In Zeiten, wo Burn-Out und Depressionen so sicher sind wie die Einkommenssteuer, wird die Kritik an der gegenwärtigen Arbeitsmentalität, die Sorge um das deutsche Arbeitstier, immer lauter. Dass die Deutschen sich zu Tode arbeiten, ist längst kein Gerücht mehr. Dass der zukünftige Wirtschaftsboom nicht am Ausbau der Geschlossenen scheitern darf, ist dem rationalen Volk seit Jahren bewusst. Doch wie bitte ändert man ein rissiges, funktionierendes System? Man gibt der Wissenschaft die Macht!

Der britische Wirtschaftsprofessor David Spencer veröffentlichte am 31. August einen Kommentar in der Dailymail, in dem er das fordert, was alles verändern könnte. Gebt jedem Arbeitnehmer ein 3-Tage-Wochenende. Jede Woche.

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Professor fordert 3-Tage-Wochenende – der Gesundheit zuliebe

Überstunden sind die Kür des Fleißigen und des Erfolgreichen. „Ohne Fleiß keinen Preis“, hat schon Sido gesagt. Die Arbeitsmentalität der Deutschen ist nicht angeboren, sondern erlernt. Nur wer sich richtig reinkniet, darf „Erfolg“ in den Mund nehmen. Selbstzerstörend! – Sagt David Spencer, britischer Professor für Wirtschaft und politische Ökonomie. Er fordert, die Arbeitswoche um mindestens einen Tag zu kürzen. Wirtschaftlich sei das problemlos stemmbar, gesundheitlich und körperlich eine überfällige Maßnahme.

„Lange Arbeitszeiten kosten den Menschen physische und mentale Gesundheit„, schreibt Spencer. „Das Risiko eines Schlaganfalls, einer Herzkrankheit und Diabetes Typ 2 zu entwickeln, ist eine Nebenwirkung der Überarbeitung.“ Grund für den Trend des immer mehr, immer größer, immer weiter sei die Konsumgesellschaft, in die wir katapultiert wurden. In einem Hamsterrad, einem vom Teufel gesteuerten, dreht sich die Gesellschaft von mehr Konsum zu mehr Arbeit zu mehr Geld, um mehr Konsum zu betreiben. „Arbeiter werden immerzu gepusht, mehr zu kaufen, um mit dem neusten Trend, der neusten Fashion mitzuhalten.“

Flatscreen, MacBook, iPhone, iPad, um iLikes rauszuschicken an virtuelle Freunde. Gestohlene Freizeit, beschreibt es Spencer. „Durch die vielen Arbeitsstunden verlieren wir Zeit für Familie und Freunde. Und noch schlimmer als das: Wir verlieren die Fähigkeit, wir selbst zu sein und Dinge zu tun, die das Leben wertvoll machen.“ Unser Leben sei zu gebunden an unsere Arbeit, an dem vorgegebenen Weg, „sodass wir kaum Zeit haben, kaum Energie, um alternative Lebenswege zu finden“.

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Was bedeutet Leben?

Lasst euch nicht verarschen! – liest sich Spencer zwischen den Zeilen. „Arbeit bedeutet nicht Freiheit, es hemmt uns, es macht es schwieriger, uns selbst zu finden, uns selbst zu realisieren. Die einzige Möglichkeit: Wir müssen weniger arbeiten.“ Seine Argumente:

  • Weniger arbeiten bedeutet nicht nur, bessere Qualität liefern, sondern auch das Leben mehr zu genießen.
  • Wir müssen gegen das kämpfen, was uns zeitlebens eingetrichtert wurde. Wirtschaftliche Barrieren, ideologische und politische.
  • Wir sollen den Lebensstil ablehnen, der behauptet, dass Arbeit das ganze Leben bestimmt.
  • Wir sollten unsere Arbeitsmoral in Frage stellen und alternative Lebenswege anstreben, die den Job nicht als Essenz des Lebens ansehen.

30 Stunden in der Woche – so stellt sich Professor Spencer das Ideal vor, die ideale Arbeitergesellschaft. Das Wochenende sollte drei, idealerweise sogar vier Tage lang sein.

Es muss sich etwas verändern – doch zu welchem Preis?

„Don’t worry, be happy“ gibt es nicht umsonst. „Die Veränderung würde weniger Konsum bedeuten und steigende wirtschaftliche Entbehrungen.“ Man müsse jedoch die technische Innovation smart nutzen, erklärt Spencer. Der Ökonom John Maynard Keynes sagte einmal voraus, dass wir dank technischer Entwicklungen im 21. Jahrhundert nur noch eine 15-Stunden-Woche benötigen wurden. Das Gegenteil ist eingetroffen. Doch wie wagt man nun den Sprung aus dem goldenen Hamsterrad, das Deutschland antreibt – trotz Kollateralschaden? Laut Spencer muss das Umdenken zuerst in jedem Einzelnen geschehen, bevor eine ganze Gesellschaft neue Werte zu tragen lernt. Familie, Freunde, Freizeit, die eigene Selbstverwirklichung – das seien die wichtigen Dinge im Leben.

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3-Tage-Wochenende: Freiheit, Freizeit, Fiktion?

Weniger Arbeiter, mehr Freiheit, dafür weniger Konsum und wirtschaftliche Entbehrung – Ist das also der Preis des Glücks? Was haltet ihr von dem Vorschlag? Könntet ihr eure Arbeit innerhalb einer 30-Stunden-Woche schaffen? Wo liegt euer Fokus im Leben? Musstet ihr euch schon einmal zwischen Job und Freizeit entscheiden?

Ich freue mich auf eure Meinung!