Ach Pamela, du hast uns gelehrt, wie sexy Rettungsschwimmer sein können. Spätestens seit der 90er TV-Show Baywatch genießt der Beruf des Lifeguards einen ganz besonderen Ruf. Sie retten Menschenleben, sind fit, sexy, braungebrannt und leben am Strand. Dass die Realität nicht immer so sexy und entspannt ist, wissen wir seit der australischen Doku-Show „Bondi Beach“.

Die Rettungsschwimmer des wohl berühmtesten Strandes Australiens werden hier von einem Kamerateam begleitet. Wie häufig es dabei tatsächlich um Leben und Tod geht, hätten bis dato die wenigsten gedacht. Dennoch entscheiden sich jedes Jahr Tausende junge Menschen, den Beruf des Lifeguards anzustreben. Wie das Leben als Lifeguard wirklich aussieht und welche Voraussetzungen ihr erfüllen müsst, um selbst Lifeguard zu werden – das erfahrt ihr jetzt.

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Foto: Surf Life Saving Queensland

Beruf Rettungsschwimmer: Sexy Beachboy, Held, Frauenschwarm

Baywatch hat unsere Vorstellung von Lifeguards über die Jahre hinweg wohl ziemlich beeinflusst. Doch auch so wohnt dem Beruf des Rettungsschwimmers stets ein gewisser Sexappeal inne. Junge Surfer-Typen (der Anteil an weiblichen Lifeguards liegt leider lediglich bei wenigen Prozent, nicht genug für große Fantasien) durchtrainiert, braungebrannt, bei denen sich die Damen gerne mal bewusst ein bisschen hilflos geben. Den ganzen Tag sind sie am Strand, stehen in ihrem Aufsichtstürmchen und blicken auf den weiten Ozean – was für ein Leben.

Neben den attraktiven Attributen, die dem Rettungsschwimmer zugesprochen werden, genießt er aber ebenso großen Respekt in der Bevölkerung – vor allem in den USA und in Australien. Was auch immer am Strand passiert, Rettungsschwimmer sind an Ort und Stelle und können helfen. Sei es bei Gefahr zu ertrinken, einer Haiattacke, Quallenstich, Strömungen – Rettungsschwimmer müssen in allen Situationen zu helfen wissen – wofür sie regelmäßig ihre Qualifikationen und Kenntnisse auffrischen.

Während wir häufig das Bild von einem jungen, frischen Rettungsschwimmer im Kopf haben, kann man den Beruf in vielen Ländern auch bis ins hohe Alter ausführen. Lifeguards über 50 sind in Australien keine Seltenheit. Die körperliche Fitness ist jedoch stets grundlegende Voraussetzung, noch im Einsatz zu sein. Ob als 20-Jähriger oder mit über 50 – werden gewisse Tests nicht bestanden, gewisse Zeiten nicht eingehalten, darf der Rettungsschwimmer nicht mehr als Wasserwacht arbeiten. Dann hat man die Möglichkeit, als Ausbilder etwa, neue Rettungsschwimmer zu lehren.

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Foto: Bondi Lifeguards

Neben dem Mythos, dem attraktiven Ruf, der mit dem Beruf einhergeht, geht es den Rettungsschwimmern aber selten um das Drumherum, noch weniger um das Geld. Zwar verdienen Lifeguards in den USA oftmals mehr als Lehrer, doch es geht ihnen vor allem um das Lebensgefühl. Vier Tage arbeiten, drei Tage frei – so sieht in etwa der Arbeitsplan aus – Wochenende und Feiertage müssen ebenfalls gearbeitet werden. Dennoch ist es ein anderes Feeling, wie es die Rettungsschwimmer häufig beschreiben. Kilometerlanger Strand, die Weiten des Ozeans – da, wo andere Urlaub machen, können sie jeden Tag verbringen. Rettungsschwimmer ist mehr als ein Beruf, es ist ein Lebensstil.

