Wir schreiben das Jahr 1883, als ein Kaufmann aus Bremen eine mehr als 13.000 Kilometer von Deutschland entfernte Bucht erreicht und durch einen Schwindel ein großes Stück Land von den Einheimischen erwirbt. Der Name des Mannes, der soeben im heutigen Namibia gelandet ist, lautete Adolf Lüderitz. Seinen Namen trägt die Bucht bis heute.

Das von Lüderitz erworbene Land wurde ein Jahr später zum Grundstein der Kolonialherrschaft des Deutschen Reichs über das Land, das wir heute als Namibia kennen. Deutsch-Südwestafrika sollte dem Reich ein Platz an der Sonne und wertvolle Rohstoffe sichern. Einheimische, die sich gegen Enteignung und Verdrängung wehrten, wurden brutal bekämpft, viele verloren ihr Leben. Der deutsche Kolonialismus währte 29 Jahre. Eine Zeit, in der sich viele Deutsche in Namibia ansiedelten und dem Land ihren kulturellen Stempel aufdrückten, bis Deutsch-Südwestafrika schließlich im Zuge des ersten Weltkrieges im Jahr 1915 von der Südafrikanischen Union erobert wurde. Die Tinte dieses deutschen Stempels mag in den letzten 102 Jahren stark verblasst sein, doch zu finden sind sie auch heute noch, die Spuren der Deutschen in Namibia.

Die Spuren der Deutschen in Namibia

Lüderitz | Windhoek | Swakopmund | Deutsche Hausmannskost

Deutsche in Namibia

Lüderitz & Kolmannskuppe

Entdeckt wurde die große Bucht im Südwesten Namibias bereits 1487 durch portugiesische Seefahrer, doch erst besagter Adolf Lüderitz zeigte fast vier Jahrhunderte später Interesse an dem kargen Land rund um die Bucht. Lüderitz Hoffnungen hier wertvolle Bodenschätze zu finden blieben bis zu seinen Lebzeiten unerfüllt und trieben ihn schließlich sogar zum Verkauf des Landes an die Deutsche Kolonialgesellschaft. Was von ihm blieb, ist aber nicht nur ein Denkmal in der Stadt und sein Name, den die Bucht bis heute trägt. Vielmehr gab er den Startschuss zur Kolonisation der kargen Region, in der heute noch etwa 12.000 Menschen leben. Noch heute zeugen im Jugendstil erbaute Gebäude, wie das Goerke-Haus, von der Gründungszeit der Stadt Lüderitz.

Einen richtigen Aufschwung bekam die Region erst 1905, nach dem Tod Lüderitz, ausgerechnet durch den sensationellen Fund von Diamanten in der Nähe der Stadt. Das, was Lüderitz lange hoffte, wurde zur Realität: Das Land war voller Bodenschätze!

Lüderitz Crayfish Festival: 

Mittlerweile ist Lüderitz nicht mehr nur wegen der deutschen Vergangenheit bekannt, sondern auch für das bunte Crayfish Festival, das hier einmal im Jahr stattfindet. In diesem Jahr findet das Krebsfest übrigens vom 27. April bis zum 02. Mai statt.

Die Diamantengräber-Siedlung Kolmannskuppe wurde gegründet und war zu ihren Hochzeiten die reichste Stadt Afrikas und ein Sinnbild von Reichtum und der Suche nach dem ganz großen Glück. Die Häuser von Kolmannskuppe wurden – wie auch die Siedlungen in Lüderitz –  im typisch deutschen Stil errichtet. Fassaden, Vorgärten, Möbel und sogar die ansässige Metzgerei – alles war irgendwie deutsch. Doch so schnell, wie der Reichtum kam, verging der Diamantenboom auch wieder. In den 1930er Jahren wurde der Abbau schließlich eingestellt und die Siedlung der Wüste überlassen. Viele der prächtigen Gebäude stehen auch heute noch irgendwo im Nirgendwo und werden langsam aber unaufhörlich vom Sand der Namib-Wüste eingehüllt. Kolmannskuppe, eine deutsche Geisterstadt in der Wüste Namibias.

Die vielen Prachtbauten, die Sprache und die deutschen Straßennamen in Lüderitz und Kolmannskuppe sind übrigens nicht das Einzige, was von der Zeit des Kolonialismus blieb, denn auch heute noch leben einige Nachfahren der Siedler in Lüderitz. Sie betreiben Cafés, arbeiten in der Tourismusbranche oder genießen ganz einfach ihren Lebensabend in Namibia, fernab der Heimat, die irgendwie gar nicht so fern ist.

Von Windhoek zu Windhuk und wieder zu Windhoek

Lüderitz ist nicht der einzige Ort, an dem die Deutschen ihre Fußspuren in Namibia hinterlassen haben. Im Rahmen meiner Namibia Themenwoche habe ich euch Namibias vielseitige Hauptstadt, Windhoek, bereits genauer vorgestellt. Der Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigt, dass viele der Bauten hier ebenfalls eine deutsche Vergangenheit haben.

Deutsche Straßennamen:

Viele der deutschen Straßennamen mussten seit der Unabhängigkeit Namibias neuen Namen weichen. So hieß die wichtigste Straße der Stadt, die Independence Avenue, bis 1990 noch Kaiserstraße.

