Der Orient-Express ist ein legendärer Zug, der für viele nicht mehr als einen Mythos darstellt. Doch es gab und gibt ihn wirklich. Früher reisten mit ihm Politiker, Adelige und Schauspieler sowie Schriftsteller. Auch heute könnt ihr mit dem Nostalgie-Zug die Welt entdecken. Hier stelle ich euch den nostalgischen und edlen Fernreisezug vor. Ich erzähle euch die Entstehungsgesschichte und was es mit dem Orient-Express heutzutage auf sich hat. Ich zeige euch die Routen des Zugs und ihr erfahrt, was ihr für ein Ticket zahlen müsst.

Die Entstehung des Orient-Express

Der belgische Ingenieur Georges Nagelmackers reiste im 19. Jahrhundert in den USA das erste Mal in einem Fernreisezug. Für die damalige Zeit waren Schlafwaggons noch eine absolute Berühmtheit und für viele Reisende eine Faszination.

Auch Georges Nagelmackers war von der Idee, Schlafen und Reisen zu verbinden, angetan. Nach seiner Rückkehr gründete er die Firma „Compagnie International des Wagons-Lits“, zu deutsch „Internationale Gesellschaft für Schlafwagen“. Ende des 19. Jahrhunderts wollten viele Menschen die Welt entdecken, ferne Länder bereisen und fremde Kulturen kennenlernen. Damit war die Idee für den Orient-Express geboren.

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Bild: Pres Panayotov / Shutterstock.com

Der Orient-Express als Luxuszug der Extraklasse

Am 5. Juni 1883 war es soweit und der Orient-Express sollte seine erste Strecke von Paris nach Konstantinopel, heutiges Istanbul, fahren. Feine Damen und Herren versammelten sich am Embarcadère de Strasbourg, der heute Gare de l’Est heißt, in Paris. Alle warteten gespannt auf den Zug, der das Reisen von fortan und für immer verändern sollte: der Orient-Express. In Europa gab es vorher keinen anderen Zug, der den Gästen lange Reisen auf hohem Niveau bieten konnte. Der Orient-Express war der Zug, dessen Name Phantasien über ferne Länder hervorrief.

Für den Edelzug wurden ausschließlich feinste Materialien verwendet. Edles Teakholz schmückte die Waggons, schwere Teppiche verkleideten den Boden, hochwertige Ledersessel standen an kleinen Tischen aus poliertem Holz. Die liebevoll verzierten Lampen tauchten die Abteile in warmes Licht, während im Hintergrund stilvolle Musik am Flügel erklang. Den Champagner servierte das Personal in Kristallgläsern.

Kein Wunder, dass Schauspieler, Sänger, Schriftsteller und Künstler eine Reise im Orient-Express unternahmen, um sich von ihm inspirieren zu lassen. Solch einen Zug musste jeder Gutbetuchte in der damaligen Zeit sehen! Eine Reise mit dem Orient-Express inspirierte beispielsweise Agatha Christie zu ihrem Krimi „Mord im Orient-Express“. Graham Greene schrieb nach dem Aufenthalt im Luxuszug seinen Roman „Stamboul Train“. James Bond jagte in „Liebesgrüße aus Moskau“ einen Bösewicht im Orient-Express. Der Mythos „Orient-Express“ war für Film und Literatur ein Dauerbrenner.

Orient-Express
Foto: Belmond

Der Orient-Express als Mittel für politischen Frieden?

Die ursprüngliche Strecke des Edelzugs verlief von London nach Paris, Wien, Budapest, Belgrad, Sofia und erreichte sein Ziel in Konstantinopel. Georges Nagelmackers hat damit etwas geschafft, was zu dieser Zeit eine Besonderheit war. Er schloss Verträge mit verschiedenen Ländern, die damals alle unterschiedliche politische Interessen hatten und brachte sie auf diese Weise näher zusammen.

