Eine 1.000 Meter steile Wand, zwei Kletterer, keine Hilfsmittel – nur die eigene Körperkraft sowie die Hände und Füße zählen… Das klingt nicht nur hart und nervenaufreibend, sondern es ist auch wirklich so. Doch zwei Amerikaner stellten sich ebendieser Aufgabe und  bestanden sie mit Bravour! Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson heißen die beiden, die die fast senkrechte Dawn Wall im kalifornischen Yosemite Tal als erste Freeclimber bezwungen haben und am eigenen Leib erfahren durften, warum die Felswand zu den schwierigsten Kletteraufstiegen der Welt gehört…

Während manch einer von uns schon bei einer simplen Kletterwand in einer Kletterhalle mit sich kämpfen muss, ist dies für den 36-jährigen Tommy und 30-jährigen Kevin ein Kinderspiel und alles andere als eine Herausforderung! Am 27. Dezember letzten Jahres brachen sie daher auf, um die 1.000 Meter steile Felssteilwand ohne jegliche Hilfsmittel und nur mit einem Seil zur Absicherung zu erklimmen. An dem Seil hochziehen durften sie sich allerdings nicht, schließlich nennen sie sich nicht umsonst Freeclimber, die nur auf ihre eigene Körperkraft angewiesen sind.

Dawn Hall im Yosemite Tal, Kalifornien
Foto: Mladen Antonov/ AFP

Nichts für schwache Gemüter – hier sind starke Nerven gefragt

Kaputte Fingerkuppen und blutige Wunden durch scharfkantige Stellen hielten die beiden Extremsportler nicht auf, nein im Gegenteil: „Ich gebe nicht auf. Ich werde Erfolg haben,“ waren wohl die Gedanken, die die mutigen Kletterer während ihrer Tour motivierten und sie Tag für Tag ein Stückchen weiter nach oben brachten. Nach 19 Tagen hatten sie schließlich ihr Ziel erreicht und den Gipfel des Fels-Monolithen El Capitan erklommen!

Doch der Weg bis dahin war alles andere als leicht: Jorgeson blieb in einem Abschnitt stecken und kam erst nach elf Anläufen in sieben Tagen weiter… Darüber hinaus war es nicht der erste Versuch von den Amerikanern, die legendäre Felswand als erste Freikletterer zu besteigen, stattdessen versuchten sie es bereits 2010 und 2011 und scheiterten. Allerdings sorgten im Jahr 2010 heftige Stürme für einen Abbruch der Tour und 2011 brach sich Jorgeson bei einem Sturz den Knöchel. Umso stärker war natürlich diesmal der Wille, es endlich zu schaffen und man kann zu dem Ergebnis nur sagen: Chapeau!

Die Dawn Wall bestiegen sie nachts mit Stirnlampen auf dem Kopf, da es dann kühler war und somit die Hände weniger ins Schwitzen kamen und einen festeren Halt gaben. Und nach einem actionreichen und schweißtreibenden Tag brauchten selbstverständlich auch die Kletterer irgendwann mal eine Pause, um neue Kraft und Energie zu tanken. Hierfür schliefen sie 300 Meter über dem Boden in sogenannten Portaledges. Dies sind in den Fels gehängte Pritschen, die mit Haken befestigt werden. Also ob ich in dieser Höhe und bei dem Gedanken nur an Haken befestigt zu sein ruhig schlafen könnte, ich weiß nicht so recht. Oder was meint ihr?

Dawn Wall wurde nicht zum ersten Mal bezwungen

Apropros Kraft und Energie: Helfer brachten den beiden Amerikanern in mehreren Tagen Abstand  immer wieder neues Essen und GE. Außerdem wurden sie regelmäßig von einem Kamerateam gefilmt. Damit sowohl die Familie und Freunde als auch „Fans“ während der Klettertour über den Zustand von Tommy und Kevin informiert waren, schrieben sie regelmäßig auf Facebook oder Twitter wie es ihnen geht. Natürlich war die Familie auch am 14. Januar vor Ort, als die Extremsportler die letzte Hürde des Gipfels gemeistert hatten! Doch sie entschieden sich für die einfachere Variante, um oben anzukommen – einen Wanderweg! Nichtsdestotrotz wurden die beiden Freeclimber nach ihrer meisterhaften Leistung gebührend gefeiert und wie es sich gehört mit Sekt geduscht. ;-)

Übrigens waren Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson nicht die Ersten, die sich an die legendäre Felssteilwand in Kalifornien wagten. Bereits 1970 ist sie schon einmal von den Kletterern Warren Harding und Dean Caldwell bestiegen worden, allerdings waren diese mit Seilen befestigt und hatten reichlich Haken in die Wand geschlagen. Gemeistert haben sie die Dawn Wall aber dennoch und zwar in 27 Tagen!

Seid ihr auch so beeindruckt wie ich von der Leistung der beiden Extremsportler? Also ich habe höchsten Respekt vor den beiden und bekomme schon weiche Knie, wenn ich Videos sehe, wie sie zwischendurch von der Wand abgerutscht sind… Aber schaut’s euch einfach mal selbst an, ich habe hier ein Video für euch gefunden! :-)