Nachdem 1884 bereits Deutsch-Südwestafrika ausgerufen wurde, wurde Windhoek, damals eine eher kleine Stadt, erst 1891 zum eigentlichen Verwaltungssitz ernannt. In dieser Zeit wurde auch die Alte Feste erbaut, ein Ereignis, das rückblickend gesehen als die Grundsteinlegung des heutigen Windhoeks gilt. Weitere deutsche Bauten, wie der Tintenpalast, die Christuskirche und die drei Windhoeker Stadtburgen Sanderburg, Schwerinsburg und Heinitzburg, prägen bis heute das Stadtbild, auch wenn sie heute teilweise einen ganz anderen Verwendungszweck gefunden haben: Während der Tintenpalast heute der Sitz des namibischen Parlaments ist, gingen zwei der drei Burgen in den Privatbesitz von Investoren über, die dritte wurde zu einem Luxushotel umgebaut.

In den Folgejahren der Erbauung des neuen Windhoeks wanderten viele Deutsche nach Namibia aus, gründeten hier Unternehmen und errichteten deutsche Geschäfte. Die Stadt wuchs und gedieh. Doch auch in Windhoek waren die Schattenseiten des Kolonialismus für die Einheimischen deutlich spürbar. Sie wurden kurzerhand aus dem Stadtgebiet umgesiedelt, sodass eine klare Trennung zwischen Schwarz und Weiß entstand. Diese Trennung wurde auch nach der deutschen Kolonialherrschaft, in den Zeiten der Apartheid, fortgeführt. Übrigens: In der Kolonialzeit wurde auch der ehemalige Name der Stadt, Windhoek, in die Schreibweise Windhuk geändert. Heute können zwar beide Schreibweisen verwendet werden, doch die Namibier bevorzugen die alte Schreibweise Windhoek.

Swakopmund

An der Atlantikküste, knapp 350 Kilometer von Windhoek entfernt, stößt man erneut auf die Fußspuren der Deutschen in Namibia. Bei der Stadt Swakopmund handelt es sich nicht etwa um irgendeine Stadt, sondern um die wichtigste deutsche Küstenstadt zu Kolonialzeiten. Die Stadt wurde aufgrund ihrer guten Lage 1892 von Curt von François – der übrigens auch Windhoek besiedelte – gegründet. Bereits ein Jahr später wurde mit dem aufwendigen Bau einer großen Landungsbrücke als Hafenersatz begonnen, über den künftig alle wichtigen Güter ins Land gebracht wurden. Die Landungsbrücke steht noch heute als Zeitzeuge vor der Küste Swakopmunds. Auch der Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Swakopmund und Windhoek wurde vom Deutschen Reich in Auftrag gegeben. Über diese sollten die Waren, die im Hafen landen, schnell ins Landesinnere gebracht werden.

5% der heutigen Einwohner Swakopmunds sind deutscher Abstammung. Das scheint im ersten Moment vielleicht kein großer Anteil der Bevölkerung zu sein, doch die Spuren der Deutschen sind in keiner anderen namibischen Stadt so deutlich zu sehen, wie in Swakopmund.

 Swakopmund ist die wohl deutscheste Stadt in Namibia

Die Evangelisch Lutherische Kirche, das Hohenzollernhaus, der Deutsche Friedhof, das Amtsgericht – viele Gebäude in der Stadt erinnern von ihrem Zweck und ihrer Architektur noch heute an das Deutsche Kaiserreich, was Swakopmund eindeutig zur deutschesten Stadt in Namibia macht. Zwar wurden hier bereits einige Gebäude und Straßen umbenannt, doch das kulturelle Erbe der Deutschen wird wohl noch eine ganze Zeit lang weiterleben.

Deutsche in Namibia Swakopmund
Foto: Oleg Znamenskiy/Shutterstock.com

Deutsche Hausmannskost in Namibia

Die Einwanderer und Soldaten brachten aber nicht nur ihre Religion, ihre Architektur und die deutsche Genauigkeit mit nach Namibia. Auch die deutsche Hausmannskost fand ihren Weg nach Südwestafrika und wird dort bis heute noch serviert. Schnitzel, Rouladen, Sauerkraut und das allseits beliebte Schwarzbrot kann in den Restaurants der deutsch-geprägten Städte Namibias bestellt und gegessen werden. Passend dazu gibt es dann gerne auch mal ein Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde. Typisch deutsch eben.

In meinem Artikel Namibia kulinarisch nehme ich euch mit auf eine leckere Reise durch die Speisekarte des Landes und zeige euch, was es neben den deutschen Gerichten noch so alles in Namibia zu entdecken gibt. Der Mix aus bekannten Köstlichkeiten und der traditionellen Küche ist einfach etwas Besonderes. Das solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen!

Deutsche in Namibia
Brot und Bier sind auch in Namibia beliebte deutsche Klassiker

Eine Reise zu den Spuren der Deutschen in Namibia

Habt ihr gewusst, dass noch so viel Deutschland in Namibia steckt? Vielleicht fühlen wir uns ja gerade deshalb so zu dieser bekannten Fremde hingezogen. Seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 hat das Land einen neuen Nationalstolz entwickelt, den die Namibier den Touristen auch gerne zeigen. Lernt also unbedingt auch etwas von der spannenden Geschichte der Einwohner des Landes kennen und erkundet das einmalige Land abseits der deutschen Fußspuren. Es lohnt sich! Wenn ihr noch mehr über Namibia erfahren möchtet, bestellt euch doch das kostenlose Infopaket von Namibia Tourism Board. In diesem findet ihr weitere Infos für eure Reise.

 

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