Hurra, Hurra, endlich ist die Eiszeit zwischen den USA und Kuba Geschichte. Viel wird sich auf der karibischen Insel verändern und gerade in der Tourismusindustrie hat man große amerikanische Dollarzeichen in den Augen. Wird Kuba jetzt völlig amerikanisiert?

Ein historischer Meilenstein am vergangenen Sonntag – Barack Obama betritt als erster amerikanischer Präsident seit 1959 kubanischen Boden und läutet so ein neues Zeitalter für das sozialistische Land in der Karibik ein. Schon gibt es die ersten Meldungen darüber, was sich jetzt für die Kubaner aber auch für die Touristen verändern wird. „Hotelzimmer werden knapp“ und „Kuba ist mit dem Ansturm auf Kuba völlig überfordert“ sind nur einige der Schlagzeilen, die man derzeit lesen kann. Aber stimmt das überhaupt oder wird da vielleicht etwas voreilig eine Hysterie geschürt, die gar nicht nachvollziehbar ist?

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Kuba und die USA – ein schwieriges Verhältnis

Schon 88 Jahre ist es her, seit ein amerikanischer Präsident bei einem Staatsbesuch in Kuba war, eine verdammt lange Zeit für zwei Staaten, die gerade einmal 90 Kilometer auseinander liegen und einst regen Handel trieben. Ein extremes Handelsembargo machte den Kubanern jahrzehntelang das Leben schwer, viele Autos und Maschinen werden seither gehegt und immer wieder repariert, denn Ersatzteile gibt es schon seit langem nicht mehr. Die ausländischen Touristen lieben die urigen bunten Oldtimer, von denen man in Havanna vermutlich mehr sehen kann als in jeder amerikanischen Stadt. Sie lassen sich gerne verzaubern vom Charme der Stadt, in der sich die Welt ein wenig langsamer zu drehen scheint als anderswo.

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Foto: Anna Jedynak / Shutterstock.com

Jetzt soll die Zeit der Entbehrungen vorbei sein, denn mit der Lockerung des Handelsembargos und der geplanten Möglichkeit, von den USA direkt nach Kuba zu fliegen, strömen viele Amerikaner ins Land. Diese wünschen sich Komfort und neben landestypischem Charme auch immer eine gute Portion Heimat. Amerikanische Firmen, Hotelketten und Privatleute wittern ihre Chance auf ein großes lukratives Geschäft. Aber auch die Kubaner selbst sehen in der Lockerung der Restriktionen eine große Chance.

Nein Kuba, du darfst dich nicht verändern!

Liest man sich die Berichte rund um die tiefgreifenden Veränderungen auf Kuba durch, beschleicht einen schnell ein komisches Gefühl. Alle wollen hin, alle wollen das ursprüngliche Kuba erleben, keiner scheint aber sehen zu wollen, wie die Amerikaner auch die letzten Reste der sozialistischen Kultur ersetzen durch Fast Food Ketten und riesige Hotels. Kuba soll gefälligst so bleiben, wie es schon seit Jahrzehnten ist – nur eben mit mehr verfügbaren Hotelzimmern und mehr westlichem Komfort. Da stimmt etwas nicht!

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Foto: EsHanPhot / Shutterstock.com

Hat irgendjemand eigentlich schon mal die Kubaner gefragt, was sie sich wünschen? Das Land öffnet sich gerade einem neuen, aufregenden und völlig anderem Leben, dass den Bewohnern Modernität, Aufschwung und viele spannende Momente verspricht. Es tun sich völlig neue Möglichkeiten auf, das Leben zu finanzieren und es ist nicht nur der Tourismus, der die Wirtschaft des Landes antreibt. Viele Menschen in Holguin, Santiago de Cuba, Trinidad und überall sonst hoffen darauf, leichter und vor allem schneller Geld zu verdienen und so der Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Will man ihnen diese Möglichkeit verwehren, nur damit Touristen aus dem reichen Westen sich an dem ergötzen können, was für die Kubaner lange Jahrzehnte Alltag war? Bitte nicht.

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Foto: Anna Jedynak / Shutterstock.com

Die Kubaner freuen sich über das Neue, was da kommt und beobachten zunächst mit gewohnter Gelassenheit, wie die Ausländer sich in den Zentren gegenseitig auf die Füße treten, um Fotos der pastellfarbenen Oldtimer zu machen, während alle von der drohenden „Amerikanisierung“ sprechen. Eines darf man nicht vergessen, auch hier lebte man in den vergangenen Monaten und Wochen nicht hinter dem Mond. Viele Neuerungen sind von den Kubanern lang ersehnt, anderes werden sie klug zu verhindern wissen. Jetzt aber bereits den Teufel an die Wand zu malen, das liegt ganz und gar nicht in der kubanischen Natur.

Gute Planung ist ein Muss – alles andere halb so wild

Strandurlaub ist auf Kuba extrem beliebt, deshalb kommt es bereits jetzt zu ersten Buchungsengpässen in den beliebten Regionen rund um Havanna und Varadero. Dass sich hier die Touristen gegenseitig die Liegen wegschnappen, liegt aber nicht an allgemeiner Überfüllung wegen amerikanischer Touristenmassen, sondern vielmehr daran, dass der Mensch als Herdentier immer am liebsten dahin geht, wo seine Artgenossen sind. Wer eine Rundreise durch das Land plant, wird schon wenige Kilometer entfernt von den Touristenregionen kaum noch andere Ausländer treffen. Wer klug ist, plant also seinen Aufenthalt an den touristischen Stränden etwa ein halbes Jahr im Voraus, dann sollte es keine großen Probleme geben. Je weiter es jedoch weg geht von den Hotspots der Pauschalurlauber, desto ruhiger und unproblematischer wird eine kurzfristige Buchung.

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Abgesehen von Hotels bietet Kuba nämlich zahlreiche Privatunterkünfte, in denen man das Leben der Inselbewohner sehr viel intensiver und unverfälschter erleben kann. Und das ist es schließlich, was die Menschen von anderen Karibikinseln hierher treibt – das einzigartige Gefühl zurückzuschauen in eine längst vergangene Zeit. Neben dem baufälligen Charme der Hauptstadt, der kubanischen Musik und den Oldtimern sind es vor allem die Überbleibsel der sozialistischen Kultur und die zahlreichen Geschichten über Che Guevara und Fidel Castro, die Touristen ins Inland und in den Osten ziehen. Dieses Erbe werden die Kubaner garantiert zu bewahren wissen – auch wenn man es ihnen hierzulande kaum zuzutrauen scheint.

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