden, die sich Green Destinations nennt. In diesem Artikel möchte ich euch die Organisation gerne genauer vorstellen, da mich ihre Arbeit wirklich begeistert hat.

Die Green Destinations

Was ist das? | Die Grundwerte | Warum gibt es die Organisation?

Ermittlung der Top 100 | Community und ihre Botschafter Top Destinationen 

Was habt ihr davon? 

Was sind die Green Destinations?

Der Name lässt es schon vermuten: Es geht der Organisation grob gesagt um grüne Destinationen, also um all jene Orte, die sich für ihre Umwelt einsetzen oder dies zukünftig tun können. Dahinter steckt aber noch ein bisschen mehr. Die Green Destinations sind eine Non-Profit-Organisation, die sich für nachhaltigen Tourismus rund um den Globus einsetzt.

Ihr könnt euch das Ganze wie eine große, global vernetzte Partnerschaft von Unternehmen, akademischen Einrichtungen und auch von Organisationen vorstellen. Diese verschiedenen Partner sind alle in einem speziellen Gebiet, das die Umwelt, die Bevölkerung und auch die Touristikbranche angeht, Experten. In einem großen Netzwerk tauschen sie sich aus, helfen sich gegenseitig bei der Austüftelung und Verwirklichung neuer Ideen und Projekte, die den Destinationen in Zukunft behilflich sein können. Diese Experten arbeiten also für die Green Destination Community. Mit dieser versuchen sie, Pläne für die Zukunft bestimmter Orte zu schmieden und sie vor allem nachhaltiger zu gestalten.

Die Grundwerte für die Green Destinations: GREEN

G: Genuie & Authentic – Echt und authentisch: Hierbei geht es um die Unterstützung der lokalen Kultur und der Traditionen der Einwohner in einem Gebiet. Die Menschen sollen weiterhin ihren Gepflogenheiten nachgehen, sodass Bräuche und Rituale nicht in Vergessenheit geraten.

R: Responsible – Verantwortung: Es ist wichtig, die Bevölkerung an einer Destination vor Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen zu schützen und ihr Leben so lebenswert zu gestalten. Dies beinhaltet auch, dass Menschen mit Einschränkungen Unterstützung erhalten und ihnen so das Leben erleichtert wird.

E: Economically sustainable – Wirtschaftlich nachhaltig: Die lokale Geschäftswelt in den Destinationen soll verstärkt und geschützt werden. So sollen zum Beispiel die Beschäftigung und Arbeitsangebote der lokalen Bevölkerung auch außerhalb der Touristensaison verbessert und so das Leben in diesen Gebieten vom Tourismus unabhängiger gestaltet werden.

E: Environmentally sustainable – Umweltverträglichkeit: Dieser Punkt beinhaltet die Sicherung der öffentlichen Gesundheit, also die Grundversorgung mit nötigen Medikamenten und allem, was zum gesundheitlichen Wohlbefinden der Bevölkerung dazugehört. Dazu zählt auch, dass die Sicherheit der Bevölkerung an diesem Ort gewährleistet ist. Auch ein solides Umweltmanagement ist unter diesen Punkt dazu zufassen.

N: Nature & Scenery – Natur und Landschaft: Dieser Punkt berücksichtigt den Schutz der Natur an den jeweiligen Destinationen. Besonders wichtig ist hier in erster Linie der Schutz der Landschaften und der Lebensräume der vielen verschiedenen Tierarten, die diese Orte so besonders machen. Ein meiner Meinung nach auch sehr wichtiger Aspekt ist die Achtung der Tiere, die direkt vom Tourismus betroffen oder mit diesem konfrontiert werden. Passend zu diesem Thema könnt ihr euch meinen Artikel über das Elefantenreiten durchlesen.

Wie ihr seht, geht es Green Destinations um sehr viel mehr, als nur um den einfachen Naturschutz. Die gesamte Destination mit ihrer Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt soll nachhaltig ausgebaut und geschützt werden. So kann in der Zukunft hoffentlich das friedliche Zusammenleben aller gesichert werden.

