Eindrucksvoller Baumkronenpfad

So beeindruckend ist der Nationalpark Hainich

Der Baumkronenpfad ist eines der Highlights im Nationalpark Hainich in der Welterberegion Wartburg Hainich. Wer auf der Suche nach etwas mehr als einem gewöhnlichen Spaziergang durch den Wald ist und nebenbei noch einiges über Flora und Fauna lernen möchte, ist hier genau richtig. Seid den Baumkronen so nah wie nie und erlebt den Urwald aus einer ganz anderen Perspektive.

Ich zeige euch die Besonderheiten des Pfades und nehme euch mit auf die offene Plattform, die euch einen grandiosen Ausblick über den Hainich beschert. Erkundet mit mir zusammen das faszinierende UNESCO-Weltnaturerbe Hainich. Wie groß die Bedeutung des Nationalparks für die Umwelt ist und was ihr dort noch alles erleben könnt, das erfahrt ihr jetzt!

Baumkronenpfad-Hainich

 

Ein Spaziergang durch die Baumwipfel

Als ich erfahre, dass es für mich in die Welterberegion Wartburg Hainich gehen soll, freue ich mich besonders auf den Besuch des Baumkronenpfades. Als ich dann zusammen mit anderen Naturliebhabern am Pfad ankomme, fällt mein Blick direkt auf die orangefarbene Aussichtsplattform und ich kann es kaum erwarten, die Treppen hoch zum Pfad zu steigen. Schonmal vorab: Der Pfad beginnt auf einer Höhe von zehn Metern und endet in 24 Metern Höhe. Trotz dieses Unterschiedes ist die Steigung aber kaum zu spüren.

Beim Überqueren des Pfades merke ich schnell, wie vielseitig er gestaltet ist.

Der 534 Meter lange Weg durch die Baumkronen schlängelt sich in Form einer Acht durch die Baumwipfel des Nationalparks Hainich. Den Pfad könnt ihr auf eigene Faust oder mit einem Ranger erkunden. Wir entscheiden uns für die Variante mit dem Ranger. Auf unserem Weg durch die Baumkronen entdecken wir Schautafeln, die über die Baumvielfalt sowie die Bewohner des Waldes informieren. Hier und da entdecken wir Skulpturen von Tieren, die im Wald leben. Besonders für Kinder sind die vielen Spiele und Rätsel sowie die verschiedenen Klettermöglichkeiten kleine Highlights.

Das merken wir, als ein paar Kinder gerade begeistert über eine Hängebrücke laufen. Und dann ist es so weit: Wir erreichen den Turm. Bis wir ganz oben ankommen, müssen wir noch so einige Treppenstufen überwinden, die sich um diesen schlängeln. Oben auf der offenen Plattform angekommen, bietet sich uns eine atemberaubende Aussicht auf einer Höhe von 44 Metern, die ich sofort mit der Kamera festhalten muss.

Was ein atemberaubendes Gefühl, wenn einem der Hainich zu Füßen liegt!

Nach dem aufregenden Spaziergang in den Wipfeln des Hainich entscheiden wir uns, noch das nahe gelegene Nationalparkzentrum zu besuchen. Hier könnt ihr anhand von Modellen, Filmvorführungen und interaktiver Präsentationen so einiges über die Kreisläufe der Natur lernen. Während ich mich mit all meinen Sinnen durch die abwechslungsreiche Ausstellung begebe, wird mir mit der Zeit bewusst, wie bedeutend der Hainich für seine Umwelt doch ist. Und dann fühle ich mich plötzlich ganz klein, als ich mich in die „Wurzelhöhle“ begebe. Hier werden – auch auf interaktive Art und Weise – biologische Prozesse der Welt unterhalb der Bäume veranschaulicht. Und wieder gilt: Sehen, hören und fühlen.

