Mara macht Bolivien unsicher: Kurz nach ihrer Ankunft in La Paz macht sie sich auf den Weg in den Madidi Nationalpark, um von dort aus ihr 3-tägiges Dschungelabenteuer zu starten. Lest hier, was sie beim ersten Teil ihrer aufregenden Dschungeltour alles erlebt hat.

Mein langersehnter Lateinamerika-Trip begann in Mexiko, von wo ich nach Peru flog und ein paar wunderschöne Tage verbringen durfte. Von dort zog es mich weiter in den Norden nach Bolivien, genauer gesagt nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens auf über 3200 Metern Höhe, womit die Stadt der höchstgelegene Regierungssitz der Erde ist.

Bootsfahrt (2)

Referendum in Bolivien – Stillstand in La Paz

Gleich am ersten Wochenende als ich in La Paz ankam, herrschte Ausnahmezustand aufgrund eines Referendums, bei dem sich entscheiden sollte, ob Präsident Evo Morales, der sein Amt bereits seit 10 Jahren ausübt, nochmals zur Wahl antreten kann. Für ein weiteres Mandat wäre eine Verfassungsänderung erforderlich gewesen, über die nun das Referendum entscheiden sollte. Das Ergebnis fiel sehr knapp aus: 48,7 Prozent stimmten dafür und 51,3 Prozent dagegen. Nach den anfänglichen Gerüchten, Morales wolle die Wahl anfechten, wurde schließlich bekanntgegeben, dass er das Ergebnis akzeptiere.

Der Tag des Referendums war ein Sonntag, an dem so gut wie ganz La Paz lahmgelegt war: Nahezu alles war geschlossen, damit die Bolivianer wählen gehen konnten. Nicht nur Märkte, Cafés und Restaurants waren dicht, auch Busse von und nach La Paz fuhren nicht, sodass man wirklich nichts Großartiges unternehmen konnte. Mir kam das sogar ziemlich entgegen, da ich zum einen nach wie vor noch einen unfassbaren Muskelkater von meinem Machu Picchu Hike hatte und zum anderen mir dadurch einfach mal Zeit blieb, mich hinter meinen Laptop zu klemmen, Fotos zu sichten und an meinen Berichten fürs Reisemagazin weiter zu schreiben.

Eindrücke von La Paz

An diesem Wochenende entschloss ich mich spontan dazu, für einige Tage nach Rurrenabaque, einer Kleinstadt im bolivianischen Tiefland ca. 45 Minuten Flugzeit nördlich von La Paz, zu fliegen, um dort eine Dschungel-Tour in den Madidi Nationalpark und in die Pampas zu unternehmen.

Flug nach Rurrenabaque

Dienstag darauf sollte mein Flieger früh morgens gehen, woraus, aufgrund des schlechten Wetters, leider erst mal nichts wurde. Der Flug nach Rurrenabaque erfolgt nämlich in einer winzigen Maschine, die gerade mal knapp 20 Passagiere transportieren kann, und von den Piloten manuell auf Sicht geflogen werden muss, was bedeutet, dass bei starkem Regen, Wolken und Nebel nicht gestartet werden kann. Nachdem ich fast den ganzen Tag am Flughafen verbracht hatte, nur um von Stunde zu Stunde weiter vertröstet zu werden, war ich dementsprechend froh, als es gegen vier Uhr Nachmittag mit knapp 10 Stunden Verspätung endlich losgehen sollte.

Als ich auf meinem winzigen Sitz Platz genommen hatte, musste ich unmittelbar schmunzeln, da ich beim Check In versuchte hatte, mit meinen paar Brocken Spanisch nach einem Fensterplatz zu fragen. Ich hatte nicht verstanden, warum ich nur schallendes Gelächter geerntet hatte – erst beim Anblick des unglaublich winzigen Flugzeugs war mir klar geworden, dass es aufgrund seiner Größe NUR Fensterplätze gab. Stewardessen, Getränke und Snacks während des Fluges? – Fehlanzeige. Es gab nicht einmal eine Tür zum Cockpit, wodurch wir Passagiere während des gesamten Fluges aber einen interessanten Blick auf die zwei Piloten am Steuer hatten.

