Es kann ja nicht jeder so gut in Geographie sein, wie ich … Hmm… irgendwas stimmt da doch nicht ganz, habe ich mir gedacht. Aber es ist tatsächlich offiziell: Australien macht mit beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Wien. Schon irgendwie cool, schließlich hat Australien einige der größten Musiktalente der Welt hervorgebracht. Aber wie kommt Down Under bitte an diese Teilnahme, weil geographisch gesehen, hab ich gerade noch mal explizit nachgeprüft, liegt Australien verdammt weit außerhalb von Europa. Um ein wenig Licht in dieses Mysterium zu bringen, habe ich mal nachgeprüft, wie es dazu gekommen ist, aber viel wichtiger noch, wen die womöglich antreten lassen. Es ist nämlich gar nicht so unwahrscheinlich, dass die einfach mal ACDC nach Vienna schicken. Neben internationalen Krachern hat Down Under aber auch viele nationale Künstler, die es extrem drauf haben. Damit müssen wir also rechnen…

Artikelbild_Australien_Outback (Mappess in Konflikt stehende Kopie 2014-03-25)

Wildcard für Australien – Was, wenn die wirklich gewinnen?

„Building Bridges“ ist das Motto des diesjährigen Eurovision Song Contests in der österreichischen Hauptstadt. Anlässlich des 60. Jubiläums weitet der europäische Wettbewerb seine Grenzen ein gutes Stück weiter aus und lädt das ferne Australien zur Teilnahme ein. Mit einer Wildcard marschiert Down Under schnurstracks ins große Finale am 23. Mai. So ganz verrückt ist die Teilnahme gar nicht, gehört Australien ja zum Commonwealth, und hat auch die Queen als Staatsoberhaupt. Zwar wird der ESC seit 1974 in Australien ausgestrahlt, dennoch genießt der europäische Wettbewerb nicht allzu große Bekanntheit. Aber klar, so manche ESC-Fans ließen sich auch in Down Under von Conchita Wurst und Lena Meyer-Landrut in den letzten Jahren unterhalten. Aber vor allem die Zeitverschiebung von bis zu 9 Stunden macht es den Aussies nicht besonders leicht. Um 3 Uhr morgens aufstehen, um „Ein bisschen Frieden“ zu hören… ich kann’s verstehen!

ESC Australia

In diesem Jahr ist aber alles anders! Australien steht Kopf… zumindest einige davon. Das TV und auch die nationalen Radiosender, wie etwa Triple J, rasten total aus und diskutieren welche australischen Künstler man rüberschicken sollte. Übrigens: Sollte Down Under tatsächlich gewinnen, hätte ich mal wieder einen neuen Grund nach Australien zu fliegen, wären da nicht die europäischen Spielverderber, die den ESC dennoch in Europa stattfinden lassen wollen. Sollte Australien also auf Platz 1 gevotet werden, soll der australische Sender SBS als Co-Gastgeber in einer europäischen Stadt auftreten.

Australien beim Eurovision Song Contest – Wer soll ACDC schlagen?

Ganz Australien diskutiert aktuell, welche ihrer legendären Musiker sie denn nach Wien schicken sollen. Es wird euch definitiv umhauen, wie viele internationale, wahnsinnig erfolgreiche Weltstars Australien tatsächlich hervorgebracht hat. Doch auch vor den nationalen Künstlern, die noch nicht auf der Weltbühne stehen, sollten wir uns in Acht nehmen. Um euch mal einen kleinen Insidereinblick zu geben, mit welchen Burnern die Australier den ESC rocken könnten, hab ich mal meinen australischen Kumpel Danny angehauen. Danny hat mir direkt mal 7 australische Musiker aus dem Ärmel geschüttelt, die entweder: weltbekannt sind, in Australien Millionen Menschen zum Grölen bringen, oder Down Under samt seiner Geschichte und Kultur erstklassig vertreten könnten.