Der Erste Weltkrieg störte daraufhin die anfängliche Harmonie und veränderte den ursprünglichen Streckenverkehr. Dieser war ab diesem Zeitpunkt ausschließlich für hochrangige Politiker gedacht. Für den normalen Reiseverkehr wurde eine neue Route über die Schweiz, Italien und Kroatien entwickelt und der Zug heißt nun Simplon-Orient-Express. Die Verliererstaaten aus dem Ersten Weltkrieg – Deutschland und Österreich – fuhr der Orient-Express aus politischen Gründen nicht mehr an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Luxuszug mehr und mehr an Bedeutung. Andere Schnellzüge boten die gleichen Strecken für weniger Geld an, Flugzeuge und der Automobilverkehr liefen dem edlen Fernreisezug zusätzlich den Rang ab. Die Folge: Es wurden weitere Teilstrecken gestrichen.

Der Orient-Express heute: Venice Simplon-Orient-Express

Heute heißt die Zuglegende Venice Simplon-Orient-Express und gehört zur Belmond Kollektion. Seit dem 25. Mai 1982 ist der Venice Simplon-Orient-Express mit 17 authentisch renovierten Original-Waggons auf Europas Schienen unterwegs. Liebhaber des besonderen Reisens können im legendären Luxuszug verschiedene Teilstrecken der Originalroute bereisen.

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Bild: Pres Panayotov / Shutterstock.com

In eurem privaten Abteil, mit originalem Waschtisch ausgestattet, steht euch ein persönlicher Kabinensteward rund um die Uhr zur Verfügung. Nach eurer Ankunft genießt ihr einen Willkommens-Drink im eigenen Barwagen, das Mittagessen wird im noblen Restaurantwagen serviert. Die weißen Tischdecken verzieren die dunklen Holztische, die mit Samt überzogenen Stühle passen farblich perfekt zu den floralen Velourstapeten.

Euer Kabinensteward serviert euch den klassischen Nachmittagstee in eurem Abteil, während ihr den Ausblick auf die umliegende Landschaft genießt. Um euer Bett müsst ihr euch keine Sorgen machen. Genießt das erstklassige Dinner im Restaurantwagen. Währenddessen verwandelt euer Kabinensteward euer Abteil in ein gemütliches Schlafgemach. In diesem Zug gibt es keine Hektik, hier ist der Weg das Ziel der Reise.

Orient-Express: Routen, Tickets und Preise

Der heutige Orient-Express, also der Venice Simplon-Orient-Express, steuert zahlreiche sehenswerte europäische Städte an. Wer eine Zugreise der besonderen Art erleben will, hat eine große Auswahl an verschiedenen Strecken. Eine der beliebtesten Strecken ist Venedig-Paris-London. Die Reise dauert nur zwei Tage und ihr zahlt weit über 2.000€ für ein Ticket. Auch für viele andere Strecken gelten diese Preise. Die weiteren Orient-Express Routen sind beispielsweise:

    • Prag-Paris
    • Venedig-Prag
    • Wien-Paris
    • Venedig-Wien-Budapest
    • Berlin-Paris

In der Regel dauern die Zugreisen zwei Tage. Eine Ausnahme bildet die Route Paris-London. Sie dauert nur einen Tag. Eine weitere Ausnahme ist die Reise von Berlin nach Paris. Für die Strecke könnt ihr fünf Tage einplanen. In der Regel sind die Preise für die genannten Strecken ähnlich. Das gilt allerdings nur für Tickets für ein Doppelabteil oder ein Einzelabteil. Bucht ihr dagegen eine Suite, kann der Preis 4.000€ schnell überschreiten.

Wer vollkommen in Nostalgie versinken will, kann die historische Route von Paris nach Istanbul buchen. Die Reise auf der legendären Original-Route dauert circa sechs Tage und kostet knapp 9.000€. Wer auf den Spuren der Geschichte fahren will, im wahrsten Sinne des Wortes, muss dafür eine Menge Geld in die Hand nehmen.

In den Ticketpreisen ist die Verpflegung an Bord inklusive. Für die Getränke zahlt ihr extra.

Orient-Express
Foto: Belmond

Ein besonderes Reiseerlebnis mit dem Orient-Express

Ohne Zweifel ist der Orient-Express ein Luxuszug, der seinesgleichen sucht. Wer nostalgische Reisen mag, für den ist der Edelzug das Richtige. Die Zeitreise zurück in die goldenen zwanziger Jahre ist ein echtes Erlebnis. Wer das nötige Kleingeld für die vergleichsweise teuren Tickets übrig hat, kann sich auf eine außergewöhnliche Reise in einem der bekanntesten Züge der Welt freuen!

 

Titelbild: Faraways / Shutterstock.com

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