Bondi Rescue – Das echte Leben australischer Lifeguards

Baywatch im realen Leben. Seit 2006 wird das Team der Bondi Rescue, die Rettungsschwimmer des weltberühmten Bondi Beach in Sydney, bei ihren täglichen Einsätzen begleitet. Die Show wird in über 100 Ländern ausgestrahlt. Während einer Sommersaison (November bis Februar) erleben die Lifeguards rund 5000 Einsätze, dabei retten sie Ertrinkende aus dem Wasser, veranlassen Wiederbelebungsmaßnahmen, versorgen Haibisse und Quallenstiche, kümmern sich aber auch um vermisste Kinder, betrunkene Gäste und Sexualdelikte. Die Aufnahmen werden unzensiert gezeigt. Es ist keine Seltenheit, dass regungslose Körper aus dem Wasser gezogen werden und mehrere Minuten klinisch tot sind. Reanimationen samt Defibrillator führen oftmals jedoch zu einem Happy End. Dennoch schaut der Zuschauer dem Tod ins Gesicht. Zwischen den Stromstößen verkrampfen sich die Opfer zumeist, Szenen, die für vielen Zuschauer erschreckend sein können.

United States Lifesaving Association
Foto: United States Lifesaving Association

Die unzensierten Bilder führen zum einen dazu, dass die Gefahr, die vom Meer ausgeht, bewusster wahrgenommen wird. Wenn ein junger, sportlicher Mann aus den Wellen gerettet werden muss, verstehen viele erst die Kraft, die das Meer ausüben kann. Zum anderen zeigt die Show, dass Rettungsschwimmer um einiges mehr tun, als gut aussehen und am Strand das Leben genießen. Einmal im Jahr findet am Bondi Beach die Annual Lifeguard Ironman Challenge statt. Es werden die Fähigkeiten der Rettungsschwimmer getestet. Zuerst müssen die Teilnehmer einen 1-Kilometer-Lauf auf dem Sand von Bondi zum nächsten Strand, Tamarama, absolvieren. Dann heißt es, einen Kilometer zum nächsten Bronte Beach zu schwimmen, gefolgt von einer Paddleboard-Competition über zwei Kilometer zurück zu Bondi. Wer hier gewinnt, zählt zu den fittesten Lifeguards der Welt.

Fitness spielt eine sehr große Rolle, das wird auch in der TV Show deutlich. Regelmäßig werden Trainingseinheiten und Kurse gezeigt, die die Rettungsschwimmer absolvieren müssen. Wer bei einer Aufgabe durchfällt, darf nicht weitermachen.

Seit Jahren zählt Bondi Rescue zu den erfolgreichsten Real TV-Shows der Welt. Jede Folge wird durchschnittlich von 1,31 Millionen Zuschauern gesehen. Das Interesse an der Arbeit der Lifeguards ist bis heute ungebrochen.

 

Beruf Rettungsschwimmer: Voraussetzung und Qualifikation

„Lifeguard“ ist in vielen Ländern der Welt ein richtiger Beruf, der mit einer Ausbildung und verschiedenen Qualifikationen ausgeübt werden kann. In Deutschland sowie nahezu allen westlichen Ländern ist es Gesetz, Schwimmbäder, Badeseen und Strände von qualifizierten Rettungsschwimmern bewachen zu lassen. Voraussetzung für die Ausübung der Tätigkeit sind verschiedene Kurse, die belegt werden müssen. Welche Qualifikationen erlernt werden müssen, ist von Land zu Land unterschiedlich. Körperliche Fitness, Wasserrettung und Erste-Hilfe-Maßnahmen sind jedoch Hauptkriterien innerhalb der Schulung. Wird ein Test nicht bestanden, kann die Ausbildung nicht fortgesetzt werden.