Der Flug selbst war Abenteuer pur für mich. Dadurch, dass die Maschine so klein war, wurde man viel mehr durchgeschüttelt und spürte Start und Landung viel intensiver. Für Leute mit Flugangst dürfte so ein Flug wohl eine gewaltige Herausforderung darstellen. Zum Glück hatte ich selbst nicht mit solchen Problemen zu kämpfen und konnte den Flug absolut genießen. Je näher wir Rurrenabaque kamen, desto mehr kam ich nicht mehr aus dem Staunen heraus. Ich blickte aus dem Fenster, fasziniert von zahlreichen Flüssen, der Weite des Dschungels und des endlosen Grüns, das sich im Amazonasgebiet unter mir auftat.

Nach geglückter Landung schlug mir sofort nach dem Verlassen des Fliegers die unglaublich schwüle Tropenluft ins Gesicht. Das waren Welten im Vergleich zu La Paz, wo ich immer mit zwei dicken Wollpullovern, Jacke und Schal unterwegs gewesen war – kein Wunder, ich befand mich ja nun im Dschungel. Auch die Tatsache, dass man nur in ein kleines Flugzeug steigen musste, um in knapp 40 Minuten vom bolivianischen Hochland in den bolivianischen Dschungel zu gelangen, faszinierte mich.

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Ab in den Dschungel und Madidi Nationalpark

Am kommenden Tag ging auch schon meine dreitägige Dschungel-Tour los. Ich hatte Glück, denn da außer mir nur noch ein netter Chilene namens Edgardo mit dabei war, wurde die Tour quasi zu einer privaten, ohne, dass wir dafür extra bezahlen mussten. Unser Guide Pedro, ein Einheimischer, der in einer kleinen Community mitten im Regenwald groß geworden war, war uns von der ersten Minute an äußerst sympathisch.

Zunächst verließen wir Rurrenabaque mit einem kleinen Holzboot, das gerade so ca. 15 Personen aufnehmen konnte und schipperten den Beni River entlang, der schließlich in den Tuichi River mündete und uns immer tiefer in den Dschungel des Madidi Nationalparks hineinführte. Anfangs konnte ich noch vereinzelte Hütten links und rechts am Flussufer ausmachen, die jedoch immer weniger wurden.

Nach gut dreieinhalb Stunden Bootsfahrt legten wir schließlich an und begannen, unsere Rucksäcke, Wasser und Proviant ins Camp zu tragen. Das Basislager bestand aus mehreren kleinen Holz- und Bambushütten. Es gab eine winzige Art von Küche und sogar eine Waschmöglichkeit – alles natürlich sehr simpel gehalten, ich war aber trotzdem erstaunt darüber, da ich mich eigentlich auf Camping in der absoluten Wildnis eingestellt hatte. Trotzdem begeisterte mich die Tatsache, dass wir uns wirklich fernab von jeglicher Zivilisation befanden. Strom oder sogar Wifi? – Fehlanzeige! Wir hatten nur einen Generator, der jeden Abend für eine knappe Stunde für das Allernötigste eingeschaltet wurde, um zum Beispiel Akkus von Lampen aufzuladen – was mir natürlich entgegenkam, da ich so meine Fotoakkus ebenfalls laden konnte.

Dschungeltour

Am ersten Tag wanderten wir mit Pedro noch tiefer in den Dschungel. Alle paar Minuten hielten wir an und er erzählte uns etwas über eine bestimmte Pflanze, eine Tierart oder irgendwelche Dschungeltraditionen. Pedro erklärte alles auf Spanisch, da er kein Englisch konnte und ich war erstaunt, wie viel ich, die ohne irgendwelche Spanischkenntnisse zu meinem Lateinamerikatrip aufgebrochen war, bereits verstand. Mit dem Sprechen tat ich mich noch deutlich schwerer, aber von Pedros Erklärungen konnte ich tatsächlich bereits 30 bis 40 % aufnehmen. Zum Glück konnte Edgardo, der ein bisschen Englisch sprach, mir alles weitere Wichtige übersetzen. Durch die Dschungeltour erfuhren wir einiges über die medizinische Verwendung bestimmter Pflanzen, welche Beeren man zur Farbherstellung verwendete oder auch welche Dornen Pedros Stamm verwendet, um Pfeile für die Jagd herzustellen.

