Ein Land mit seinen Menschen hautnah kennenlernen, über den touristischen Tellerrand schauen und gleichzeitig noch etwas Gutes tun. Mit mehrwöchiger Freiwilligenarbeit in Asien, Südamerika, Ozeanien und Afrika könnt ihr euch sozial engagieren und gleichzeitig die Welt entdecken. Lest hier, worauf ihr dabei achten solltet.

Heute ist es als junger Mensch beinahe selbstverständlich, Auslandserfahrungen zu sammeln und sich für einen längeren Zeitraum in einem fremden Land aufzuhalten. Wer bei der Jobsuche auch noch vorweisen kann, dass er sich sozial engagiert hat, hat oftmals bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Andere möchten die Zeit zwischen Abitur und Studium einfach nutzen, um endlich mal das zu machen, wofür sie vorher nicht ausreichend Zeit hatten.

Freiwilligenarbeit im Ausland

Was erwartet euch? | Wie sehen typische Aufgaben aus?

Freiwilligenarbeit geht in der Heimat weiter | Schattenseiten der Freiwilligenarbeit

Private Alternative

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Es gibt immer mehr Agenturen und Reiseveranstalter, die Freiwilligenarbeit im Ausland anbieten, und euch schnell und einfach ein Projekt eurer Wahl auf der ganzen Welt vermitteln. Es liegt an euch, welches Land ihr bereist und in welcher Organisation ihr mithelfen möchtet: Englisch unterrichten in einer Schule in Laos, Meeresschildkröten schützen auf den Seychellen oder Tierschutz in Afrika?

Was erwartet euch?

Als Volontär werdet ihr eng mit dem fest angestellten Personal zusammen arbeiten und euren eigenen Aufgabenbereich bekommen. Nach einer Einarbeitung durch Kollegen könnt ihr so in kürzester Zeit selbstständig arbeiten. Wenn ihr beispielsweise gerne Erfahrungen als Lehrer sammeln möchtet, könnt ihr bei der Gestaltung der Unterrichtsstunden aktiv mithelfen –  selbst, wenn ihr gerade erst euer Lehramts-Studium angefangen habt. Bei Umwelt-Projekten wie beispielsweise dem Meeresschildkröten-Schutz oder Programmen zum Erhalt von Korallenriffen, helft ihr dabei, Maßnahmen umzusetzen, sodass die Natur nachhaltig geschützt ist. Der Vorteil von internationalen Projekten für Freiwilligenarbeit im Ausland: Ihr seid nicht allein und lernt andere Volontäre aus der ganzen Welt kennen.

Auch wenn ihr freiwillig arbeitet und keinen Lohn bekommt, müsst ihr damit rechnen, ca. 2.000€ für eure Reise der besonderen Art zu bezahlen. Zu den Programmkosten kommen Flug, Kosten für Reiseimpfungen und Visumsgebühren. Apropos Visum: Beachtet, dass ihr rechtzeitig ein Visum beantragen müsst, das auch für die gesamte Dauer des Aufenthalts gültig ist.

Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg iStock_000021962165_Medium_1920

Wie sehen typische Aufgaben aus?

Eure täglichen Aufgaben hängen immer von dem Projekt ab, für das ihr euch entscheidet. Die meisten Volontäre werden im Bereich Bildung und Erziehung gesucht, dicht gefolgt von Tier- und Naturschutz. Bevor ihr starten dürft, müsst ihr ein Motivationsschreiben verschicken. So können sich Volontär und Projektleitung sicher sein, dass die gleichen Zielen verfolgt werden und eine gute Zusammenarbeit garantiert ist. Wenn ihr bereits eine Ausbildung als Erzieher/in oder Pflegekraft absolviert habt, steigen eure Chancen, eine Stelle in eurem Wunschprojekt zu bekommen. Auch angehende Tierärzte sind gern gesehene Volontäre, die bereits Vorwissen mitbringen und bei Behandlungen tatkräftig unterstützen können.