1. I come from a land Down Under – Das Lied einer ganzen Nation

„Wherever in the world if they are playing this song every single Aussie jumps of their seats and sings along“, erzählt mir Danny. Die inoffizielle Nationalhymne „Down Under“ ist im Original von Man at Work und feierte weltweit riesigen Erfolg in den 80ern. Der Song erzählt die Geschichte eines die Welt bereisenden australischen Rucksacktouristen, der allen von seiner Heimat berichtet, wo das Bier in Mengen fließt, Frauen heiß sind („glow“) und Männer sie aufreißen („plunder“), und sich wegen des übermäßigen Bierkonsums übergeben („chunder“ umgangssprachlich für „erbrechen“). „I bezweifel, dass wir dieses Lied beim ESC spielen werden, obwohl es definitiv das Lied unseres Landes ist.“

 

2. AC/DC – „They would win the ESC in a heartbeat“

Nicht den Hauch einer Chance hätten wir, wenn Australien tatsächlich seine Größten nach Wien schicken würde. Viele wissen es bis heute nicht, aber AC/DC kommt tatsächlich aus Australien. Die weltweit größte Hard-Rock-Band wurde 1973 in Sydney gegründet und verkaufte bis heute mehr als 200 Millionen Alben weltweit. „AC/DC ist der Papst der Rockmusik. Es wäre genial wenn wir die zum ESC schicken würden – die anderen hätten keine Chance.“ Vor allem in den 70ern und 80ern ging die Band steil in Australien, den USA, auch in Europa. Dass die junge Generation beim Feiern eine AC/DC-Platte nach der nächsten auflegt, kann man nicht unbedingt sagen, „aber jeder Australier liebt AC/DC – damit sind wir aufgewachsen“.

 

3. Daryl Braithwhite – Der Wolle Petry der Australier

Gibt es einen Song, den jeder Australier kennt, bei dem jeder Aussie steil geht, dann ist es dieser! Ich hab’s selbst miterlebt. Vor ein paar Jahren war ich zum großen AFL-Finale in Tasmanien. In der Halbzeit verstummte das TV und die Musik wurde aufgedreht. Ich wusste gar nicht, was um mich herum gerade abging, es ertönten nur die kleinen Töne einer ruhigen Melodie, und alle Aussies jumpten auf. Kaum fängt der Text an, stimmte dieser riesige Chor an betrunkenen und nüchternen Aussies mit ein. „The horses“ von Daryl Braithwaite ist wohl das bekannteste und beliebteste Lied, das die Massen packt, bei dem Millionen Australier zügellos mitgrölen. Eigentlich ist es ja ein romantischer Song über Liebe und, ja, Pferde, aber seitdem der Song 1990 in dieser Version gecovered wurde, gehört er zum australischen Kulturgut. „Daryl Braithwhite ist eine Legende in Australien. Seine Stimme ist phänomenal und jeder, wirklich jeder kennt ihn“, erzählt mir Danny. „The horses wäre ein echt cooler Song für den ESC, weil er sehr leidenschaftlich ist, eine einfache Musik hat und er jedem sofort im Kopf bleibt. Wenn du in Australien dazu gehören willst, solltest du diesen Song lernen!“

 

4. Kylie Minogue – Kleine australische Sexbombe

Die sexiest Menschen der Welt kommen aus… Australien! Das hat letztes Jahr eine Umfrage bestätigt. Also mich wundert das nicht. Ladies… würdet ihr nein sagen, zu Hugh Jackman, Simon Baker oder Liam Hemsworth aus den Tributen von Panem? Doch auch die Australierinnen haben es in sich… Kommt etwa die kleinste und heißeste Sängerin der Welt aus Australien. „Natürlich ist Kylie Minogue super populär in Australien. Jeder mag sie, ihre Songs sind halt ziemlich massentauglich, aber sie ist eine super liebe Person, deswegen lieben sie die Australier.“ Mit ihrem Song I Should Be So Lucky landete Kylie 1988 einen weltweiten Hit und ist seitdem auf der ganzen Welt bekannt. „Es wäre schon cool, wenn wir Kylie nach Wien schicken würden, einfach weil die ganze Welt sie liebt und wir mit ihr definitiv gewinnen würden“, lacht der Australier.