Nationalpark Hainich: Ein Urwald mitten in Deutschland

Ohne ihn würde der wunderbare Baumkronenpfad gar nicht existieren: der Hainich im Westen Thüringens. Mit einer Fläche von 13.000 ha bildet er das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Nachdem ich bereits durch die Baumwipfel geschweift bin, möchte ich mich nun wieder auf den Boden der Tatsachen begeben und starte zusammen mit den anderen Besuchern und demselben Ranger eine Wanderung auf einem der ausgewiesenen Wanderwege des Waldes. Schnell begreife ich, wieso hier das Motto „Natur Natur sein lassen“ herrscht. Der Ranger erklärt uns, dass der Südteil des gewaltigen Gebietes jahrzehntelang militärisch genutzt wurde, sodass sich im Laufe der Zeit Wälder mit der Buche als prägende Baumart entwickeln konnten. Am 31. Dezember 1997 werden ganze 7.500 ha des Hainich als Nationalpark ausgewiesen. 2011 dann der nächste Höhepunkt: Der Hainich wird aufgrund seines Buchenbestandes in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. Erstaunlich finde ich, dass über 90% des Nationalparks frei von Eingriffen des Menschen sind.

Als die goldbraunen Blätter von den Bäumen fallen und der Wind sie an mir vorbeiziehen lässt, wird mir einmal mehr bewusst, wie schön doch der Herbst ist.

Die Betteleiche ist ein ganz besonderer Baum und eines der Wahrzeichen des Nationalparks. Laut einer Sage soll ihre bizarre Form durch eine Aushöhlung entstanden sein, die Bettelmönche in den Baum schlugen, um ihre Almosen vor Regen und Sturm zu schützen. Durch die Vegetation wurde diese Aushöhlung immer größer.

Ich atme die frische Luft ein und höre die Äste unter meinen Füßen knacken. Zu dieser Jahreszeit zeigt sich der sogenannte „Indian Summer“. Ein Spiel mit den Farben beginnt, wenn sich die Blätter langsam gold, braun und rot färben und einen klaren Kontrast zum Grün des Waldes bilden. Im Frühjahr dagegen breiten sich bunte Blütenteppiche über dem Boden des Hainich aus, denn dann beginnt die Zeit von Bärlauch, Märzenbecher und weiteren Frühblühern.

Nationalpark Hainich in der Welterberegion Wartburg-Hainich
Lasst die Ruhe des Waldes auf euch wirken.

Auf den Spuren der Wildkatze

Katzenliebhaber, aufgepasst! Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat im Jahr 2004 das Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ ins Leben gerufen, denn durch immer stärkere Zerschneidung der Landschaft verschwinden die scheuen Tiere an vielen Orten. Um die Bedeutung des Projektes zu veranschaulichen, wurde im April 2012 das Wildkatzendorf Hütscheroda eröffnet. Dieses teilt sich in mehrere Teile auf: Im Informationszentrum „Wildkatzenscheune“ könnt ihr euch in einer Ausstellung über die Wildkatzen informieren. Auf dem 1,5 km langen Wildkatzenschleichpfad oder dem sieben Kilometer langen Wildkatzenpfad begebt ihr euch auf die Spuren der Vierbeiner. Hier warten auch so einige Spielmöglichkeiten auf die kleinen Entdecker. Auf den Besuch der Wildkatzenlichtung habe ich mich aber am meisten gefreut. Als ich das naturnahe Gehege betrete, ist die Fütterung der Vierbeiner gerade in vollem Gange. Ihr habt richtig gelesen: Wenn ihr die sonst so scheuen Katzen mal mit eigenen Augen sehen wollt, könnt ihr ganz einfach bei einer Fütterung dabei sein. Dann lassen sich Carlo, Toco und Franz – wie sie liebevoll genannt wurden – auch mal blicken. Die genauen Fütterungszeiten könnt ihr der Webseite des Wildkatzendorfes entnehmen.