Teenage Freunde heben Müll zu recyceln iStock_000074010197_Large_1920

Als Volontär in einem Waisenhaus seid ihr beispielsweise dafür zuständig, dass alle Kinder morgens geweckt werden, ihr Frühstück bekommen und in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Verbringen die Kinder den Tag im Waisenhaus, weil sie entweder noch zu jung sind oder aber eine Kindertagesstätte angeschlossen ist, dann spielt ihr mit ihnen, bastelt, lest Geschichten vor oder ihr besucht zusammen den nächst gelegenen Ort. Allerdings sind diese Projekte im Allgemeinen umstritten.

Viele Reiseveranstalter bieten Projekte mit Kleinkindern erst ab einer Dauer von acht Wochen an, um das Wohl der Kinder zu schützen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass es für die Kinder, die ohne Eltern aufwachsen, nicht schön ist, wenn sie in kurzen Abständen immer wieder eine neue Bezugsperson bekommen, die nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Ob zwei Monate allerdings ausreichen, um das emotionale Gleichgewicht der Kinder nicht zu stören, ist fraglich. Hier gilt es, skeptisch zu bleiben und euch selbst zu hinterfragen, ob ein anderes Projekt nicht mehr Sinn macht.

Street School in Lyari, Karachi
Foto: istockphoto.com/danishkhan

Auch die Aufgaben für Freiwilligenarbeit in Umwelt- und Naturschutzprojekten unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Wenn ihr euch für den Schutz von Meeresschildkröten engagiert, achtet ihr zum Beispiel darauf, dass die Schildkröten ungestört ihre Eier am Strand ablegen können und diese nicht geklaut werden. Aber auch Aufgaben, die nicht direkten Kontakt mit Tieren voraussetzen, sind von großer Bedeutung: Zäune müssen erneuert werden, Gehege gepflegt oder das Futter vorbereitet werden. Besonders in Afrika fehlt es an fließendem Wasser, weshalb hier besonders verstärkt nach Volontären gesucht wird, die dabei helfen können, Trinkwasserbrunnen zu bauen.

Freiwilligenarbeit geht in der Heimat weiter

Für eine erfolgreiche Freiwilligenarbeit im Ausland ist eine realistische Einstellung sehr wichtig. Ihr werdet mit Sicherheit nicht als großer, weißer Retter empfangen, der die armen Menschen aus dem Elend rettet. Auch werdet ihr mit eurem Tatendrang nicht von jetzt auf gleich wie ein Pionier alles umkrempeln können.

Beachtet, dass ihr gebraucht werdet, um vor Ort zu helfen, und die Situation, wie sie gerade ist, zu verstehen. Die richtige Freiwilligenarbeit beginnt meist erst dann, wenn ihr wieder zu Hause seid. Dann zeigt sich, inwiefern ihr nachhaltig gearbeitet habt: Berühren euch die kleinen Kinder aus dem afrikanischen Waisenhaus immer noch so sehr, dass ihr bereit seid, euch auch im Heimatland für sie einzusetzen? Erzählt ihr Freunden und Familie oder auch ganz Fremden von euren Erfahrungen, um eure Mitmenschen dazu zu bewegen, sich ebenfalls zu engagieren?

Schattenseiten der Freiwilligenarbeit im Ausland

So schön sich die Reisen der Volontäre auch anhören, es gibt auch eine Schattenseite, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Dort, wo es viele gutmütige Menschen gibt, gibt es leider auch immer schwarze Schafe.

Ein brutales Beispiel ist die Löwenaufzucht. Bei eurer Recherche nach passenden Projekten, die sich dem Tierschutz in Afrika widmen, werdet ihr mit Sicherheit immer wieder an Organisationen geraten, die euch versprechen, Löwenbabies groß zu ziehen, mit ihnen herumtollen zu können und sie hautnah zu erleben. Die Wahrheit ist, dass genau diese kleinen Löwen gezüchtet werden, um sie hinterher bei sogenannten Gatterjagden zu töten. Nach ihrer Geburt werden die Kleinen von ihrer Mutter getrennt. Oft wird erzählt, dass die Löwenmutter die Babies verstoßen hätte oder nicht genügend Milch für sie geben kann – das sind aber alles Lügen.

