Albuquerque, New Mexico. Was weiß man eigentlich über die Stadt? Außer, dass hier die 5 Staffeln der absoluten Kultserie „Breaking Bad“ gedreht wurden, wohl nicht viel. Umrahmt von Parks und vor allem Wüste liegt der Staat, in dem auch Santa Fe liegt und der sich in der Nähe von meinem Liebling Las Vegas befindet, im Süden eher ruhig an der Grenze zu Mexico und bietet vor allem eine tolle Landschaft. Daher ist es eigentlich nicht leicht verständlich, dass die Stadt trotzdem massenhaft Touristen anlockt, die sich mit Kameras und Hüten in Tour-Trolleys setzen und durch die Gegend ziehen. Es ist vor allem der Serie zu verdanken, dass Albuquerque, N.M. in den letzten Jahren einen so großen Touristenboom erlebt hat. Und das bis heute!

Breaking Bad: Eine Serie macht Albuquerque zum Touristenmagneten

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass manche von euch nicht wissen sollten, worum es in der Serie geht: Bei Breaking Bad können wir als Zuschauer spektakulär und eindrucksvoll erleben, wie der krebskranke, zu Anfang noch recht harmlose und unscheinbare Chemielehrer Walter White (gespielt von Bryan Cranston, der zuvor schon als Vater der „Malcolm Mittendrin“-Brüder begeisterte) sich zu einem skrupellosen Drogenboss mausert. Indem er anfängt, mit seinem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman (gespielt von Aaron Paul) Crystal Meth zu kochen, verstrickt er sich selbst mehr und mehr in kriminelle Machenschaften und nähert sich seinem Alter Ego „Heisenberg„.

Die fulminante letzte Folge, die allem noch einen drauf gesetzt und mehr als 10 Millionen amerikanische Zuschauer restlos begeistert hat, lief in den USA vor fast genau einem Jahr, nämlich am 29.09.2013. Nicht zu vergessen, wie viele internationale Fans noch dazu kommen, denn die Serie ist über Internet wie Fernsehen auf der ganzen Welt beliebt!

Und diese begeisterten Fans sind es auch, die seit Jahren aus allen Winkeln des Globus in die mit 550.000 Einwohnern doch eher kleine Stadt strömen um die Drehorte ihrer Lieblingsserie ein mal live erleben zu können! Und dabei braucht man nicht denken, das sei nach dem Ende der Serie weniger geworden. Längst sind die Fan-Touristen in Albuquerque Teil des allgemeinen Bildes genau so wie des finanziellen Umsatzes der Stadt. Hier in New Mexico hat man sich gut darauf eingestellt, was die Fans in dieser eher kargen Gegend mit der düsteren Drama-Serie erwarten.

s_bukley  Shutterstock.com
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Albuquerque richtet sich nach Wünschen der Serienfans

Zu Anfang war man allgemein eher skeptisch und wenig begeistert von dem Bild, dass die Serie von der Stadt bot. Es geht immerhin um düstere und kriminelle Themen wie Rauschgift, Drogenkriege, Mord und andere Verbrechen. Doch seit einiger Zeit profitiert Albuquerque so sehr von dem Boom, den Breaking Bad ausgelöst hat, dass man damit wohl keine Probleme mehr hat. Die Serie ist jetzt eine „künstlerisch wertvolle TV-Produktion,“ fragt man die Menschen hier, wie zum Beispiel Natalie Kohl aus der Tourismusbehörde. Mit den vielen Auszeichnungen wie den 10 Emmy Awards und den 2 Golden Globes für die Serie stieg das Ansehen auch in der Stadt selbst. Das Albuquerque Convention & Visitors Bureau hat sogar eine Website eingerichtet, auf der Fans die wichtigsten Drehorte erfahren können.

Auch viele andere Unternehmer der Stadt haben einen Weg gefunden, den Hype für sich zu nutzen. Allen voran die beiden Jungs der „ABQ Trolley’s BaD Tour,“ die über die Jahre bereits Kultstatus erreicht hat und oft auf Monate ausgebucht war. In einem kleinen Bus werden da Fans vorbei an den beliebtesten Drehorten, die an sich eigentlich gar nicht wirklich aufregend erscheinen, vorbeigefahren und können Fotos schießen. Locations etwa wie die Wohnung von Jesse Pinkman (322 16th St), das „Crossroads Motel,“ Fans wohl besser bekannt als „The Crystal Palace,“ in dem in der Serie die drogenabhängige Prostituierte Wendy arbeitet. Vorbei geht es auch am Delta Linen Supply (1617 Candelaria St), in der Serie ein Drogenlabor, versteckt in einer Wäscherei. Besondere Highlights sind aber vor allem die Autowaschanlage, in der Walter White und seine Frau neben Auto auch das Geld aus dem Drogenhandel waschen (9516 Snow Heights Circle NE) und natürlich das Haus von White selbst (308 Negra Arroyo Lane), aus dem ab und zu auch mal der wahre Besitzer hinauswinkt, während man daran vorbei fährt.