Bhutan zählt zu den grünsten und nachhaltigsten Destinationen der Welt

Warum ist umweltbewusstes Reisen so wichtig?

Die Einführung dieser grünen Richtwerte gibt den verschiedenen Reisezielen, unabhängig von ihrem Standort und den Voraussetzungen, einen Leitfaden, an welchem sie sich orientieren können. Sie können hierbei nicht nur ihre Attraktivität für Urlauber und Touristen und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, sondern tun gleichzeitig etwas Gutes für die Einwohner und die Natur.

Nachhaltige Touristen gehen respektvoller mit der Natur und den Einwohnern eines Ortes um.

Es ist also eine ganz klare Win-Win-Situation für die Destinationen. Denn je grüner und nachhaltiger die jeweilige Destination gestaltet und gehalten wird, desto mehr lockt sie auch nachhaltige Besucher an. Diese wissen die gute Erhaltung der Kultur und Natur zu schätzen und verhalten sich demgegenüber auch dementsprechend respektvoll.

Um die grünen Destinationen bei genau diesen Urlaubern präsent zu machen, arbeitet Green Destinations mit verschiedenen Tourismusunternehmen und Medienpartnern zusammen. Das immer größer werdende, grüne Angebot soll die Leute darauf aufmerksam machen, dass ein vorausschauendes Verhalten auch während des Reisens besonders für die Zukunft dieser Destination und darüber hinaus der ganzen Welt sehr wichtig sein kann.

Auch Massentourismus spielt hierbei eine große Rolle. Natürlich wollen wir alle wunderschöne Orte wie Venedig oder beeindruckende Bauwerke wie das Taj Mahal sehen. Doch zerstört dieser Massentourismus langsam aber konstant eben genau diese wundervollen Orte, wenn sie nicht gut auf die Massen von Menschen vorbereitet sind. Green Destinations will auch dem entgegenwirken.

Wie werden die grünsten Destinationen ermittelt?

Green Destinations hat ein eigentlich ganz einfaches Zertifizierungsprogramm entwickelt, dem sowohl kleine als auch größere Destinationen gerecht werden können.
Mit Hilfe von Daten, die auf circa 2.000 Destinationen in 190 verschiedenen Ländern basieren, sollen die Destinationen ihr Nachhaltigkeitsmanagement und ihre Leistungen verbessern können. Es gibt rund 100 verschiedenen Indikatoren, an denen die Qualität der Reiseziele gemessen wird. Aus diesen ergeben sich am Ende die Ergebnisse für die Gesamtwertungen der Destinationen, die auf einer Skala von 1 bis 10 abgelesen werden können.

  • Destinationsmanagement (Angebote und Interessen der Destinationen)
  • Natur und Landschaft
  • Umwelt und Klima
  • Kultur und Tradition
  • Wohlergehen der Bevölkerung
  • Business und Gastfreundschaft / Umgang mit Tourismus

Green Destinations Community und ihre Botschafter

Kernstück der Green Destinations ist ihre große globale Community. In dieser können sich die Mitglieder über ihr Wissen und ihre Erfahrungen austauschen und so voneinander lernen und sich gegenseitig bei Projekten helfen, die die Nachhaltigkeit der Orte verbessern sollen.

Die Green Destination Community ist die größte nachhaltige Destinationen Community der Welt.

Die Mitglieder dieser Community sind die Botschafter der einzelnen Destinationen. Genauer gesagt sind das die Personen, die sich für das Wohlergehen und für die Entwicklung eines nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismus in ihrer Destination einsetzen, also Experten aus alles möglichen Bereichen und auch diejenigen, die neue Ideen an die Verantwortlichen herantragen, um diese wirklich umzusetzen. Im besten Fall sollen alle Mitglieder der Community ihre Erfahrungen mit anderen Botschaftern in der ganzen Welt teilen. So können an verschiedenen Orte grüne Lösungen für Probleme aller Art gefunden und umgesetzt werden. Dies drückt sich natürlich im Endeffekt sehr positiv auf die Umwelt und die Einwohner aller Destinationen aus, da jeder Ort seinen kleinen Teil zum großen Ganzen beiträgt und niemand mit seinen Problemen wirklich alleine dasteht.