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Anschließend werden sie von Freiwilligen und Touristen, die es nur gut mit den Löwebabies meinen, von Hand groß gezogen. Wenn sie zu groß zum Spielen geworden sind, werden sie mit anderen Artgenossen in kleinen Gehegen aufgezogen, bis sie die richtige Größe erreicht haben, um bei einer Gatterjagd als Trophäe zu enden. Eine Gatterjagd bezeichnet eine Form von Jagdausflug, bei der das Tier in einem abgezäunten Landschaftsstrich ausgesetzt wird. Das Tier kann also gar nicht entfliehen und ist dem Tod geweiht.

Für die Züchter ist es ein profitables Geschäft: Jagd-Fans bezahlen bis zu 12.000€, um einen ausgewachsenen Löwen zu erschießen. Mit eurem Einsatz als Volontär helft ihr nicht den Löwen, sondern heizt das brutale Geschäft der Löwenjagden weiter an. Bitte überlegt euch gut, ob ihr nicht auf ein anderes Projekt umsteigen möchtet, das tatsächlich dem Schutz der Großkatzen zugute kommt.

Natürlich gibt es zwischen den schwarzen Schafen auch Projekte, die ihre Versprechen halten und das Wohl der Mitmenschen, Tiere und Natur an erste Stelle setzen. So, wie es eigentlich auch sein sollte. Informiert euch vorab genau über die Institution eurer Wahl, bei der ihr gerne Freiwilligenarbeit im Ausland absolvieren möchtet. Viele Unternehmen, die euch einen Platz vermitteln können, wissen von den Problemen und nehmen Projekte, die nicht ehrlich handeln, ganz aus ihrem Angebot.

Wenn ihr genauer wissen möchtet, welche Projekte weiterzuempfehlen sind und welche ihr lieber vermeiden solltet, dann schaut mal hier vorbei. Die Webseite Wegweiser-Freiwilligenarbeit gibt einen guten Überblick über alle FAQs.

WWOOF als private Alternative

Neben der professionellen Vermittlung gibt es natürlich auch immer noch die Möglichkeit, sich privat um einen Platz zu kümmern. WWOOF ist eine gute Alternative zu kostenintensiven Programmen, die ihr weltweit unternehmen könnt. WWOOF steht für „World Wide Opportunities on Organic Farms“ und bezeichnet eine Gemeinschaft von Menschen, die sich vorgenommen haben, möglichst naturverbunden zu leben. Online könnt ihr euch registrieren und die verschiedenen Mitglieder kennenlernen. Ein großer Vorteil ist dabei, dass ihr nur einmalig eine Versicherung von ca. 30$ (je nach Land) bezahlen müsst und vor Ort Kost und Logis gratis gestellt bekommt. Der Arbeitsaufwand pro Tag liegt bei 5 bis 6 Stunden. Ihr entscheidet selbst: Möchtet ihr auf einer Pferdefarm in Neuseeland oder lieber beim Maisanbau in Peru helfen? Als Volontär auf einer WWOOF-Farm seid ihr meist allein, was es aber nicht unbedingt schlechter macht. So bekommt ihr noch mehr von dem Familienleben mit und lernt ein Land und seine Leute hautnah kennen.

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Seid ihr bereit?

Freiwilligenarbeit im Ausland zu absolvieren ist nicht nur eine Bereicherung für euch, mit eurem Tun helft ihr auch nachhaltig euren Mitmenschen und der Natur. Wer in seinem Leben Zeit findet, sich einmal nicht um sich selbst zu kümmern, sondern andere voran stellt, sollte diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen. Nicht umsonst sagt man, dass den Leuten Gutes widerfährt, die selbst Gutes tun. :)