Immer wieder pflückte Pedro für uns verschiedene Früchte des Dschungels: Von einer kleinen süßen gelblichen Frucht, die wie eine Kombination aus Papaya und Maracuja schmeckte, bis hin zu „Dschungel-Marshmallows“, Mini-Kokosnüssen, die leicht süßlich schmeckten und eine Textur wie gummiartige Watte hatten. Als wir an einem Kakaobaum vorbeikamen und Pedro erwähnte, dass die Kakaofrüchte gerade genau richtig reif seien, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, hochzuklettern und ein paar der orangenen Früchte zu ernten. Abends tranken wir schließlich einen köstlichen süßen kalten Tee, den wir aus dem Fruchtfleisch der Kakaofrucht zubereitet hatten. Das Fruchtfleisch rund um die Kakaobohnen schmeckte wie ein Mix aus Litschi und Maracuja.

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Wildwasser-Tubing und Dschungelwanderung

Am nächsten Tag schnappten wir uns große schwarze Reifen, um damit mehrere der zahlreichen Flüsse zu durchqueren, was sich als eine größere Herausforderung herausstellte als zunächst angenommen. Durch den starken Regen der vergangenen Tage war der Wasserpegel sehr hoch und die Strömung dementsprechend reißend. So bahnten wir uns unseren Weg durch einige Flüsse und überquerten mehrere Inseln bis wir in einen Teil des Dschungels gelangten, in dem besonders viele Papageien lebten. Nach einer mehrstündigen Wanderung erreichten wir eine Anhöhe, von der eine Schlucht steil abfiel. In den Wänden der Schlucht befanden sich einige kleine Höhlen, in denen Papageien-Familien nisteten. Zum allerersten Mal konnte ich Papageien in der Wildnis beobachten und nicht wie bisher in einem Käfig. So saßen wir also auf der Anhöhe, hatten den fantastischsten Blick über den ganzen Dschungel überhaupt und beobachteten, wie die Papageien majestätisch ihre Kreise über den Baumwipfeln zogen. Herrlich!

…den fantastischsten Blick über den ganzen Dschungel überhaupt und beobachteten, wie die Papageien majestätisch ihre Kreise über den Baumwipfeln zogen.

Gegen Abend kehrten wir zwar ziemlich erschöpft aber überglücklich in unser Basislager zurück, wo wir ein leckeres Abendessen zubereiteten. Anschließend saßen Pedro, Edgardo und ich noch stundenlang zusammen, um bei Kerzenschein Schmuck herzustellen, während uns Pedro Geschichten aus seiner Kindheit erzählte. Auf unseren Streifzügen hatte ich besonders fleißig Nüsse und getrocknete Früchte gesammelt und habe sogar einen Zahn von einem Tapir gefunden. All das diente uns nun als Grundlage, um Ketten anzufertigen. Die Schale der „Marshmallow-Kokosnüsse“ beispielsweise sägte ich in schmale Scheiben, die ich aushöhlte, abschliff und abschließend mit Asche polierte, um so wunderschöne Ringe zu erhalten. Ich war so vertieft in meine Arbeit und fasziniert von Pedros Erzählungen, dass ich irgendwann auf die Uhr sah und erstaunt feststellte, dass es bereits halb zwei Uhr nachts war, woraufhin wir uns schließlich schlafen legten.

Das war etwas, das ich an meiner Zeit im Dschungel am meisten geschätzt habe: Einige Tage einfach mal völlig „Off the Grid“ zu leben. Nie auf die Uhr zu schauen, sich einfach nach dem Stand der Sonne zu richten, völlig ohne Computer, Wifi oder sonstigem elektronischen Schnickschnack. Simples aber leckeres Essen zu sich zu nehmen und Stunden damit zu verbringen, einfach nur da zu sitzen, Tiere zu beobachten und den Geräuschen des Dschungels zu lauschen.

Am nächsten Morgen ging es für mich direkt weiter auf eine zweitägige Tour in die Pampas, der subtropischen Grassteppe am Río de la Plata, drei Stunden außerhalb von Rurrenabaque. Was ich in den Pampas erlebt und welche Tiere ich dort gesehen habe, davon erfahrt ihr in meinem nächsten Bericht.