In Deutschland müssen Anwärter das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen (DRSA) ablegen. Je nach zukünftigem Einsatzgebiet (Schwimmbad, Freiwasser, Wasserrettung) werden die Stufen Bronze, Silber und Gold bescheinigt. Während die meisten Rettungsschwimmer in Deutschland unsere Gewässer ehrenamtlich in ihrer Freizeit bewachen, ist das „Lifeguarding“ in anderen Ländern ein Vollzeit-Job.

Surf Live Saving Queensland FB
Foto: Surf Live Saving Queensland

Lifeguard – Ein gefragter Job auf der ganzen Welt

Als Rettungsschwimmer durch die Welt reisen und mal hier und mal da am Strand zu arbeiten, das wäre es doch :-) Leider werden nationale Abzeichen und Qualifikationen in anderen Ländern nur sehr selten anerkannt. Zumeist muss in dem Land selbst noch ein Rettungsschwimmer-Kurs absolviert werden. Rettungsvorgänge, -Vorschriften, die Art der Wasserrettung und die Erste-Hilfe sind tatsächlich in allen Ländern ein wenig anders. Dennoch kann man bereits innerhalb kürzester Zeit und recht preisgünstig einen solchen Kurs auch im Ausland machen und sodann als Rettungsschwimmer Geld verdienen – wenn man denn alle Tests besteht.

In England etwa, dauern die Kurse in der Regel sechs Tage inklusive Abschlussprüfungen – der Preis liegt bei knapp 350 Pfund. Habt ihr jedoch bereits einen anderen Job, der euch über Wasser hält, könnt ihr zunächst ehrenamtlich als Rettungsschwimmer aktiv werden, dann bekommt ihr die Kosten für Ausbildung und Zusatzqualifikationen meist übernommen.

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Foto: Surf Live Saving Queensland

Die Länder, in denen wohl die meisten Anwärter für eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer anstehen, sind die USA sowie Australien. Auch viele Deutsche reisen extra ins Ausland, um hier den Traumberuf zu leben. Vor allem der Miami Beach, wo die größten Partys stattfinden und die meisten Leute hinpilgern, ist hoch angesehen. Aber natürlich auch der Bondi Beach in Sydney. Häufig stemmt die Kapazität nicht die Nachfrage, sodass Lifeguard-Neulinge nur ein paar Stunden in der Woche eingeteilt werden. Hier ein kurzer Überblick über die Ausbildung zum Lifeguard in den USA und Australien:

  • USA: Der Kurs zum Open Water Lifeguard in den USA dauert mehrere Wochen und erfordert hohen körperlichen Einsatz. Er entspricht dem Rettungsschwimmerkurs, den der DLRG in Deutschland anbietet. Jedoch sind die Vorgänge in puncto Erste Hilfe stark abgewandelt. Es werden Hilfsmittel benutzt, Bojen, Paddel, die es in Deutschland nicht gibt, zudem müssen Hilfesuchende vor der Rettung zunächst um Erlaubnis gefragt werden, bevor man tätig werden kann. Um den Kurs belegen zu können, muss mindestens ein Hauptschulabschluss nachgewiesen werden. Weitere Infos: United States Lifesaving Association.
  • Australien: Rettungsschwimmer sind in Australien sehr hoch angesehen. Die Ausbildung zum Australian Lifeguard dauert mehrere Wochen, verlangt besondere körperliche Fitness und eine Vielzahl an theoretischen Prüfungen. Mitmachen darf jeder, der 400 Meter in maximal neun Minuten schwimmen kann. Kostenpunkt für die Ausbildung: 440 Dollar. Jeder Rettungsschwimmer, auch die freiwilligen, sind verpflichtet, mindestens 50 Stunden im Jahr am Strand Wache zu schieben. Weitere Infos: Australian Lifeguard Service.
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Foto: Surf Live Saving Queensland

Wäre das Rettungsschwimmen etwas, was ihr euch als Beruf vorstellen könntet? Täglich stundenlang am Meer sitzen – auch an stürmischen Tagen, wenn womöglich keiner am Strand ist? Oder wäre es euch zu langweilig?