Vincent Callebaut, ein belgischer Architekt und Vordenker, plant etwas Unfassbares. Eine Stadt auf dem Meer – doch wie stellt er sich das vor?

Beeindruckende Unterwasserhotels gibt es ja nun schon seit einiger Zeit, aber eine ganze Stadt, Wohnungen und Schulen, die auf und vor allem auch unter dem Wasser erbaut werden sollen? Ist sowas wirklich vorstellbar? Der belgische Architekt Vincent Callebaut ist jedenfalls fest von seinen Plänen überzeugt und präsentierte erst kürzlich seine ersten Entwürfe: Die Stadt auf dem Meer, teils mit Einrichtungen, die bis zu 1000 Meter in die Tiefe ragen, könne vor der Küste Rio de Janeiros errichtet werden. Wie genau die sogenannten „Unterwasser-Öko-Dörfer“ aussehen und überhaupt funktionieren würden, dazu hat er bereits konkrete Vorstellungen.

Müll soll als Baumaterial dienen

Nein, das ist nicht etwa ein schlechter Scherz! Die Zukunftsvision des querdenkenden und visionären Architekten Callebaut sieht wie folgt aus: Die Stadt auf dem Meer, die Callebaut aufgrund der Quallen ähnlichen Form „Aequorea“ nennt, könne komplett aus dem im Meer treibenden Müll sowie aus Algen erbaut werden. Möglich soll dies mit einem modernen 3D-Drucker sein. Solch eine Stadt würde Platz für bis zu 20.000 Bewohner bieten und somit die überfüllten Städte auf dem Festland so gut es geht entlasten. Außerdem würden hier nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Hotels, Büroräume und vielleicht sogar Sportplätze entstehen. Ein weiterer und der wohl wichtigste Aspekt, der den Architekten in seinen Ideen und Visionen beeinflusste, ist der Klimawandel. Die Verwendung des recyclebaren Mülls als Baumaterial würde nicht nur dazu führen, dass das Meer langfristig gereinigt wird, sondern würde es den Menschen auch ermöglichen, ihren durch den Klimawandel bedrohten Lebensraum zu verlagern. Aequorea würde zudem weder auf Gas, Öl oder Kohle angewiesen sein, sondern die nötige Energie komplett selbst erzeugen.

Zukunftsvision oder Illusion?

Schnell stellt man sich die Frage: Wie realistisch sind solche Zukunftsvisionen? Auch wenn es für uns heute noch kaum vorstellbar ist, so kann man nur hoffen, dass die Umsetzung solcher Projekte irgendwann möglich sein wird. Schließlich ist der immer rascher ansteigende Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels nicht gerade selten ein Thema in der heutigen Umweltpolitik. Schenkt man den Prognosen einiger Umweltforscher Glauben, gibt es sogar immer mehr Städte, die aufgrund der Erderwärmung bereits in einigen Jahrzehnten im Meer zu versinken drohen.

Doch die Stadt auf dem Meer ist längst nicht das einzige Projekt Callebauts. Um beispielsweise die CO²-Emission in Paris zu reduzieren, präsentierte er schon vor einigen Monaten seine Pläne zum Projekt „2050 Paris Smart City“, bei dem es darum geht, die französische Hauptstadt in eine grüne Oase zu verwandeln. Selbst für Haiti, eine Insel in der Karibik, die im Jahr 2010 von einem schweren Erdbeben gezeichnet wurde, hat er schon einige Pläne: Laut Callebaut könne man auf dem vorgelagerten Korallenriff bei Port-au-Prince Passivhäuser errichten, die als Wohneinheiten für die von der Katastrophe betroffenen Einwohner dienen könnten. Wer weiß, vielleicht können diese zurzeit noch utopisch wirkenden Ideen ja irgendwann tatsächlich umgesetzt werden. Der Umwelt zuliebe kann es man es nur hoffen.

© Beitragsbild: facebook.com/Vincent.Callebaut.Architectures