Aktivangebote: Wandern und Radfahren im Hainich

Wandern

Im Nationalpark Hainich findet ihr über 20 markierte Wanderwege mit einer Länge von mehr als 120 Kilometern. Fast alle Wege sind Rundwanderwege, Ausnahmen sind die Fernwanderwege Rennstieg, Waagebalkenweg und der Pilgerweg Via Porta. Drei Strecken möchte ich euch kurz vorstellen:

  • Qualitätsweg Hünenteich: Dieser Wanderweg mit einer Länge von 6,5 km ist für die ganze Familie geeignet. Unterwegs können Kinder sich auf dem Abenteuerspielplatz Wildkatzenkinderwald austoben. Außerdem kommt ihr am Hünenteich – eines von wenigen stehenden Gewässern im Hainich – vorbei. Achtet bei eurer Wanderung auf das Frosch-Symbol.

Wandern im Hainich
Im Hainich könnt ihr super wandern / Foto: Tino Sieland

  • Erlebnispfad Silberborn: Diesen Pfad könnt ihr in zwei verschiedenen Varianten ablaufen, die aber jeweils zur Silberbornlinde führen. Der rote Weg ist 2,8 km lang und mittelschwer. Der blaue Weg ist dagegen leicht und hat eine Länge von 2 km. Auf der Wanderung weiht euch Alruna, die Seherin des Waldes, in die Geheimnisse des Hainich ein. Achtet auf das Lindenblatt-Symbol, um nicht vom Weg abzukommen.
  • Märchennaturpfad Fennsteig: Durchquert ihr das „Tor zum Hainich“, gelangt ihr schlagartig in eine ganz andere Welt. Ob ein Zauberspiegel oder ein Baum, der Wünsche erfüllt – auf dem Märchenpfad zieht ihr an einigen magischen Fleckchen vorbei. Die Taube, das Symbol des Märchenpfades, begleitet euch auf eurer 2,5 km langen Wanderung.

Radfahren

Wer lieber auf zwei Rädern anstatt zu Fuß unterwegs ist, der kann den Nationalpark Hainich auch per Rad erkunden. Immerhin führen über 50 km gut ausgebaute Radwege durch den Wald. Welche Routen euch zur Verfügung stehen, das zeige ich euch jetzt:

  • Nationalpark-Rundweg: Der Radweg mit einer Länge von 25 km führt mitten durch den Urwald sowie über weites Offenlandgebiet, ziemlich abwechslungsreich also. Der Nationalpark-Rundweg hat den Schwierigkeitsgrad mittel, da er an einigen Stellen ziemlich anspruchsvoll ist und er mit einigen Steigungen auf euch wartet. Es wird auf jeden Fall nicht langeweilig!

Radfahren im Hainich
Und auch mit dem Rad könnt ihr den Hainich erkunden / Foto: Tino Sieland

  • Gelbe Route: Schnappt euch das Fahrrad und folgt der anspruchsvollen Gelben Route. Ihr beginnt eure Tour an der historischen Werrabrücke in Creuzburg, bis ihr nach 37 km schließlich in Bad Langensalza – einer der drei Orte des Städtedreiecks – ankommt. So könnt ihr Radfahren in der Natur gleich mit Sightseeing verbinden.
  • Rote Route: Die 22 km lange Strecke verbindet die historische Stadt Mühlhausen mit dem Nationalpark Hainich. Ihr könnt Fahrzeit und Schwierigkeitsgrad bestimmen, indem ihr euch für eine Richtung entscheidet. Die Fahrt vom Nationalpark nach Mühlhausen ist eher leicht, umgekehrt ist der Anspruch schon höher. Die Symbole auf den Hinweistafeln – rote Fahrräder – führen über Radwege und Nebenstraßen.

 

Lasst die Natur des Hainich auf euch wirken!

Mein Ausflug in den Nationalpark Hainich hat mir mal wieder gezeigt, wie schön und facettenreich die Natur doch ist. Der Baumkronenpfad und das Wildkatzendorf sind zurecht die absoluten Highlights in diesem vielseitigen Urwald. Ihr habt Lust bekommen, die Natur der Welterberegion Wartburg Hainich zu erkunden? Dann packt eure Wanderschuhe ein oder schnappt euch das Fahrrad und los geht’s!

Welterberegion Wartburg Hainich

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