Der Zug als Transportmittel ist bei vielen Reisenden beliebt. Ihr setzt euch in ein gemütliches Abteil, lehnt euch zurück und betrachtet die Landschaft im Vorbeifahren. Die Deutsche Bahn ist in Deutschland so etabliert wie kein anderes Bahnunternehmen. Locomore war eine Privatbahn, die der Bahn Konkurrenz machen wollte. Leider ist das private Unternehmen bei dem Vorhaben gescheitert. Am 11. Mai 2017 meldete es Insolvenz an. Hier erfahrt ihr, wer hinter Locomore steckte und was jetzt mit der Zugverbindung geschehen ist. Ich zeige euch, was Locomore seinen Fahrgästen bot und ihr bekommt alle Infos zu den Tarifen, die Locomore bei vielen Fahrgästen so attraktiv machten.

Inhaltsverzeichnis

 

Was war Locomore und wer steckte dahinter?

Locomore war ein Fernverkehrszug des gleichnamigen Unternehmens Locomore GmbH & Co KG. Es handelte sich um einen privaten Fernzug-Betreiber, den Derek Ladewig im Jahre 2016 ins Leben rief. Der Unternehmer spielte bereits bei der Gründung des beliebten HKX, des Hamburg-Köln-Expresses, eine große Rolle. Für das Startkapital kamen nach Angaben mehr als 600.000€ per Crowdfunding zusammen. Der erste Zug von Locomore startete am 14. Dezember 2016. Der Startpunkt war Stuttgart, die letzte Haltestelle der Strecke war Berlin-Lichtenberg. Knapp eineinhalb Jahre später konnte Locomore seinen Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen und meldet am 11. Mai 2017 Insolvenz an. Bereits einen Tag später wurde der Verkehr eingestellt.

Aus Locomore wird FlixTrain

Nach der Insolvenz wurde das Unternehmen von dem Fernbusbetreiber FlixMobility, das besonders mit der Marke FlixBus weltweit Bekanntheit erlangt hat, und dem tschechischen Verkehrsunternehmen LEO Express weitergeführt. Nach mehrmonatiger Testphase mit den orangenen Zügen, entschied sich FlixMobility die Locomore Züge mit neuer, eigener Marke fahren zu lassen. Seit April 2018 haben die einstigen Locomore Züge einen neuen Schriftzug. Im bekannten FlixBus-Grün verkehren sie nun unter der Marke FlixTrain auf der Zugstrecke Stuttgart – Berlin. Erfahrt im Folgenden, was Locomore ausmachte!

Locomore
Bild: York Christoph Riccius

Die Verbindung von Locomore: Stuttgart – Berlin

Locomore hatte sich zu Beginn auf eine sehr beliebte Strecke gestürzt: von Stuttgart nach Berlin und wieder zurück. Auf dieser Strecke hielt die Linie in vielen weiteren Städten. Dazu gehörten Darmstadt, Fulda, Kassel, Göttingen und Wolfsburg. Diese Stopps sind vor allem bei Stundenten sehr beliebt, die die Universitäten in diesen Städten besuchen. Bis zur Bekanntmachung der Insolvenz befuhr Locomore diese Strecke zweimal täglich. Morgens von Stuttgart über Frankfurt nach Berlin und am Nachmittag wieder zurück. Es waren weitere Strecken in Planung. Es sollte mit dem Locomore Zug von Berlin über Eberswalde, Prenzlau, Greifswald und Stralsund nach Binz auf Rügen gehen. Eine weitere Strecke von München über Augsburg und Stuttgart bis nach Frankfurt war ebenfalls in Planung. Die letzte geplante Strecke führte von Berlin über Hannover, Dortmund, Düsseldorf und Köln nach Bonn. Diese Vorhaben konnte Locomore nicht mehr umsetzen.

Locomore Streckennetz
Das damalige Streckennetz von Locomore

 

Locomore Tarife – wie viel kosteten die Tickets?