Die grünsten Destinationen in 2017

Seit einigen Jahren haben die Destinationen die Möglichkeit, sich bei dem Wettbewerb der Gobal Top 100 zu bewerben. Dieser wird von den zehn führenden nachhaltigen Tourismusorganisationen und -netzwerken organisiert und ausgetragen.

Einen 100%-igen nachhaltigen Tourismus gibt es noch nicht. Doch viele Destinationen sind auf einem guten Weg dorthin.

Das Ziel hierbei ist es, die Erfolgsgeschichten von den einzelnen Destinationen besonders hervorzuheben und ihre Vorgehensweisen auszutauschen, damit alle anderen Destinationen dieses Wissen anwenden können. Dabei steht der Wettbewerb immer unter einem anderen Motto. Der aktuelle Leitfaden lautet „Tourismus zugunsten der lokalen Bevölkerung“. Die Auswahl einer Destination in diese Top 100 bedeutet dabei jedoch nicht, dass es auch wirklich vollständig nachhaltig ist. Vielmehr bedeutet es, dass Anstrengungen und vielversprechende Fortschritte seitens der Destination zu sehen sind.

Während des Wettbewerbs des Jahres wurde deutlich, wieso die jeweiligen Gewinner den Titel der nachhaltigsten Destinationen auch wirklich verdient haben. Sie schafften es perfekt, die Qualität und Attraktivität der Destination zu schützen und auszubauen, während sie gleichzeitig auch die Nachhaltigkeit des Tourismus stärkten. Auch ist es ihnen gelungen, ihre lokale Bevölkerung in den Tourismus einzubinden und gleichzeitig den problematischen Massentourismus zu vermeiden, wie wir ihn täglich an vielen beliebten Destinationen erleben.

Damit ihr einen kleinen Eindruck der Sieger bekommt, habe ich hier für euch die Top 10 Destinationen aus dem letzten Jahr aufgelistet.

  • Top Stadt, Gemeinschaft & Kultur: QualityCoast von West Portugal
  • Top Natur: Chobe-Makgadikgadi-Okavango und Selinda in Botswana
  • Top Gewässer: Dutch QualityCoast Delta in den Niederlanden
  • Top Earth Award: Königreich Bhutan
  • Beste in Europa: Sloweniens Green Destinations
  • Beste in Afrika: Vulkan-Nationalpark in Ruanda
  • Beste im Asia-Pazifik-Raum: Hochgebirge Pamir in Tajikistan
  • Beste in Amerika: Vail in Colorado in den USA
  • Beste im Atlantik: Azoren, Portugal
  • Beste im Mittelmeerraum: Gozo, Malta

Top Destinationen in 2018

Bis Mitte Oktober laufen noch aktuell die Spätnummerierungen für die Top 100. Am 06. März 2019 werden dann auch schließlich in Berlin die neuen Top 100 verkündet. Passend zum aktuellen Motto suchen die Veranstalter dieses Mal nach Destinationen, die nicht unter Übertourismus leiden, beziehungsweise die Orte, die entsprechende Maßnahmen entwickelt und eingeleitet haben, falls nötig.

Wie könnt ihr mithelfen?

Euch liegt beim Reisen das Wohl der Natur, der Tiere und der Bevölkerung am Herzen? Dann habt ihr dank der Green Destinations die Möglichkeit, dies zu unterstützen. Zum einen könnt ihr direkt sehen, welche Orte jährlich in den Top 100 der Green Destinations Einzug gefunden haben und euch so Inspiration für neue Reiseziele holen.

Im September 2019 soll dann zusätzlich eine App auf den Markt kommen, die euch einen direkten Einblick in die Beschaffenheiten einer bestimmten Destination geben kann. So habt ihr nicht nur Zugriff auf grundlegende Informationen über eine Destination, sondern könnt gleichzeitig sehen, welche Fortschritte diese in der letzten Zeit gemacht hat.

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