Gefletschte Zähne, aufgerissene Augen, mit der Zunge bis zum Kinn stampfen die Haka Tänzer ihre Beine in den Boden und rufen ihre Kampfansage in den Himmel. Die Gänsehaut steigt einem empor, wenn man in die Gesichter der Männer und Frauen blickt, deren Wangen Zeichnungen zieren, und man den reimenden Sängen lauscht.

Die Masse im Stadium tobt – jeder jubelt, und was man aus dem Getöse der Zuseher hört, sind die Hände der Spieler auf ihren Schenkeln, während ihre Stimmen in den Himmel hallen und ihre Beine in den Boden stampfen. Den Haka kennen wir als die Kampfansage vor jedem Rugby Spiel in Neuseeland. Dass diese Art zu Tanzen aber auch in anderen Ländern und zu anderen Anlässen üblich ist, wissen die wenigsten.

Haka – ein Tanz der unter die Haut geht

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Geschichte

Den Ursprung findet der Haka Tanz bei den Eingeborenen Neuseelands – den Māori. Das Wort Haka an sich hat nichts mit Krieg zu tun, sondern bedeutet lediglich „Tanz“ oder „Lied mit Tanz“, wodurch man häufig dazu geneigt ist, den Haka ausschließlich mit Kämpfen zu verbinden. Auch, wenn die weit aufgerissenen Augen und die lauten Stimmen leicht dazu verleiten, die Bewegungen als aggressiv aufzunehmen, sind diese es nicht immer. Der Sinn ist, sich zu sammeln, Mut durch die Gruppe zu erfahren, stark zu stehen und Balance in der Kraft zu finden.
Die Instrumente dieser Lieder sind Hände, Beine, Stimmen und alle Geräusche, die man selbst mit seinem Körper erzeugen kann. Ist der Rhythmus der Gruppe aber gestört, gilt es als ein schlechtes Omen.

Länder

Zwar hat der Haka seinen Ursprung in Neuseeland, verbreitet sich aber im südlichen Pazifikraum und Polynesien und wird daher auch in anderen Ländern zelebriert. Während die Gegner bei Rugby-Spielen den Neuseeländern meist nur zusehen, haben Mannschaften der Länder wie Vanuatu, Niue oder Fidschis ihre eigene Antwort auf deren Kampfansage.

Haka Tänze und deren emotionaler Hintergrund

Haka ist nicht gleich Haka. Es gibt Tänze, um Gäste willkommen zu heißen, Erfolge zu feiern oder, um die Trauer bei einem Begräbnis zu bezeugen. Ob von Männern oder von Frauen macht dabei keinen Unterschied. Wichtig ist nur, welche Emotionen ausgedrückt werden, das Innere wird sozusagen nach außen getragen, wodurch Emotionen wie Wut, Freude, Ärger oder Angst ein Gesicht verliehen wird.

  • Der Peruperu wird vor dem Kampf getanzt, um den Gegner einzuschüchtern. Merkmale sind das Tragen von Waffen sowie hohe Sprünge, bei denen die Beine unter den Körper gezogen werden. Man will den Gegnern zeigen, dass man überlegen ist.
  • Manawa Wera wird meist bei Begräbnissen aufgeführt, um Menschen die letze Ehre zu erweisen. Es gibt dabei keine feste Choreografie, so kann jeder seinen eigenen Gefühlen durch das Tanzen Ausdruck verleihen. In diesem Video tanzt eine ganze Schule für ihren verstorbenen Lehrer – ein Gänsehautmoment!!

  • Taparahi-Haka wird ohne Waffen aufgeführt und ist der bekannteste Tanz. Die Augen stets auf den Gegenüber gerichtet, die Haltung stark, bleibt der linke Fuß am Boden. Der Ausdruck im Gesicht bringt nach außen, was man innerlich im Herzen fühlt. Die Ältesten lehren dabei, dass man den Haka mit all seiner Kraft und Energie tanzen muss – hat man danach noch Reserven, hat man ihn nicht richtig durchgeführt und nicht alles gegeben.
  • Der Ka Mate wird von einem Anführer der Māori geleitet und zelebriert Leben statt Tod. Dieser Haka wurde ursprünglich vor Rugby-Spielen getanzt, bis 2005 ein eigener Haka nur für die All Blacks eingeführt wurde (siehe weiter unten). Der Geschichte nach beruht der Ka Mate auf dem Tanz eines Häuptlings, der diesen als Zeichen der Dankbarkeit aufführte. Die übersetzten Worte, die auch die Rugbyspieler singen, lauten:
Anführer: Schlagt die Hände auf die Schenkel!
  Drückt die Brust nach vorne!
  Beugt die Knie!
  Und die Hüften!
  Stampft mit den Füßen, so fest ihr könnt!
Anführer: Das ist Tod, das ist Tod (oder: Ich werde sterben)
Mannschaft: Das ist Leben, das ist Leben (oder: Ich werde leben)
Anführer: Das ist Tod, das ist Tod
Mannschaft: Das ist Leben, das ist Leben
Alle: Dies ist der haarige Mann…
  …der die Sonne brachte und sie scheinen ließ!
  Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
  Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
  Die Sonne scheint!
  • Zu Tränen gerührt ist auch eine Braut, zu dessen Hochzeit Freunde und Familie einen Haka tanzen, um die Eheschließung gebürtig und rituell zu würdigen. Dieses Video hat Menschen weltweit berührt:

 

Rugby

In den 1880er Jahren wurde schon der Grundstein des Haka Tanzes im Sport gelegt, als die neuseeländische Rugby-Mannschaft das erste Mal einen Haka vor den englischen Gegnern aufführte. Seither gibt es diese Tradition in dieser Sportart, welche für ihren Eröffnungstanz bekannt ist. Aber auch Eishockeyspieler haben sich schon in dieser Form der Einschüchterung versucht, denn so manchem gegnerischen Gegenüber sind beim Anblick der entschlossenen Männer die Knie zum Zittern gekommen.

Kein Sieg der Welt verbindet so sehr wie der Haka selbst, denn während die Männer zusammen entschlossen brüllen, ruft man sich Mut zu und vereint gemeinsam all seine Kräfte, um die Gegner zu schlagen:

 

Der Kapa O Pango Eröffnungstanz wurde eigens nur für die Rugby-Union-Nationalmannschaft All Blacks kreiert und löst somit den traditionellen Ka Mate seit 2005 ab. Bekannt wurde der Tanz durch die furchteinflößende Geste des Halsdurchschneidens mit dem Zeigefinger. In der Kultur der Māori hat dies aber eine andere Bedeutung: Das Ziehen lebenswichtiger Energie aus Herz und Lunge.

Kapa O Pango

All Blacks, lasst mich eins mit dem Land werden!
Das ist unser Land, das poltert!
Das ist meine Zeit, mein Augenblick!
Das macht uns aus als die All Blacks!
Das ist meine Zeit, mein Augenblick!
Unsere Dominanz
Unsere Überlegenheit wird triumphieren
Und hoch angesehen werden!
Silberfarn!
All Blacks!
Silberfarn!
All Blacks!

Eine Tradition, die nahe geht – wem jetzt schon die Gänsehaut aufsteigt, der sollte diesen Tanz unbedingt einmal live erleben und das am besten in Neuseeland: