Fliegen mit Übergewicht ist für alle Beteiligten unangenehm. Aus diesem Grund hat Airbus die rekonfugierbare Passagierbank entworfen und zugleich patentieren lassen. Wie genau die aussehen soll, erfahrt ihr hier.

Ein dumpfer Schmerz zieht in den Rücken, der Tritt gegen den Sitz vom Hintermann hat gesessen. Lautes Schmatzen ertönt aus den vorderen Reihen einer Wiederkäuerin, die ihr Kaugummi schon seit gefühlt neunzig Minuten auf eine wilde Achterbahnfahrt durch ihren Mund schickt. Ausdünstungen des Nachbars steigen unweigerlich in die Nase – aha, gestern scheint es also Kohlsuppe gegeben zu haben. Ja, als Passagier im Flugzeug hat man es nicht immer leicht. Zumindest dann nicht, wenn man sich seine Sitznachbarn vorher nicht aussuchen kann. Aber das sind nur einige der Klischee-Passagiere, die einen über den Wolken in den Wahnsinn treiben können. Es gibt nämlich auch noch eine ganz andere Gruppe, die einem auf dem Langstreckenflug manchmal den letzten Nerv rauben kann – oder sollte ich vielleicht besser sagen, den letzten Nerv einklemmt?

Warum eine rekonfugierbare Passagierbank wichtig ist

Von ungewolltem Kuschelkurs und intensiver Tuchfühlung

Abhilfe schaffen durch rekonfugierbare Passagierbank

Top oder Flop?

Von ungewolltem Kuschelkurs und intensiver Tuchfühlung

Häufig kommt es vor, dass sich das hübsche Size-Zero-Model elegant an einem vorbeischlängelt, dann aber doch zwei Reihen weiter hinten Platz nimmt. Schade – oder vielleicht doch nicht? Immerhin befinden sich die Toiletten immer am Ende des Ganges. Genauso häufig kommt es aber auch vor, dass ein Plus-Size-Model erst über die eigenen Füße stolpert, dann über die der Sitznachbarn, um sich letztendlich bis zum Fensterplatz durchzuquetschen. Herzlichen Glückwunsch, das Malheur ist vorprogrammiert. Nein, das meine ich weder böse noch möchte ich mich darüber lustig machen. Aber es ist nun mal Tatsache, dass die Sitze (vor allem in der Economy Class) nicht die bequemsten sind und von Komfort zeugen. Und wenn der Sitznachbar ungewollt auf Kuschelkurs eingestellt ist und das ein oder andere Körperteil seinen Weg zu euch findet, kann man nur hoffen, dass es gestern wenigstens keine Kohlsuppe gab. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann hört der Spaß einfach auf. Ich bin mir sicher, dass viele von euch bereits einen Flug hinter sich haben, bei dem der Sitznachbar die gesamte Sitzfläche seines Platzes sowie darüber hinaus auch den einen oder anderen Quadratzentimeter von eurem Sitz für sich beschlagnahmt hat. Und da nicht jeder für übergewichtige Fluggäste Verständnis aufbringt, beschweren sich immer mehr Passagiere über jene Nachbarn bei den Fluggesellschaften, wenn sie über mehrere Stunden auf ungewollte Tuchfühlung miteinander gehen.

rekonfugierbare Passagierbank

Der Australier James Andres Bassos zog nach einem mehrstündigen Flug mit einem übergewichtigen Sitznachbar sogar vor Gericht und verklagte die Fluggesellschaft Etihad auf Schadensersatz. In etwa lauteten seine Worte, dass er seinen Körper auf dem Langstreckenflug zwischen Sydney und den Vereinigten Arabischen Staaten so sehr habe verbiegen müssen, dass sein Rücken enormen Schaden davon getragen habe – und das alles nur, weil er neben einem „extrem korpulenten Mann“ gesessen habe. Puh, das muss man erstmal sacken lassen.

 

Abhilfe schaffen durch eine rekonfugierbare Passagierbank

Da solch eine Beschwerde aber wie bereits gesagt leider keine Ausnahme ist, hat sich Airbus etwas Spezielles einfallen und ihre Erfindung sogleich patentieren lassen: Die rekonfugierbare Passagierbank. Genauer gesagt waren es Sven Taubert, der Innovationsmanager bei Airbus in Hamburg, und Florian Schmidt, die auf die Idee kamen, zukünftig eine rekonfugierbare Passagierbank in die Flugzeuge zu bauen. Dabei sollen die bisher üblichen Einzelsitze durch Sitzbänke ersetzt werden, die sich wiederum mit Leichtigkeit durch wenige Handgriffe umfunktionieren lassen und wenn nötig, mehr Platz schaffen. Umgesetzt werden soll es wie folgt: Befestigungsschienen werden an den Sitzbänken angebracht, sodass Halterungen für Sicherheitsgurte nach Belieben angebracht oder abgenommen werden können. Armlehnen würden so eingebaut, dass sie in die Rückenlehne des Sitzes geklappt werden könnten – selbstverständlich nicht zum Nachteil des Komforts. So kann bei jedem Flug individuell entschieden werden, wie viele Sitzplätze in einer Reihe benötigt werden: Beispielsweise können auf diese Weise drei normalgewichtige Fluggäste Platz nehmen, zwei übergewichtige oder aber zwei Erwachsene und zwei Kinder, die dabei nicht auf dem Schoß ihrer Eltern sitzen müssen. Zudem sei mit diesem Patent auch ein weiterer Vorteil gegeben, nämlich die Möglichkeit, Personen(gruppen), die auf eine Begleitung angewiesen sind, beisammen sitzen zu lassen.

 

Top oder Flop?

Und, was sagt ihr zum Patent der rekonfugierbaren Passagierbank? Eingereicht wurde der Antrag bereits im Jahr 2015, nun hat das amerikanische Patentamt seine Genehmigung gegeben. Ich bin gespannt und stehe dem Vorhaben positiv gegenüber. Denn auch, wenn manche Menschen das eine oder andere Pfündchen mehr auf die Waage bringen, sollten sie nicht schief angeguckt, belächelt oder diskriminiert werden. Und eine Beschwerde über übergewichtige Sitznachbarn, ganz zu schweigen von einer Klage, tut genau das!