Wenn mich jemand fragen würde, was ich als typisch deutsch empfinde, würde ich mit „Fachwerkhäuser, Schweinebraten und Volksfeste“ antworten. In einigen Städten im Ausland findet ihr genau diese Traditionen – einfach nur verwunderlich…

Ein Kännchen Kaffee und ein Stückchen Schwarzwälder-Kirsch-Torte dazu – na, mal ehrlich, wer sagt dazu schon nein? Ihr müsst euch noch nicht einmal in Deutschland aufhalten, um so ein typisch deutsches Kaffeekränzchen zu genießen. Auch in Brasilien, den USA und in Chile könnt ihr in typisch deutschen Städten einen Hauch Tradition genießen. Wunderbar und und skurril zugleich…

Deutsche Städte im Ausland

Blumenau in Brasilien | Frankenmuth in den USA | Deutsche Städte in Chile | Fredericksburg und New Braunfels in Texas

deutsche Städte im Ausland

Oktoberfest, Volksmusik & Co. im brasilianischen Blumenau

Wer Brasilien hört, der denkt an stimmungsvollen Karneval in Rio, das feurige Temperament der Brasilianer und selbstverständlich auch an die legendäre Copacabana. Doch Moment, in dem südamerikanischen Land geht es in manchen Ecken auch vollkommen anders zu – mit Leuten, die Trachten tragen, in typisch deutschen Fachwerkhäusern wohnen und auf dem Oktoberfest genüsslich das eine oder andere Bier genießen oder auch gerne mal lustvoll ein Stück ihrer leckeren Bratwurst abbeißen. Genauer gesagt könnt ihr exakt dies in Blumenau im Bundesstaat Santa Catarina erleben, denn dort befindet sich eine Stadt, die sehr stark an Deutschland erinnert!

German Village Park, Blumenau, Santa Catarina

Verantwortlich für das Ganze sind deutsche Immigranten, die im Jahr 1850 die Region besiedelten. Benannt wurde die Stadt nach dem Pharmazeuten Dr. Hermann Blumenau aus dem Harz. Seitdem bestimmen deutsche Merkmale das Erscheinungsbild der Stadt und Touristen könnten meinen, dass sie sich nicht in Brasilien, sondern in Deutschland befinden.

Oktoberfest in Blumenau, Brasilien

Nach dem legendären Karneval in Rio ist das Oktoberfest ein extrem begehrtes Event in Brasilien und sogar das nächst größte nach dem traditionellen Münchner Oktoberfest. Auch dort heißt es einmal im Jahr: „O’zapft is!“ Dieses Jahr findet es vom 04. bis 22. Oktober bereits zum 33. Mal statt und dabei dürfen weder Blasmusik noch Fassbier, Dirndl und Lederhose fehlen.

Bayerisches Flair in Frankenmuth in Michigan

Servus und herzlich willkommen in „Klein-Bayern“! Wo das liegt? Definitiv nicht im Süden Deutschlands! Wir befinden uns in Michigan, genauer gesagt in Frankenmuth.

Nachdem 1845 fränkische Einwanderer aus dem Roßtal die Stadt Frankenmuth gegründet haben, lebt in den USA ein Stückchen deutsches Flair weiter. Etwa 150 Kilometer von Detroit entfernt fühlt man sich unserem Heimatland sehr verbunden und sowohl die Architektur der Häuser, deutsche Bezeichnungen an Schildern als auch manche Veranstaltungen und Feste lassen vollkommen den Anschein erwecken, gerade in Bayern zu sein. Also, liebe Fans Süddeutschlands, wie wäre es mal mit einem Trip in die USA, um dort das amerikanische „Klein-Bayern“, welches auch gerne mal vor Ort „Little Bavaria“ genannt wird, auf eigene Faust zu entdecken?

Kenneth Sponsler Shutterstock com
Frankenmuth in den USA Foto: Kenneth Sponsler / Shutterstock.com

In Chile weht ein Hauch von deutscher Kultur

„Café Dresden“ oder das Restaurant „Club Aleman“ mit Eisbein und Sauerkraut auf der Speisekarte und eine Feuerwehrstation mit der Bezeichnung „Erste Deutsche Feuerwehr Kompanie“ – mal ehrlich, bei wem kommt da nicht der Glaube auf, gerade in einem Dorf in Deutschland anstatt in Chile zu sein? Insbesondere in der Region Los Lagos in dem Städtchen Puerto Varas bekommt man durch die Gegebenheiten und dem idyllischen Llangquihue-See den Eindruck, im Sauerland oder sogar in den Alpen zu sein.

Puerto Varas city and volcano Osorno, Patagonia, Chile

Auch hier sorgten Einwanderer dafür, dass die Städte in Chile die deutschen Merkmale in Ehren hielten. Somit ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass man dort das eine oder andere Café, Restaurant oder auch einen Supermarkt mit deutschen Bezeichnungen wie „Klein“ oder „Kaisers“ vorfindet. Frutillar, welches eher ein Dorf als eine Stadt ist, mag vielleicht sogar das Deutschland ähnlichste Dorf in Chile sein, und auch Puerto Montt erweckt den Anschein einer Siedlung mitten im Schwarzwald. Lediglich die Palmen und der Strand erinnern die Touristen daran, dass sie gerade wirklich nicht in Deutschland sind und holen sie in die Realität zurück.

deutsche Städte im Ausland
Foto: matyas rehak/shutterstock.com

Und, wie wäre es mit einer Reise nach Chile, um dort im Restaurant typisch deutsches Essen zu kosten und unsere Kultur dort zu erforschen? Klingt doch verlockend, oder etwa nicht?

Deutscher Charme in Fredericksburg und New Braunfels

Nicht nur in Michigan kann man deutsche Merkmale deutlich erkennen, sondern auch in Texas. Denn dort befinden sich die Städte Fredericksburg und New Braunfels, die deutschen Charme versprühen! Während New Braunfels 1845 von dem deutschen Prinzen Karl von Solms-Braunfels errichtet worden ist, sorgten inmitten des texanischen Hill Country im 19. Jahrhundert Einwanderer und der Baron von Meusebach für die Gründung der deutschen Siedlung Fredericksburg.

In beiden dieser Städte sind deutsche Merkmale unverkennbar, und zwar nicht nur in Restaurants auf der Speisekarte, sondern auch in der Architektur der Häuser. Insbesondere Fachwerkhäuser prägen die Straßen, außerdem hauchen Bezeichnungen wie „Küchenladen“ den Orten deutsches Lebensgefühl ein. Auch heimische Gerichte wie Sauerbraten, Brat- und Currywurst, Frikadellen und als Nachtisch ein köstlicher Apfelstrudel lassen Heimatgefühle aufkommen.

deutsche Städte im Ausland

Neben Schützenfesten, Kirmes, dem Christkindl Markt zur Weihnachtszeit und dem Oktoberfest in Fredericksburg, wartet alljährlich in New Braunfels ein beliebtes Highlight auf die Einwohner und alle Touristen – das Wurstfest, das größte deutsche Volksfest in den USA! Hier wird jedes Jahr am ersten Freitag im November in Lederhosen und Dirndl zum Ententanz und Polka ausgelassen getanzt und dabei gerne mal das eine oder andere Bier getrunken. Dieses Jahr findet das Fest bereits zum 56. Mal statt, vom 03. bis 12. November.

Deutsche Traditionen, viele Volksfeste aus der Heimat und vor allem das Flair unserer wunderschönen Fachwerkhäuser kann man also auch in Nord- und Südamerika live erleben. Irgendwie nett, aber auch echt skurril, oder? Eigentlich fährt man doch ins Ausland, um die fremde Traditionen und Gewohnheiten kennenzulernen. Stattdessen wird man hier mit deutschem Kitsch begrüßt. Was sagt ihr? Würdet ihr euch die deutschen Städte im Ausland mal anschauen oder könnt ihr gut darauf verzichten?

Skurrile Fakten in meinem Reisemagazin