 

5. Xavier Rudd – Der Geheimtipp mit Didgeridoo und Weltfrieden

„Für viele Jahre war er eher ein Underground Star, aber in den letzten Jahren ist er ziemlich populär geworden“, erzählt mir Danny. „Xavier Rudd ist sehr spiritual. Seine songs handeln von Problemen in der Welt und er gibt den australischen Aborigines eine Stimme.“ Vor allem durch seine Liveauftritte auf zahlreichen, auch weltweiten Festivals, aber auch durch seine Konzerte an naturbelassenen Orten konnte Xavier Rudd in den letzten Jahren auch Fans in Europa, Nordamerika und Asien begeistern. In vielen seiner Songs thematisiert der Australier soziale und gesellschaftliche Fragen, Naturschutzthemen und die Rechte von Aboriginies. Xavier Rudd selbst spielt fast ein Dutzend Instrumente. In vielen seiner Songs integriert er das Didgeridoo sowie australische und kanadische Aboriginal-Vocals. „Er wäre der perfekte Repräsentant für Australien. In seinen Songs strebt er nach einem besseren Leben für alle Menschen und er will die Wahrheit nach draußen bringen, über unsere Geschichte und aktuelle Politik – so sollte sie Welt Australien sehen.“ So ein bisschen Nicole und Weltfrieden würde dem ESC doch echt ganz gut tun.

 

6. Temper Trap – Australische Rockband in der ganzen Welt bekannt

Beim Hurrican Festival habe ich die vor ein paar Jahren mal live gesehen. Erstklassig, definitiv! The Temper Trap ist eine richtig coole Rockband aus Australien, gegründet erst 2005, seit ein paar Jahren aber auch international ziemlich erfolgreich unterwegs. „The Temper Trap haben ein paar echt coole Songs, sie sind geschmeidig, haben ganze spezielle Melodien und verbreiten gute Stimmung“, sagt Danny über die australische Band. „Sie würden wahrscheinlich nicht die große Masse treffen, aber Australien’s Großartigkeit repräsentieren.“

 

7. Aboriginal Sounds – Back to the roots of Australian Music

Viel zu wenig weiß die Welt über die Musik der australischen Aborigines. Wer mal in Sydney am Opernhaus war, hat hier bestimmt eine paar Musiker sitzen sehen, die mit ihren Didgeridoos diese außergewöhnlichen Töne und Melodien erzeugen. „Die Musik der Aborigines ist einzigartig in der Welt“, erklärt mir Danny. „Die machen echt wahnsinnige Sachen mit dem Didgeridoo, der Sound ist echt krass.“ Einige moderne Musiker, wie etwa Xavier Rudd, nutzen die Töne der australischen Ureinwohner, um sie in ihre Songs zu integrieren. „Doch die Aborigines selbst mixen ihre Songs heutzutage mit elektronischen Beats – und die Komposition aus aboriginal und modernen Sounds ist fantastisch.“
Ob die Aussies nun einen einzelnen kleinen Aborigine in die Mitte der Bühne beim ESC setzen, wäre schon verdammt cool, doch eher unwahrscheinlich. „Aber ich hoffe wirklich, dass wir einen Musiker zum ESC schicken, der auch die australische Geschichte erzählt, der die Sounds der Aborigines in moderne Musik integriert.“

 

Also ich räume Australien beim Eurovision Song Contest 2015 echt gute Chancen ein. Ob sie jetzt wirklich AC/DC einfliegen lassen, oder tatsächlich einen braun gebrutzelten Aborigine auf die Bühne stellen, werden wir wohl erst in den nächsten Wochen erfahren. Sicher ist: Australische Musikszene hat einiges zu bieten, und wir sollten Conchita Wurst besser in Sicherheit bringen. Ich bin gespannt…