Locomore bot seinen Fahrgästen zwei Tarife: Tarif Basic und Tarif Business. Abhängig vom gewünschten Komfort und vom Budget konnte man zwischen diesen beiden Tarifen wählen. Die Preise für den Tarif Business waren etwas teurer als beim Tarif Basic. Dafür erhielt der Kunde aber auch mehr Komfort. Grundsätzlich variierten die Preise für die Tickets. Abhängig von der Strecke und der Verfügbarkeit zahlte man für den Basic Tarif zwischen 7€ und 65€. Für eine Kurzstrecke gab es die Tickets sogar ab 3€. Zudem gab es die Option die Tickets im Zug beim Zugbegleiter zu kaufen. Diese Tickets konnten nicht wie die Online-Tickets zu einem ermäßigten Tarif erworben werden. Die Tickets im Business Tarif lagen zwischen 13€ und 98€ – je nach Strecke und Verfügbarkeit. Mit dem Business-Ticket gab es neben der Sitzplatzreservierung in einem kleinen Abteil, auch mehr Platz, Snacks und heiße Getränke sowie ein Komfortkissen und eine Tageszeitung, wenn eine Fahrt von mindestens 60 Minuten gebucht wurde.

Locomore Ticketpreise im Überblick

Tarif Ticketpreise
Tarif Basic 3€-65€
Tarif Business 13€-98€

Was bot Locomore den Fahrgästen?

  • Fair und günstig – das war die Devise von Locomore. Neben kostenlosen Wunschsitzplätzen bot das Unternehmen außerdem Fahrten mit Ökostrom und eine Auswahl an Bio- und Fairtrade Produkten an – ein deutlicher Pluspunkt. Die umgebauten ehemaligen IC-Wagen wurden umgestaltet und versprühen Charme und gemütliches Flair aus alten Zeiten.
  • Vier Reisebereiche (Basic/Ruhe/Themen/Family) sorgten für eine aufschlussreiche, ruhige oder familiäre Fahrt.
  • Für Familien und Gruppen gab es Rabatte: Bis zu vier Kinder unter 14 Jahren reisten in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos. So wurde ein Ausflug in den Stuttgarter Zoo oder ein Besuch bei Oma zu einer kostengünstigen Angelegenheit. Gruppen bekamen 20% Rabatt.
Locomore
Bild: York Christoph Riccius

Locomore Tickets buchen – so ging es!

Die Buchung der Tickets für den privaten Fernverkehr-Anbieter funktionierte schnell und simpel. Es standen vier verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: Die Tickets konnten im Internet, per Telefon über die Hotline, in ausgewählten Reisebüros und direkt an Bord des Locomore gekauft werden. Auf der Webseite, per Telefon oder im Reisebüro wurden zum Teil günstigere Tarife angeboten als bei der Last-Minute-Buchung beim Zugbegleiter.

Unterschiede zwischen Locomore und der Bahn

Gerade die kostenlose Sitzplatzreservierung ist ein echter Trumpf gegenüber der Bahn gewesen, in der nur die Gäste der 1. Klasse gratis auswählen können, wo sie sitzen möchten. Auch das Fairtrade/Bio-Angebot ist eine gute und wichtige Idee des gescheiterten Bahnunternehmens gewesen. Gerade für Gruppen und Familien waren die unterschiedlichen Abteilarten praktisch, denn so haben sie die Möglichkeit, in den Themenbereichen (wechselnde Themen wie Literatur, Sport und so weiter) Inspiration für Gespräche zu finden und mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen oder auch zurückgezogen im eigenen Abteil Platz zu nehmen.

Besonders positiv war die Möglichkeit, Tickets günstig zu stornieren und umzubuchen. Das ist bei der Bahn so leider nicht immer möglich.

Eine größere Streckenauswahl wäre wünschenswert gewesen. Die war von Locomore längst geplant, konnte jedoch nie umgesetzt werden, da kein passender Investor gefunden wurde.

 

Weitere Bahngesellschaften

 

Beitragsbild: York Christoph Riccius

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