ACHTUNG: Spoileralarm

Besonders gut geht es nach der Serie aber auch dem Fast Food-Restaurant Twister, das in der Serie das „Los Pollos Hermanos“ gibt, die Zentrale des Drogenbosses Gus Fring. In dem Restaurant wird, ganz nach Breaking Bad-Manier, auch gerne mal nach „Gus“ gefragt, ein Umstand, der dem tatsächlichen Mitarbeiter „Gaston“ nach eigenen Angaben am Anfang ein bisschen zu schaffen gemacht hat. Man hing ein großes Bild mit der Überschrift „Ja, wir sind Los Pollos Hermanos!“ auf, vor dem sich die Touristen gerne fotografieren lassen. Dazu gab es ein Gästebuch, in dem sich zahlreich eingetragen wird. Neue Mitarbeiter werden sogar bei der Einstellung extra geschult, damit sie auf Fragen von Kunden, wer an welchem Platz gesessen hat und wo was passiert ist, auch dementsprechend antworten können. In welchem Fast Food-Restaurant kann man sich das wohl sonst noch vorstellen?

Breaking Bad

Stadtrundfahrten, Blaue „Crystal Meth“-Süßigkeiten, Badesalz: Fan-Hype spült Geld in die Kassen New Mexicos

Ein bisschen skurril muten wohl auch die „Rock Candy“ an, die es in dem Süßigkeitenladen „The Candy Lady“ zu kaufen gibt. Für 1 US-Dollar kann man hier in Plastikbeuteln abgepackte, kleine blaue Steinchen erwerben. Die sehen so täuschend echt aus, dass sie, so paradox es klingt, schon in der Serie als Attrappe für die Droge verwendet wurden! Ein wahrer Verkaufsschlager sind die Beutel Süßes, von denen man immerhin auch behaupten kann, sie würden eine verheerende Droge wie Crystal Meth vielleicht ein bisschen zu positiv erscheinen lassen. Neben diesen bietet die Candy Lady aber auch T-Shirts, Mützen und Limousinen-Touren zu den Drehorten an. Eine wahre Verkaufschmaschinerie also. „Bathing Bad“ ist auch so ein Verkaufsschlager: Die Badeseife wird von einer Firma für Spa-Produkte angeboten und kann, ebenfalls dramatisch verpackt, in die ganze Welt geordert werden, um „das Böse weg zu relaxen“.

Ja, die Serie hat schon vielen Leuten in dem Ort Albuquerque was gebracht: An einer anderen Ecke, in „Vernon’s Hidden Valley Steak-Haus,“ kann man bei Besitzer Michael Baird echte Requisiten sowie Bilder erwerben. Und hier kann man auch, haltet euch fest, den Grabstein Walter Whites entdecken! Ihr habt richtig gelesen. Als nämlich in der letzten Folge Walter White alias „Heisenberg“ im September letzten Jahres starb, war das für die Bewohner der Stadt noch lange nicht das Ende. Zusammen mit rund 200 Fans der Serie wurde ein symbolisches Begräbnis im Sunset Memorial Park veranstaltet. Es gab einen echten Grabstein, der aber schnell danach wegen Diebstahlgefahr wieder entfernt werden musste und heute bei „Vernon“ zu sehen ist.

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Mehr als nur ein Drehort: Albuquerque hat einiges zu bieten

Und Albuquerque sonst so? Als neu auserkorene Hauptstadt des falschen Crystal Meth bietet die Stadt sonst einen simplen Anblick: Reihenhäuser, Schnellrestaurants, Wüste ringsherum. Doch die Stadt, die den Slogan „It’s a Trip!“ trägt, möchte viel mehr sein als nur der Drehort einer Serie. Sie hofft, Besucher auch für ihre anderen Vorteile begeistern zu können: So wird auf der Seite des Convention and Visitors Bureau genau wie auf der der Stadtverwaltung besonders auf die vielen Freizeitmöglichkeiten eingegangen. Da ist zum Beispiel der Bio-Park mit Zoo und Biotop, zahlreiche Möglichkeiten zum Fahrrad fahren, golfen und schwimmen und kulturelle Attraktionen. Es gibt es mehrere Museen wie dem ABQ Museum die, wie die schöne historische Altstadt, dem Erbe der indianisch- und hispanischen Geschichte der Stadt Leben einhauchen.

Die beiden Hauptdarsteller der Serie Bryan Cranston und Aaron Paul haben sich beide während der Dreharbeiten zu Breaking Bad Häuser in der Stadt gekauft und wollen sie nach eigenen Angaben auch behalten. „Die Stadt Albuquerque ist selbst zu einem sehr wichtigen Charakter unserer Serie geworden,“ erklärte Cranston noch in einem Radio-Interview. Und so ganz unbedarft bleibt sie auch nicht, was das filmische Mitwirken angeht: So ist sie auch schon Drehort für weitere Filme wie Lone Ranger mit Johnny Depp, Transformers und The Avengers gewesen und, wer hätte es gedacht, Schauspieler Neil Patrick Harris (How I Met Your Mother) und Pop-Sternchen Demi Lovato sind auch hier geboren. Ein Stopp in dem Städtchen Albuquerque lohnt sich auf jeden Fall. Solltet ihr mal in der Gegend sein und auf der berühmten Route 66 unterwegs, dann schaut doch einfach mal vorbei! Die Bewohner wird es freuen! ;)